Georg Tölle

Georg Tölle (* 13. November 1896 in Westenholz, Stadt Delbrück; † 25. November 1990 in Attendorn) war ein deutscher Parteifunktionär (NSDAP).

Leben

Georg Tölle besuchte das Humanistische Gymnasium Paderborn, musste die Schule veranlassen und von September 1915 an Kriegsdienst leisten. Das Abitur holte er im Herbst 1919 nach, begann eine Ausbildung zum Bankbeamten in einer münsterischen Großbank und wurde im Dezember 1923 Leiter der Sparkassennebenstelle in Hopsten. Diese Stelle hatte er bis März 1925 inne und wechselte dann als Buchhalter in die Privatwirtschaft.

Zum 1. September 1930 trat er in die NSDAP (Mitgliedsnummer 294.557 Ortsgruppe Münster) ein und wurde am 30. Januar 1933 Ortsgruppenleiter in Gescher[1]. So kam er in den Kreisausschuss des Kreises Coesfeld. Vom 1. Mai 1934 bis zum 15. Oktober 1934 war er hauptamtlicher Kreisleiter in Münster-Stadt, anschließend bis März 1938 Kreisleiter im Kreis Steinfurt. Er versuchte, durch eine Intrige den Steinfurter Bürgermeister Walter Schumann im Amt abzulösen.[2] Der Plan ging jedoch nicht auf.

Am 1. Juli 1935 wurde er zum Amtsbürgermeister im Amt Rheine[3] ernannt, versah dieses Amt vom 15. Juli 1935 bis zum 8. Mai 1938 und war zugleich Kreisdeputierter und Stellvertreter des Landrats Karl Tanzeglock. Im Anschluss war er bis Kriegsende Bürgermeister in Herford sowie dort gleichzeitig Dezernent für Polizei-, Wohlfahrts- u. Gesundheitswesen. Diese Personalie wurde auf Druck des Gauleiters Alfred Meyer gegen den Willen des Mindener Regierungspräsidenten entschieden. Noch vor Kriegsbeginn 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen und blieb dort bis zum 15. Juli 1943, zuletzt als Hauptmann. Im August 1943 vom Mindener Regierungspräsidenten als Nachfolger des Landrats im Kreis Höxter vorgeschlagen, wurde Tölle am 14. Dezember 1943 als Bürgermeister nach Recklinghausen abgeordnet. Im April 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde bis zum 15. Oktober 1947 in Fallingbostel interniert, wo er ohne Durchführung eines Verfahrens entlassen wurde.

Im Entnazifizierungsverfahren wurde er vom Hauptamt in Steinfurt am 10. Februar 1949 in die Kategorie III („aktiver Nazi“, „starker Nutznießer“) eingestuft. Das Bezirksamt Münster bestätigte auf Tölles Revision hin am 19. Oktober 1949 diese Entscheidung Kat. III („Aktivist“). Im Januar 1951 wurde die Akte noch einmal überarbeitet mit dem Ergebnis Kategorie IV c mit der Beschränkung „keine leitenden Ämter in politischen oder berufsständischen Organisationen“. Im Nachkriegsdeutschland verdiente Tölle seinen Lebensunterhalt zunächst als Landwirtschaftsgehilfe bei seinem Bruder und kam später als Bauhilfsarbeiter zum Ruhrtalsperrenverein Essen.

Literatur

  • Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 197 (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. Arno Schröder: Mit der Partei vorwärts!zehn Jahre Gau Westfalen-Nord: unter Verwendung amtlicher Unterlagen von Parteidienststellen. Lippische Staatszeitung N.S. Verlag GmbH, 1940 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Willi Feld: Steinfurt während der NS-Zeit. 2019 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Samuel Wilswoud: Account of the Charitable Foundations. 2019 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).