Gemeinschaft Studentischer Verbände
Die Gemeinschaft Studentischer Verbände (GStV) war ein Zusammenschluss von Korporationsverbänden in der Zeit des Nationalsozialismus.
Geschichte
Im Zuge der Gleichschaltung wurde die GStV am 12. Januar 1935 auf dem Ordentlichen Waffenstudententag des Allgemeinen Deutschen Waffenrings (ADW) von 13 Korporationsverbänden in Berlin gegründet.[1] In ihrer Gründungserklärung bekannte sich die GStV zur „Erhaltung und Stärkung der Werte des deutschen Korporationsstudententums“ und verpflichtete sich, durch „stetige innere Erziehungsarbeit immer mehr in den nationalsozialistischen Staat hineinzuwachsen“.[2]
Die Gründungsmitglieder waren der Kösener Senioren-Convents-Verband, die Deutsche Landsmannschaft, der Weinheimer Senioren-Convent, der Akademische Ingenieurverband, der Akademische Ruderbund, der Akademische Turnbund, der Altburschenschaftliche Ring, der Deutsche Wissenschafterverband, der Miltenberger Ring, der Sondershäuser Verband, das Wartburg-Kartell, der Wernigeroder Schwarze Ring und das Kartell der akademischen Seglervereine. Sie wollten das Waffenstudententum erhalten. Führer der GStV wurde der (damals noch mächtige) Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers. Am 12. März 1935 wurde die GStV von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund als alleinige Vertretung der studentischen Verbände anerkannt. Am 28. März 1935 wurden die nichtschlagenden Verbände Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) und der Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) in die GStV aufgenommen,[3] die zuvor auf staatlichen Druck hin ihr Katholizitätsprinzip aufgegeben hatten.
Am 30. März 1935 fand in Braunschweig unter Lammers' Leitung die erste Arbeitstagung der GStV statt. Sie diente der Unterrichtung der örtlichen Leiter der GStV und sollte auf die kommende Arbeit vorbereiten. NSDStB-Leiter Albert Derichsweiler erklärte dabei, dass sich die studentischen Verbände in der politischen Schulungsarbeit würden bewähren müssen. Ministerpräsident Dietrich Klagges nahm ebenfalls an der Tagung teil. Auf eine von Lammers an den Reichskanzler ausgesandte Ergebenheitsadresse, antwortete dieser der GStV mit einem Telegramm:[4]
„An die Gemeinschaft Studentischer Verbände. Für das mir namens der Gemeinschaft Studentischer Verbände übermittelte Treuegelöbnis danke ich herzlichst. Ich wünsche Ihren Bestrebungen, die deutschen studentischen Verbindungen aus der bisherigen Zersplitterung herauszuführen und zu einem einigen Korporationsstudententum zusammenzuschließen, besten Erfolg. Adolf Hitler.“
Mit Max Blunck über die Durchführung des Arierparagraphen in Konflikt geraten, schloss Lammers den KSCV am 5. September 1935 aus der GStV aus. Da sich sein Ziel einer geeinten deutschen Studentenschaft nicht erreichen ließ, trat nach Blunck auch Lammers zurück. Die GStV wurde am 8. September 1935 aufgelöst.
Siehe auch
Literatur
- Michael Grüttner: Studenten im Dritten Reich Schöningh, Paderborn u. a. 1995, S. 301–309, ISBN 3-506-77492-1.
- Kurt Meier: Die Theologischen Fakultäten im Dritten Reich. Verlag Walter de Gruyter, Berlin – New York 1996, S. 281 f. ISBN 3-11-015226-6. Online-Version
Einzelnachweise
- ↑ Studentenverbindungen in Frankfurt am Main
- ↑ Zit. nach: Michael Grüttner, Studenten im Dritten Reich, Paderborn 1995, S. 302.
- ↑ Peter Stitz: Der CV 1918–1938. München 1970, S. 324–327, 340, 343, 344
- ↑ Herbert Michaelsen: Zwei Jahre Kampf um die Burschenschaft. Mit einem Vorwort von Friedrich Klinge, Buchdruckerei P. Mathias, Meseritz (Grenzmark) 1935, S. 80–81.