Georg Tobias Ludwig Sachs

Georg Tobias Ludwig Sachs (* 22. April 1786 in St. Ruprecht, Österreich; † 6. Mai 1814 in Erlangen) war ein deutsch-österreichischer Mediziner und der erste bekannte Synästhetiker in der medizinischen Literatur.

Leben

Georg Tobias Ludwig Sachs war ein Sohn und ältestes von 5 Kindern des ev.-luth. Pfarrers Samuel Sachs (* 1760 in Bayreuth). Er besuchte das Alte Gymnasium in Nürnberg, studierte zunächst Medizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen und ab 1805 an der Universität Altdorf und wechselte dann 1810 an die Friedrich-Alexander-Universität nach Erlangen, wo er am 18. September 1811 mit seiner in Latein abgefassten Dissertation Historiae naturalis duorum leucaetiopum: Auctoris ipsius et sororis eius zum Doktor der Medizin und Chirurgie promovierte. Die Dissertation wurde 1824 von Julius Heinrich Gottlieb Schlegel ins Deutsche übersetzt.

In dieser Dissertation berichtet Sachs über seinen eigenen Albinismus und den seiner Schwester und beschreibt darin auch als weiteres Phänomen die Synästhesie, bei der Farben mit Musik und einfachen Sequenzen (einschließlich Zahlen, Tagen und Buchstaben) assoziiert werden. Die weitere wissenschaftliche Erforschung dieses Phänomens begann danach dann erst 70 Jahre später im Jahr 1873 mit dem österreichischen Naturforscher und Synästhetiker Fidelis Alois Nussbaumer.

Georg Tobias Ludwig Sachs erhielt am 12. August 1812 die Venia legendi für Arzneikunde und wirkte in der Folge noch bis zu seinem Tod als Privatdozent an der Universität Erlangen.

Er stand im Briefwechsel mit Georg Simon Ohm, bei dem er sich in einem Brief vom 20. Mai 1813 für die Übersendung der Abhandlung über das Licht und die Farben bedankte und auf Differenzen mit seiner Auffassung sowie auf kleinere Berichtigungen hinwies.[1]

Schriften (Auswahl)

  • Historiae naturalis duorum leucaetiopum: Auctoris ipsius et sororis eius. Erlangen 1812 (MDZ)

Literatur

  • Jörg Jewanski, Sean A. Day & Jamie Ward: A Colorful Albino: The First Documented Case of Synaesthesia, by Georg Tobias Ludwig Sachs in 1812. In: Journal of the History of the Neurosciences: Basic and Clinical Perspectives. Band 18, Nr. 3, 2009, S. 293–303 DOI:10.1080/09647040802431946.
  • Sachs, Georg Tobias Ludewig. In: Renate Wittern (Hrsg.): Die Professoren und Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1743–1960. Teil 2: Medizinische Fakultät. Bearbeitet von Astrid Ley. Universitätsbibliothek Erlangen, Erlangen 1999, urn:nbn:de:bvb:29-opus-20877, S. 158.
  • Julius Heinrich Gottlieb Schlegel: Ein Beytrag zur näheren Kenntnis der Albinos. Keußnersche Hofbuchhandlung, Meiningen 1824

Einzelnachweise

  1. Findbuch des Archivs des Deutschen Museums, München, NL 267 Ohm, Georg Simon (1789–1854), Stand: 07.08.2023, S. 28 (PDF)