Georg Wannagat

Georg Paul Wannagat (* 26. Juni 1916 in Brzeziny, Wartheland; † 7. September 2006 in Kassel) war ein deutscher Jurist. Bekanntheit erlangte er durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zum Sozialrecht und in seiner Funktion als Präsident des Bundessozialgerichts von 1969 bis 1984.

Werdegang

Georg Wannagat wurde als Sohn des evangelischen Pfarrers Albert Ludwig Wannagat und seiner Frau Lucie Adeline Wannagat, geborene Jahn, in Brzeziny östlich von Lodz im Wartheland (Polen) geboren. Er studierte Jura in Warschau und an der Universität Erlangen. 1938 legte er die erste, 1943 die zweite juristische Staatsprüfung ab. Er wurde zum Dr. jur. promoviert.

Berufstätig war Wannagat nach 1945 zunächst in der Stadtverwaltung Bayreuth sowie als Rechtsanwalt, spezialisiert auf das Recht der sozialen Rentenversicherung. Von 1952 bis 1954 wirkte er als Kammervorsitzender beim Württembergischen Oberversicherungsamt in Stuttgart. Von 1954 bis 1957 war er Referent im Baden-Württembergischen Arbeitsministerium (1957 als Senatspräsident). 1954 wechselte Wannagat mit deren Errichtung in die Sozialgerichtsbarkeit, zunächst als Landessozialgerichtsrat am Landessozialgericht Baden-Württemberg in Stuttgart. 1962 wurde er Präsident des Landessozialgerichts Hessen. Von 1969 bis zu seiner Pensionierung 1984 war Wannagat schließlich Präsident des Bundessozialgerichts.

Im Jahr 1965 wurde er Vorsitzender des Deutschen Sozialgerichtsverband. Seine wissenschaftliche Karriere führte in den Jahren 1965 und 1967 zu Honorarprofessuren für Sozialversicherungsrecht an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Er war Schriftleiter und Mitherausgeber der Zeitschrift Die Sozialgerichtsbarkeit und von sechs Bänden des von ihm begründeten Werks Das Sozialrecht der Gegenwart.

Auf dem Gebiet des Sozialrechts initiierte Wannagat 1969 die „Richterwoche des Bundessozialgerichts“ in Kassel. Im Jahr 1972 regte er die Gründung des heutigen Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik an; am 1. März 1976 nahm eine Projektgruppe die Arbeit auf, 1980 wurde diese in ein Institut überführt.[1] Ab 1979 war Wannagat Mitglied im Sozialbeirat und ab 1980 Vorsitzender des Kuratoriums und des Fachbeirats des Instituts für Ausländisches und Internationales Sozialrecht der Max-Planck-Gesellschaft. Er war zudem Synodaler und ab 1975 Vorsitzender des Kuratoriums der Evangelischen Akademie Hofgeismar. Georg Wannagat war Rotarier und lebte in Kassel-Wilhelmshöhe.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Lehrbuch des Sozialversicherungsrechts. 2 Bände. Mohr (Siebeck), Tübingen 1965 ff.
  • als Herausgeber: Kommentar zum Sozialgesetzbuch.
  • als Herausgeber: Kassel als Stadt der Juristen (Juristinnen) und der Gerichte in ihrer tausendjährigen Geschichte. Heymanns Verlag, Köln 1990, ISBN 978-3-452-21801-8.

Literatur

  • Wannagat, Georg. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1304.
  • Präsident des Bundessozialgerichts a.D. Prof. Dr. Senator h.c. Georg Wannagat verstorben (= Medien-Information. Nr. 29/06. Bundessozialgericht. 12. September 2006. (Nachruf).)
  • Eberhard Eichenhofer: Nachruf: auf Georg Wannagat (1916 bis 2006). In: JuristenZeitung. Band 61, Nr. 21, 2006, ISSN 0022-6882, S. 1061, doi:10.1628/002268806779046500 (mohrsiebeck.com [abgerufen am 27. Februar 2024]).
  • Eberhard Eichenhofer: Wannagat, Georg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 27. Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-11208-1, S. 409–410 (deutsche-biographie.de).

Einzelnachweise

  1. Hans Friedrich Zacher, Bernd Schulte: Der Aufbau des Max-Planck-Institutes für ausländisches und internationales Sozialrecht. In: Vierteljahresschrift für Sozialrecht. 1981, ISSN 0301-2999, S. 165–195, urn:nbn:de:bvb:19-epub-10083-4.