Georg Erdmann (Diplomat)

Georg Erdmann (* 19. Februar 1682 in Leina[1]; † 1732[2] oder 11. Oktober 1736 in Danzig[1]) war ein Diplomat in russischen Diensten. Bekannt ist er als Mitschüler Johann Sebastian Bachs.

Erdmann nahm 1708 ein Jura-Studium in Jena auf. 1714 trat er in die russische Armee unter Fürst Anikita Iwanowitsch Repnin ein.[3] Er war um 1730 kaiserlich-russischer Gesandter und Hofrat in Danzig.[2] Es wurde bisher kein Bild von George Erdmann entdeckt.

Bekanntschaft mit Johann Sebastian Bach

Er war wie dieser ein Mitglied im Chor des wohlhabenden Michaelis-Klosters in Lüneburg und blieb lebenslang sein Freund.

Es sind zwei Briefe J.S. Bachs an Erdmann bekannt, durch die deutlich wird, dass Erdmann eine wichtige Rolle in dessen Leben gespielt haben muss. Ihre Freundschaft begann sehr wahrscheinlich in Ohrdruf, wo sie sich als Schüler in der Secunda kennenlernten. Beide zogen dann nach Lüneburg, wo sie weiter zur Schule gingen. Das akademische Niveau an der Partikularschule in Lüneburg war höher als am Ohrdrufer Lyzeum. Außerdem lernten die Schüler hier durch die Nachbarschaft der Ritterschule die Grundlage der höfischen Tradition kennen. Im Jahr 1702 trennten sich ihre Lebenswege. Johann Sebastian Bach ging nach Thüringen zurück und hatte fortan nur wenig Kontakt zu Georg Erdmann.

Die beiden Briefe Bachs gehören zu den ganz wenigen persönlichen Äußerungen Bachs und haben Bedeutung zur Einschätzung bestimmter Zusammenhänge seines Lebens. Der erste Brief (vom 28. Juli 1726) galt als verschollen und wurde erst 1982 aufgefunden.[4][5] Der zweite Brief Bachs (vom 28. Oktober 1730) war unter Bachforschern seit langem bekannt.[6]

Literatur

  • Konrad Küster: Der junge Bach. Deutsche Verlags-Anstalt, 1996
  • Andrea Frova: Bravo Sebastian: tien episoden uit het leven van Bach. Uitgeverij Flavium, 2010

Einzelnachweise

  1. a b Erdmann, Georg. In: Bach digital. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. Juni 2020; abgerufen am 23. Juni 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bach-digital.de
  2. a b Andreas Kruse: Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach. Springer, Berlin und Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-54626-6, S. 188, doi:10.1007/978-3-642-54627-3 (springer.com [abgerufen am 23. Juni 2020]).
  3. Malcolm Boyd, John Butt: J.S. Bach. Oxford University Press, 1999 (Oxford Companions Series, Oxford composer companions) S. 156
  4. BACH-JAHRBUCH 1985: Johann Sebastians Bachs Briefe an Georg Erdmann. nebst Beiträgen zur Lebensgeschichte von Bachs Jugendfreund (s. 83-97).
  5. Beide Briefe werden im Faksimile dokumentiert in: Walther Vetter: Der Kapellmeister Bach, erweiterte Neuausgabe Leipzig/Berlin 2020. Dort auch ausführliche Hinweise zu den Briefen. ISBN 978-3-945980-48-4PDF
  6. enthalten in Neumann/Schulze: SCHRIFTSTÜCKE VON DER HAND JOHANN SEBASTIAN BACHS (Kassel/Basel 1963, S. 67-70).