Gentaro Hikogawa

Gentaro Kenneth Hikogawa (* 3. April 1902 in Shikoku, Japan; † 3. August 1963 in Washington, USA) war ein japanisch-amerikanischer Zimmermann (Daiku) der ersten Einwanderergeneration (Issei). Während seiner Internierung im US-amerikanischen Lager Minidoka im Zweiten Weltkrieg beeinflusste er den später international bekannten Möbelgestalter George Nakashima maßgeblich. Hikogawa gilt als wichtiger Vermittler traditioneller japanischer Holzverarbeitungstechniken in den Vereinigten Staaten.[1]

Leben

Gentaro Hikogawa wurde 1902 auf der japanischen Insel Shikoku geboren. Im Alter von 15 Jahren begann er eine Lehre als traditioneller japanischer Zimmerer, wie bereits sein Vater vor ihm. 1924 verließ er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Ikuyoshi Japan und gelangte als blinder Passagier auf einem Dampfer nach Seattle. Zu diesem Zeitpunkt war kurz zuvor der Immigration Act (auch Asian Exclusion Act genannt) verabschiedet worden, der die Einwanderung von Japanern in die USA weitgehend untersagte. Aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik und der weit verbreiteten antijapanischen Stimmung konnte Hikogawa seinen Beruf zunächst nicht ausüben. Den Bestimmungen der War Relocation Authority (WRA) entsprechend arbeitete er in den folgenden Jahren unter anderem als Kellner, Tellerwäscher und Fischverarbeiter für die Kumamoto Fish Company. Ab 1935 war er im Bereich Möbel- und Hausreparatur tätig. Da die Issei rechtlich vom Landbesitz ausgeschlossen waren, pachtete er 1936 ein kleines Geschäft und Restaurant in Tacoma, Washington, das er „The Best Grocery“ nannte. Dort lernte er Amy Asahara kennen, die Tochter japanisch-amerikanischer Farmer aus Sumner. Sie heirateten 1937 und 1938 wurde ihr Sohn Ben geboren.[1]

Internierung

Nach der Zwangsevakuierung japanischstämmiger US-Bürger wurden Hikogawa und seine Familie sowie die Angehörigen der Asahara-Familie am 14. Mai 1942 in das Puyallup Assembly Center in Washington gebracht. Am 21. August 1942 wurden sie in das Minidoka War Relocation Center in Idaho überführt. Dort lernte Hikogawa den Nisei-Möbelgestalter George Nakashima kennen. Gemeinsam arbeiteten sie an der Verbesserung der provisorischen Barackenunterkünfte und stellten Möbel aus improvisiertem Material her, darunter Holz von Verpackungskisten und von örtlichen Sträuchern wie Greasewood. Ein Foto zeigt Hikogawa beim Polieren dieses Holzes, ein weiteres zeigt eine Kommode mit Griffen aus Greasewood, die sich heute im Besitz des Wing Luke Museums in Seattle befindet. Nakashima bezeichnete die Zeit in Minidoka später als eine Art Lehrzeit bei Hikogawa. Von ihm erlernte er die Prinzipien des traditionellen japanischen Holzhandwerks, insbesondere den präzisen Einsatz japanischer Handwerkzeuge (Dogu) und die Kunst der Holzverbindungen (Joinery). Hikogawa vermittelte Nakashima die geistige und handwerkliche Tradition der japanischen Zimmerei, in der die Arbeit mit Holz als spirituelle Praxis verstanden wird. Die handwerkliche Präzision, die sorgfältige Pflege der Werkzeuge und die respektvolle Haltung gegenüber dem Material prägten Nakashimas weiteres Werk entscheidend. Die von Hikogawa vermittelten Techniken der traditionellen japanischen Verbindungskunst fanden später Ausdruck in Nakashimas Möbelentwürfen, insbesondere in deren Balance von Schönheit, Präzision und Stabilität.[1]

Nachkriegszeit

Nach ihrer Entlassung aus dem Minidoka-Lager im Oktober 1945 kehrte die Familie Hikogawa nach Tacoma zurück. Wie viele andere japanisch-amerikanische Familien hatten auch die Hikogawas während der Internierung ihr Eigentum verloren. Hikogawa übernahm kurzzeitig die Leitung des Travelers Hotels in Tacoma, das Bahnreisenden und Angestellten der Eisenbahngesellschaft diente. Anschließend arbeitete er als Gärtner und widmete sich der Bonsai-Kunst, während er seine Fähigkeiten als Tischler weiterhin privat einsetzte. Mehrere seiner Nachkriegsarbeiten, darunter eine Decken- und eine Schubladentruhe, befinden sich bis heute im Familienbesitz. Im Jahr 1960 gründete Hikogawa gemeinsam mit seinem Schwager Joe Asahara das Oriental Garden Center in Federal Way, Washington.[2] Dort lehrte seine Ehefrau Amy Bonsai-Gestaltung und führte Workshops durch. Hikogawa war in der Region für seine Bonsai-Kunst bekannt und trat in einer Fernsehsendung zu diesem Thema auf. Kurz nach der Gründung des Gartencenters erkrankte er an Multipler Sklerose. Aufgrund seiner Herkunft verweigerten ihm mehrere Kliniken die medizinische Behandlung, sodass er schließlich zu Hause gepflegt werden musste. Gentaro Hikogawa starb am 3. August 1963 im Alter von 61 Jahren.[1]

Das Oriental Garden Center bestand 57 Jahre lang und wurde erst 2017 geschlossen. Hikogawas Einfluss lebt indirekt in der Arbeit George Nakashimas fort, der seine Lehre und handwerkliche Philosophie mehrfach gewürdigt hat.[3]

Literatur

  • William Coaldrake, The Way of the Carpenter, Weatherhill, New York, 1990.
  • Jane Dusselier, Artifacts of Loss: Crafting Survival in Japanese-American Concentration Camps, Rutgers University Press, New Brunswick, 2008.
  • George Nakashima, The Soul of a Tree, Kodansha International, Tokio / New York, 1981.
  • Mira Nakashima, Nature, Form and Spirit: The Life and Legacy of George Nakashima, Harry N. Abrams, New York, 2003.

Einzelnachweise

  1. a b c d Gentaro Kenneth Hikogawa | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 14. August 2025; abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  2. Minidoka. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  3. George Nakashima. Abgerufen am 11. November 2025 (amerikanisches Englisch).