Geflügelte Braunwurz
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Geflügelte Braunwurz (Scrophularia umbrosa) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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| Dumort. |
Die Geflügelte Braunwurz oder Flügel-Braunwurz[1] (Scrophularia umbrosa) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Braunwurzen (Scrophularia) innerhalb der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae).
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Bei der Geflügelten Braunwurz handelt es sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze, die meist Wuchshöhen von 40 bis 100 Zentimetern erreicht; gelegentlich kann sie auch deutlich höher werden. Der selbstständig aufrechte Stängel ist manchmal im oberen Teil verzweigt. Die Kanten des Stängels und auch der Laubblattstiele sind in vier mehr oder weniger breite, häutige Flügel ausgezogen.
Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist länglich bis eiförmig-länglich. Der Blattrand ist scharf gezähnt oder im unteren Teil auch gekerbt.
Generative Merkmale
Die Blüten sind meist locker im Blütenstand verteilt.
Die zwittrige Blüte ist zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchzipfel sind rundlich und sehr stumpf. Die Blütenkrone ist rotbraun, am Grunde grünlichgelb und 6 bis 8 Millimeter lang.
Die Samen sind 0,8 Millimeter lang und 0,07 mg schwer.[2]
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13. Bei Scrophularia umbrosa subsp. umbrosa liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 26 und bei Scrophularia umbrosa subsp. neesii liegt Tetraploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 52 vor.[1][3]
Ökologie und Phänologie
Die Geflügelte Braunwurz blüht vorwiegend in den Monaten Juni bis August und fruchtet von August bis September.
Die Pflanze ist ein Wintersteher.[2] Sie ist eine Licht- bis Halbschattpflanze. Die Samen werden durch Wind und Wasser ausgebreitet. Blütenökologisch handelt es sich um Wespenblumen.[3]
Taxonomie und Systematik
Die Erstbeschreibung von Scrophularia umbrosa erfolgte 1827 durch Barthélemy Charles Joseph Dumortier in Flora Belgica, Seite 37. Das Artepitheton umbrosa bedeutet „Schatten liebend“. Ein Synonym für Scrophularia umbrosa Dumort. ist Scrophularia alata Gilib. Nach POWO ist der gültige Name Scrophularia oblongifolia Loisel., der ebenfalls im Jahr 1827 durch Jean Louis Auguste Loiseleur-Deslongchamps in Mémoires de la Société Linnéenne de Paris Band 6, Seite 418 veröffentlicht wurde.[4]
Bei der Geflügelten Braunwurz werden zwei Unterarten unterschieden[5]:
- Scrophularia umbrosa subsp. umbrosa (Geflügelte Braunwurz s. str.): Bei ihr sind alle Laubblätter scharf gesägt mit spitzem oberen Ende. Das Staminodium dieser Unterart ist doppelt so breit wie lang, verkehrt-herzförmig, zweispaltig und in den „Stiel“ verschmälert. Ihre Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.[6]
- Nees-Flügel-Braunwurz, Gekerbte Braunwurz (Scrophularia umbrosa subsp. neesii (Wirtg.) E.Mayer): Bei ihr sind die unteren Laubblätter stumpflich auslaufen und gekerbt; nur die mittleren und oberen sind gesägt. Das Staminodium dieser Unterart ist etwa dreimal so breit wie lang und besitzt einen plötzlich abgesetzten Stiel. Sie kommt in Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Litauen, Slowenien und im früheren Jugoslawien vor.[5] Ihre Chromosomenzahl beträgt 2n = 52.
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Stängel
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Blüte
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Laubblatt der
Scrophularia umbrosa subsp. umbrosa -
Früchte mit Samen
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Samen
Vorkommen
Die Geflügelte Braunwurz kommt in Europa und Asien vor von Spanien und Irland bis zur Türkei und Xinjiang. In Nordeuropa fehlt sie, kommt aber in Schweden eingeschleppt vor.[4]
In Deutschland kommt die Geflügelte Braunwurz im mittleren und südlichen Gebiet zerstreut bis ziemlich häufig vor. Im Norden und Nordwesten ist sie selten oder fehlt ganz. In Österreich und der Schweiz ist sie recht verbreitet. Die Verbreitung der beiden Unterarten ist noch ungenügend geklärt. Neueste Untersuchungen zeigen aber die Tendenz, dass die Gekerbte Braunwurz eher in Süddeutschland (vor allem Baden-Württemberg und Bayern) anzutreffen ist und die Geflügelte Braunwurz i. e. S. im Mittelgebirgsraum und im Nordosten Deutschlands.[6]
Die Geflügelte Braunwurz wächst in Bach- und Grabenröhrichten, in feuchten Gebüschen und auch im fließenden Wasser. Sie bevorzugt meist tonige, oft kalkreiche Schlamm- und Lehmböden. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Convolvulo-Epilobietum hirsuti aus dem Convolvulion-Verband.[3]
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+fw+ (feucht aber stark wechselnd und im Bereich von fließenden Bodenwasser), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subozeanisch).[7]
Literatur
- Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
- Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
- Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
- Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
- Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.
Einzelnachweise
- ↑ a b Scrophularia umbrosa Dumort., Flügel-Braunwurz. auf FloraWeb.de
- ↑ a b Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1, S. 712.
- ↑ a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 832.
- ↑ a b Scrophularia oblongifolia. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 6. Oktober 2025.
- ↑ a b Karol Marhold, 2011: Scrophulariaceae.: Datenblatt Scrophularia umbrosa In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
- ↑ a b Thomas Gregor et al.: Scrophularia neesii und Scrophularia umbrosa in Deutschland – ähnliche Ökologie, aber unterschiedliche Verbreitung zweier Sippen eines Autopolyploidie-Komplexes. In: Kochia, Volume 13, S. 37–52, 2020.
- ↑ Scrophularia umbrosa Dumort. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
Weblinks
- Scrophularia umbrosa subsp. umbrosa, Flügel-Braunwurz (Unterart). auf FloraWeb.de
- Scrophularia umbrosa subsp. neesii (Wirtg.) E. Mayer, Nees-Flügel-Braunwurz. auf FloraWeb.de
- Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
- Geflügelte Braunwurz. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Scrophularia umbrosa Dumort. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.
- Thomas Meyer: Braunwurz Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.
- Gerhard Nitter: Steckbrief mit Fotos