Geographica Bernensia
Geographica Bernensia ist ein 1975 gegründeter wissenschaftlicher Verlag am Geographischen Institut der Universität Bern. Ursprünglich als Selbsthilfeorganisation zur Verbesserung der Publikationsmöglichkeiten für Dissertationen und universitäre Lehrmaterialien ins Leben gerufen, entwickelte sich Geographica Bernensia zu einem bedeutenden Schaufenster der Berner Geographie, das heute Open Access und digital publiziert.
Entstehung und Gründungsanlass
Der Verlag wurde am 13. Februar 1975 als Verein «Arbeitsgemeinschaft Geographica Bernensia» gegründet, um die kostspielige Einzeldruck-Verpflichtung für Dissertationen sowie die Vervielfältigung von Unterrichtsskripten effizienter zu lösen. Von Beginn an ermöglichte der Verlag den Doktorierenden günstigere Publikationen und baute durch den direkten Schriftentausch mit bis zu 50 Partnerinstituten rasch ein bibliothekarisches Netzwerk auf.
Entwicklung und Verlagsprogramm
Geographica Bernensia gab zunächst mehrere thematische Reihen heraus:
- G: Grundlagenforschung (insb. Dissertationen)
- P: Geographie für die Praxis
- S: Geographie für die Schule
- U: Skripten für den Universitätsunterricht
Später kamen hinzu:
- A: African Studies
- B: Berichte über Exkursionen und Seminare
- E: Entwicklung und Umwelt
Das thematische Spektrum reicht von Raumplanung, Klima und Naturgefahren bis zu Tourismus, Nachhaltigkeit und kartografischen Grossprojekten. Klassiker wie das Buch «Mountains and Climate Change» oder «Pflanzen im Wandel der Jahreszeiten» waren besonders erfolgreich und fanden internationale Beachtung. Ab 1983 vergab der Verlag eigene ISBN-Nummern. Kooperationen – etwa mit der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft oder der Geographischen Gesellschaft Bern – prägten immer wieder das Veröffentlichungsprofil. Viele Publikationen erschienen in mehreren Sprachen.
Wandel und digitaler Aufbruch
Mit der abnehmenden Bedeutung von Monografien durch die Internationalisierung der Wissenschaft und die Verbreitung elektronischer Druck- und Kopiertechnik wurde ab 2012 eine grundlegende Transformation eingeleitet: Unter der Federführung von Stefan Brönnimann, gemeinsam mit Monika Wälti und weiteren Vorstandsmitgliedern, wurde Geographica Bernensia ein reiner Online-Open-Access-Verlag. Das Publikationsarchiv wird laufend retrodigitalisiert und auf den Plattformen der Universitätsbibliothek (heute: BORIS Portal) bereitgestellt. Trotz der Dominanz digitaler Formate besteht weiterhin Nachfrage nach gedruckten Einzelausgaben, beispielsweise als Exkursionsführer im Rahmen des Hydrologischen Atlasses der Schweiz.
Gegenwart und Zukunftsperspektiven
Als Open-Access-Verlag nutzt Geographica Bernensia die Vorteile flexibler Formate und schneller Innovationszyklen. Der Verlag kann Nischen wie Working Papers, Lernmaterialien oder digitale Objekte bedienen und profitiert so von einer agilen universitären Infrastruktur. Künftig sind Kooperationen – etwa als Reihe innerhalb von «Bern Open Publishing» – ebenso angedacht wie die Fortführung eigenständiger Formate. Die kontinuierliche Anpassung an die rasch wechselnde Publikationskultur gilt als Schlüssel zum Fortbestand.
Organisation und langjährige Vorstandsmitglieder
Geographica Bernensia ist ein privatrechtlicher Verein mit Zwangsmitgliedschaft für die habilitierten Dozierenden des Geographischen Instituts, die Fachschaft und die Geographische Gesellschaft Bern. Im Laufe der Jahre gehörten dem Vorstand unter anderem an:
- Präsidenten: Klaus Aerni (1975–1995), Hans-Rudolf Egli (1995–2012), Renate Ruhne (2012–2014), Jean-David Gerber (seit 2014)
- Geschäftsführung: Monika Wälti (1985–2018)
- Schriftleitung: François Jeanneret (1995–2011), Stefan Brönnimann (seit 2012)
- Sekretariat/Kassier: Rudolf Amrein (1975–1982), Elisabeth Thomet (1983–1984), Tom Reist (seit 2018). Diese Mitglieder haben die strategische Ausrichtung, das optische Erscheinungsbild und die programmatische Entwicklung massgeblich geprägt.
Aktuelles Verlagsprogramm
Das vollständige Programm inklusive aller derzeit verfügbaren digitalen und Print-Publikationen ist über die Website des Geographischen Instituts der Universität Bern abrufbar.[1]
Einzelnachweise
- ↑ Publikationen. Geographisches Institut der Universität Bern, 3. Mai 2025, abgerufen am 29. September 2025.