Georg Schett (Mediziner, 1969)

Georg Schett (* 12. März 1969) ist ein österreichischer Internist mit Schwerpunkt auf Rheumatologie und Immunologie. Seit 2006 leitet er den Lehrstuhl für Innere Medizin 3 am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich‑Alexander‑Universität Erlangen‑Nürnberg (FAU). Er übernahm das Amt des Vizepräsidenten für Forschung an der FAU im Jahr 2021. Seine wissenschaftliche Arbeit fokussiert sich auf die molekularen Signalwege bei immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen, die er mit translationaler und interdisziplinärer Methodik untersucht, um neue diagnostische und therapeutische Strategien für Autoimmun‑ sowie chronisch‑entzündliche Erkrankungen zu entwickeln.

Leben

Nach dem Medizinstudium an der Universität Innsbruck (1987–1994) und seiner anschließenden Promotion begann Georg Schett seine wissenschaftliche Laufbahn als Universitätsassistent am Institut für Biomedizinische Alternsforschung in Innsbruck.

Im Jahr 1996 wechselte er an die Medizinische Universität Wien und absolvierte seine Facharztausbildung in Innerer Medizin. Diese schloss er 2002 mit der Anerkennung als Facharzt ab. Ein Jahr später, 2003, habilitierte sich Schett und wurde zum Assistenzprofessor berufen. Parallel zu seiner universitären Tätigkeit arbeitete er bis 2006 als Oberarzt für Innere Medizin in Wien. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Karriere absolvierte er 2004 einen Forschungsaufenthalt beim Biotechnologieunternehmen Amgen in Thousand Oaks, Kalifornien.

2006 folgte Georg Schett einem Ruf an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dort wurde er zum ordentlichen Professor (Ordinarius) berufen und übernahm als Klinikdirektor die Leitung der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen.

Forschung

Georg Schett untersucht die molekularen und zellulären Mechanismen immunvermittelter Entzündungskrankheiten, insbesondere systemischer Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, systemische Sklerose und rheumatoide Arthritis. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Pathogenese chronischer Entzündungen, sprich die Fehlregulation des Immunsystems, die zur Schädigung körpereigener Gewebe und Organe führt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Zytokinen und Autoantikörpern bei der Aufrechterhaltung entzündlicher Prozesse. Seine Arbeiten haben wesentlich zum Verständnis der Interaktion zwischen Immunzellen und Zellen des Knochensystems beigetragen, insbesondere im Kontext entzündlich bedingter Knochenveränderungen. Damit leistete Schett einen zentralen Beitrag zur Etablierung der Osteoimmunologie als eigenständigem Forschungsfeld.

Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team entwickelte Georg Schett neue immuntherapeutische Strategien, die gezielt krankheitsverursachende B-Zellen ausschalten. Dazu zählen unter anderem Ansätze mit chimären Antigenrezeptor-(CAR)-T-Zellen, die ursprünglich aus der Krebsforschung stammen und nun auch zur Behandlung schwerer Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden.

Ein wissenschaftlicher Meilenstein gelang Georg Schett und seinem Team mit der weltweit ersten Behandlung einer Patientin mit einer schweren Form des systemischen Lupus erythematodes mittels einer körpereigenen CAR-T-Zell-Therapie. Dieses bahnbrechende Verfahren eröffnete neue Perspektiven für die Therapie bislang unheilbarer Autoimmunerkrankungen und wurde international als Durchbruch in der translationalen Immunmedizin gewürdigt.

Darüber hinaus wurde unter Georg Schetts Leitung weltweit erstmals eine Patientin mit Rheumatoider Arthritis im Rahmen einer klinischen Studie mit einem bi-spezifischen T-Zell-Engager (BiTE) behandelt. Ziel dieser Therapie ist die gezielte Ausschaltung autoreaktiver B-Zellen durch die Aktivierung körpereigener T-Zellen. Der Ansatz stellt einen weiteren Fortschritt in der Entwicklung zielgerichteter Immuntherapien bei Autoimmunerkrankungen dar.

Akademische Funktionen

Seit 2018 ist Georg Schett Gründungsmitglied und Sprecher des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen.[1] Ein Jahr später übernahm er die Sprecherrolle des Departments für Innere Medizin, bevor er 2021 zum Vizepräsidenten für Forschung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg berufen wurde. Im selben Jahr wurde er in die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands, aufgenommen.

Seine wissenschaftlichen Erfolge haben Georg Schett internationale Sichtbarkeit verschafft und spiegeln sich in einer Reihe renommierter Gastprofessuren wider. Er war Gastprofessor an der University of California, San Diego, den Universitäten Xian und Guangzhou in China, dem Hospital for Special Surgery in New York, der New York University (NYU) und der University of Pittsburgh. Er ist derzeit Gastprofessor am Karolinska-Institut in Stockholm (2022) sowie an der Università Cattolica del Sacro Cuore in Rom.

Georg Schett arbeitete in Gremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der European League Against Rheumatism (EULAR), der Foundation of Research in Rheumatology (FOREUM) und der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften (Auswahl)

  • 2024 Lupus Insight Preis by the Lupus Research Alliance
  • 2024 John Vane Medaille of the British Pharmacological Society
  • 2023 Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2021 Changjiang Scholar Award of the Bildungsministeriums der Volksrepublik China
  • 2021 Dr. Franciscus-Blondel-Medaille der Stadt Aachen
  • 2018 ERC Synergy Grant der Europäischen Union
  • 2015 Carol-Nachman-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden
  • 2004 Theodor-Billroth-Preis Wien
  • 2002 START-Preis des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
  • 2001 Aventis-Preis
  • 2001 Staatspreis für Rheumatologie des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur
  • 1999 Paracelsus-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin 1999
  • 1999 Wissenschaftspreis der 1. Österreichischen Sparkassen AG
  • 1998 Anton von Eiselsberg-Preis der Van Swieten Gesellschaft
  • 1996 Preis der Österreichischen Gesellschaft für Immunologie and Allergologie

Publikationen

Georg Schett zählt zu den international meistzitierten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Rheumatologie und Immunologie und hat diese Fachgebiete nachhaltig geprägt.[2] Mit über 1100 Artikeln in peer‑reviewten Fachzeitschriften rangiert er in den letzten Jahren regelmäßig unter den am häufigsten zitierten Forschenden weltweit.[3] Seine Forschung erscheint regelmäßig in führenden Fachmagazinen wie Nature Medicine, The New England Journal of Medicine sowie in Lancet, und gilt als wegweisend für die Entwicklung personalisierter Immuntherapien, insbesondere im Bereich neuartiger Behandlungsansätze für Autoimmunerkrankungen.[4] Er ist vom Laborjournal als meistzitierter Rheumatologe und als meistzitierter Immunologe im deutschsprachigen Raum ausgewiesen. 2024 wurde Georg Schett vom Time Magazine unter die 100 einflussreichsten Menschen im Gesundheitssektor gewählt.

Einzelnachweise

  1. Deutsches Zentrum Immuntherapie. Uniklinikum Erlangen, abgerufen am 24. November 2025.
  2. Top Scientists List: World's Top 2% Scientists. In: Top 2 % Scientists. Stanford University, abgerufen am 24. November 2025.
  3. Zwei Forscher des Uniklinikums Erlangen unter den meist zitierten ihres Faches. 17. November 2025, abgerufen am 24. November 2025.
  4. Georg Schett - Search Results. In: PubMed. National Library of Medicine, abgerufen am 24. November 2025 (englisch).