Georg Horninger
Georg Horninger (* 5. Oktober 1910 in Salzburg; † 12. September 1998 in Gallspach, Oberösterreich) war ein österreichischer Baugeologe und Hochschullehrer an der Technischen Universität Wien. Er war maßgeblich an den geologischen Untersuchungen der großen österreichischen Speicherkraftwerk-Bauten (unter anderem Kaprun, Kraftwerksgruppe Malta) beteiligt.
Leben und Karriere
Horninger studierte Naturgeschichte und Physik und erwarb an der Universität Innsbruck das Lehramt für Mittelschulen. Im Jahr 1934 promovierte er mit einer Dissertation über den Schärdinger Granit an der Universität Wien. Dem Probejahr am Realgymnasium Salzburg folgte eine mehrjährige nichtfachliche Tätigkeit.
NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg
Nach seiner Anstellung bei den städtischen E-Werken in Salzburg trat Horninger eigenen Angaben zufolge 1935 der NSBO der E-Werke sowie der illegalen NSDAP bei. Kurz vor dem Anschluss Österreichs trat er eine außerplanmäßige Assistentenstelle am Mineralogisch-Petrographischen Institut der Universität Breslau an. Am 14. November 1938 beantragte er die reguläre Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.199.728).[1] Anfang Dezember 1940 wurde Horninger zur Wehrmacht eingezogen. Er war zunächst in Polen bei einem Infanterie-Ersatz-Bataillon in Tarnowitz und von Dezember 1940 bis April 1941 bei einer Wehrkreis Auskunftsstelle in Kattowitz eingesetzt. Nach dem deutschen Überfall auf Russland kam er dort zu einem Feldtruppenteil, wurde verwundet und im Juni 1942 zum Wehrgeologenstab Wannsee versetzt. Von dort kam er 1943 zu den Festungspionieren nach Avignon und nach Dinan in Frankreich und wurde beim Bau des „Atlantikwalles“ eingesetzt. Im August 1944 geriet er in Kriegsgefangenschaft. Im August 1944 geriet Horninger in Kriegsgefangenschaft, nachdem er Anfang Dezember 1940 zur Wehrmacht eingezogen wurde.
Nachkriegszeit und Reintegration
Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Juni 1946 nach Wien registrierte sich Horninger als Nationalsozialist, verschwieg aber seine illegale NS-Betätigung und die Anerkennung als Illegaler. Er wurde 1947 im Entnazifizierungsverfahren als minderbelastet eingestuft und im Oktober 1949 aus der Registrierungsliste gestrichen.
Ab März 1947 war er zunächst bei der Firma Geolfugur (für praktische Geophysik) tätig. Horninger stieg 1954 zum Leiter der Abteilung Geologie der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-AG (Verbund) auf und war mit den großen Kraftwerksbauten der Nachkriegszeit verbunden.
Hochschullehrer an der TU Wien
1971 wurde Horninger als Nachfolger von Alois Kieslinger zum Professor für Geologie an die Technische Universität Wien berufen. Da er das 60. Lebensjahr überschritt, war für seine Berufung eine Ausnahme erforderlich. Seine Emeritierung erfolgte im September 1981.
Auszeichnungen
Im Jahr 1985 erhielt Georg Horninger die Haidinger-Medaille der Geologische Bundesanstalt (GBA) verliehen.
Privatleben
Horninger war mit der Lehrerin und Petrographin Margarete Siller (1914–?) verheiratet, die ab 1942 Verwalterin einer Assistentenstelle am Petrographischen Institut der Universität Wien unter Arthur Marchet (1892–1980) war.
Literatur
- Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 160, Wien 2020. S. 359–408. (Online)
Einzelnachweise
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/16951496