Georg Anton Jasmatzi
Georg Anton Jasmatzi (eigentlich: Georgios Antoniou Iasmatzis) (* 15. Mai 1846 in Konstantinopel; † 24. Februar 1922 in Dresden[1]) war ein griechisch-deutscher Tabakfabrikant. In der früheren Zigarettenfabrik Jasmatzi wird heute die f6-Zigarette produziert.
Leben
Georg Anton Jasmatzi war der Sohn des Anton Nicolaus Jatzmatzi, eines Kaufmanns in Konstantinopel, und der Kerikiza Hatzifoti. Seine Eltern waren Griechen, die mit der abziehenden türkischen Besatzungsmacht ihr Land verlassen hatten.[2] Georg Anton Jasmatzi war griechisch-orthodoxer Christ. Bereits mit 13 Jahren erlernte er in der Türkei das Zigarettengewerbe kennen.[2] Er zog 1868 nach Dresden. Zunächst war er als Werkmeister bei der Compagnie Laferme tätig, der ersten Zigarettenfabrik auf deutschem Boden.[2] Im Jahr 1877 heiratete er in Dresden Erdmuthe Clara Auguste (1850–1937). Das Paar hatte 3 Töchter Helena (1881–1882), Sofie (1882–1885), Anastasia (1884–?) und 2 Söhne Anton Gustav (1878–1944) und Konstantin (1885–1935), die später Mitinhaber der Zigarettenfirma ihres Vaters wurden.[1]
1885[2] machte Georg Anton Jasmatzi sich mit einem Kapital von 930 Mark selbstständig, indem er selbstgedrehte Zigaretten verkaufte. Für den 6. Oktober 1886 ist die Gewerbegenehmigung für Jasmatzi eingetragen.[2] Zwei Jahre später mietete er in der Dresdner Innenstadt einen Laden zum Verkauf seiner Zigaretten. 1889 erwarb Jasmatzi ein Grundstück an der Blasewitzer Straße. 1900 errichtete er ein Produktionsgebäude an der Schandauer Straße 68.
Bald überflügelte sein Unternehmen mit den Marken Cheops, Sphinx und Ramses die Firmen Kosmos, Union, Patras und Macedonia, welche ebenfalls in Dresden-Striesen Zigaretten produzierten. Jasmatzi-Zigaretten erhielten auf internationalen Messen zahlreiche Medaillen.[2] Jasmatzi wurde 1903 griechischer Konsul in Sachsen, ebenfalls 1903 verlieh ihm die Stadt Dresden die Bürgerrechte.[2] Am 1. Januar 1901 wandelte er sein Unternehmen in die Jasmatzi AG um, wobei er fortan alleiniger Unternehmensleiter unter der Mehrheitsaktionärin American Tobacco blieb. Diese war mit einem Kapital von 10 Millionen Mark die größte Kapitalgesellschaft der Tabakindustrie in Deutschland. Als American Tobacco 1901 Jasmatzi gegen dessen Willen das alleinige Zeichnungsrecht entzog und ihm einen Vorstand zu Seite stellte, schied er 1902 aus der Gesellschaft aus und betätigte sich zunächst mit dem Handel von Rohtabak.
1908 begann Jasmatzi mit der Herstellung von Zigarettenmaschinen[1] und mit einer eigenen Fabrik die Produktion von Zigarettenhülsen. Nach Ablauf seiner vertraglichen Verpflichtung, keine eigene Zigarettenproduktion zu betreiben, gründete er schließlich 1911 im Hinterhof seiner Villa auf der Blasewitzer Straße 17[2] mit seinen Söhnen Anton Gustav Jasmatzi und Konstantin Jasmatzi die Gesellschaft Georg Jasmatzi & Söhne (Georg A. Jasmatzi and Sons) mit den Marken August der Starke, JAS und Kleine JAS. Georg Anton Jasmatzi starb 1922 und wurde auf dem Tolkewitzer Johannisfriedhof begraben.
Georg Jasmatzi gilt als
„… Begründer der Dresdner Zigarettenindustrie, die bis zum Zweiten Weltkrieg von zahlreichen großen und kleinen Firmen betrieben wurde. Sachsen hatte 1929 ein Tabaksteueraufkommen von 250 Millionen Reichsmark aufzuweisen. [… Durch Jasmatzi wurde] Dresden zu einem der größten Stapelplätze für Orienttabake und zugleich ein Standort der Zigarettenmaschinenindustrie.“[1]
In der Zeit der Weimarer Republik wurde die Gesellschaft Gesellschaft Georg Jasmatzi & Söhne von Reemtsma aufgekauft. 1933 verschwand der Betrieb aus den Dresdner Adressbüchern und wurde als Dreßler KG weitergeführt. Die Jasmatzi-Villa Kreutzer Straße 21 musste für einen Minimalpreis verkauft werden und wurde durch das Nationalsozialistische Fliegerkorps Berlin genutzt. Die Villa Comeniusstraße 19 blieb unangetastet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten SED-Mitglieder die enteigneten Zigarettenfabriken unter dem Namen VEB Jasmatzi neu; 1959 wurden alle Zigarettenfabriken zum VEB Vereinigte Dresdner Zigarettenfabriken zusammengeschlossen.[2]
Literatur
- H. Starke: Gedenkblätter Georg Jasmatzi zum 70. Geburtstag, 1920.
- H. Neumann: Dresdens Industrie zwischen den 2 Weltkriegen. In: Sächsische Heimat, 1965, Heft 2, S. 15 ff.
- Herbert Pönicke: Studien zur Geschichte der sächsischen Wirtschaft des 19. Jahrhunderts, 1972.
- Herbert Pönicke: Jasmatzi, Georg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 360 (deutsche-biographie.de).
- Ines Vetter: Biographien bedeutender Unternehmer. Volk und Wissen Verlag, Berlin 1991, S. 186–192.
- Michael Schäfer: Familienunternehmen und Unternehmerfamilien. Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der sächsischen Unternehmer 1850–1940. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56211-2, S. 178.
Weblinks
- „Restliche Vermögenswerte beim Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen“, die Nachfahren konnten zu diesem Zeitpunkt (2001) nicht mehr aufgefunden werden ( vom 20. September 2008 im Internet Archive) (PDF-Datei; 815 kB)
- 11773 – Jasmatzi AG, Dresden auf der Seite des Hauptstaatsarchivs Dresden
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Herbert Pönicke: Jasmatzi, Georg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 360 (deutsche-biographie.de).
- ↑ a b c d e f g h i Klaus Hoffmann-Reicker: Der geänderte Canalettoblick. Gründerzeit in Dresden. edition Sächsische Zeitung SAXO'Phon GmbH, Dresden 2013, ISBN 978-3-943444-06-3, S. 39–47.