Gau Mark Brandenburg

Der Gau Mark Brandenburg war eine Verwaltungseinheit der NSDAP unter einem Gauleiter. Unter diesem Namen gab es den Gau seit dem 21. März 1939, vorher hieß er seit 1933 Kurmark.[1]

Entwicklung und Struktur

Dieser Parteigau war am 1. Juni 1933 entstanden aus dem Gau Brandenburg, der am 1. Oktober 1928 vom Gau Berlin-Brandenburg (gegründet 1925) abgeteilt worden war, und dem Gau Ostmark (gegründet 1925 mit dem Hauptort Frankfurt/Oder). Das Gebiet entsprach 1933 dem der Reichstagswahlkreise Potsdam I, Potsdam II (ohne Berlin) und Frankfurt/Oder mit der Grenzmark Posen-Westpreußen. Der Gau umfasste die preußische Provinz Brandenburg mit dem Regierungsbezirk Potsdam und dem Regierungsbezirk Frankfurt sowie die Grenzmark Posen-Westpreußen. Nach deren Auflösung 1938 gingen der Landkreis Schwerin (Warthe), Landkreis Meseritz und Landkreis Bomst (teilweise) zur Provinz Brandenburg, die gleichzeitig die Kreise Friedeberg (Neumark) und Arnswalde an die Provinz Pommern abgab. Dem Parteigau stand ab dem 16. Mai 1933 auf der staatlichen Ebene der Reichsstatthalter für Preußen Hermann Göring gegenüber, der den Gauleiter Kube zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und kommissarisch der Grenzmark Posen-Westpreußen ernannte. Im September 1936 erfolgte Gleiches für den Nachfolger Stürtz. Damit verschmolzen Staats- und Parteiebene miteinander, besonders seit Kriegsausbruch 1939. Der Gauleiter wurde am 1. September 1939 zum Reichsverteidigungskommissar für den Wehrkreis III (Berlin), als solcher Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Wehrkreises III. Am 15. November 1940 wurde er Gauwohnungskommissar, am 6. April 1942 Beauftragter des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, am 25. September 1944 Gauführer des Deutschen Volkssturms. Der Gau war flächenmäßig mit 38.278 km² der größte im Deutschen Reich, der Sitz der Gauleitung war in Berlin (Kurmärkische Straße 1).[2][3]

Gauleiter[4] im Gau Berlin-Brandenburg waren

Gauleiter waren nach der Abtrennung im Gau Brandenburg

  • Emil Holtz (1. Oktober 1928 – 1930; am 30. September 1930 aus der NSDAP ausgetreten[5])
  • Ernst Schlange (1932 – 16. März 1933; Abberufung wegen Streitigkeiten)
  • Erich Schmiedicke (m. d. F. b., 16. März – 1. Juni 1933)
    • Stellvertreter Karl Schultz (Juli – Dezember 1930)
    • Stellvertreter Erich Schmiedicke (zugleich Gaugeschäftsführer, 1931–1933)

im Gau Ostmark

im Gau Mark Brandenburg

Gauwirtschaftsberater war seit 1933 der Bankdirektor Helmut Börnicke. Als Gauführerschulen bestanden die Dietrich-Eckart-Schule Gehren in Heideblick[6] und die Gauschulungsburg II Adolf Hitler Lychen ab 21. Juni 1934.[7][8] Das Gauamt für Beamte unterhielt als Gauschule die Wilhelm-Frick-Schule in Rehnitz im Landkreis Soldin.[9]

Der Gau Mark Brandenburg verfügte über einen eigenen Pressedienst und den Gauverlag Mark Brandenburg in Form einer GmbH. Die Wochenzeitung Märkischer Adler erschien in Berlin.[10]

Literatur

  • Helmut Heiber: Aus den Akten des Gauleiters Kube (PDF; 5,2 MB). In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Heft 1, 1956, S. 67–92.
  • Dietrich Eichholtz (Hrsg.): Verfolgung, Alltag, Widerstand, Brandenburg In der NS-Zeit. Studien und Dokumente. Mit einem Geleitwort von Manfred Stolpe. Verlag Volk und Welt, Berlin 1993, ISBN 978-3-353-00991-3.
  • Joachim Lilla (Bearb.): Die Stellvertretenden Gauleiter und die Vertretung der Gauleiter der NSDAP im „Dritten Reich“, In: Materialien aus dem Bundesarchiv, Heft 13, Koblenz 2003, ISBN 3-86509-020-6, S. 93.
  • Kristina Hübner, Wolfgang Rose: Der brandenburgische NS-Gau – Eine Bestandsaufnahme. In: Jürgen John (Hrsg.): Die NS-Gaue. Regionale Mittelinstanzen im zentralistischen „Führerstaat“. (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Sondernummer) Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58086-0, S. 263–279.

Zeitgenössische Literatur

Einzelnachweise

  1. Anlehnend an die historische Kurmark.
  2. Findbuch.at-Adressbücher 1940 Grossdeutschland: NSDAP-Verbände und Reichsregierung. PDF-Findbuch 1940, S. 34.
  3. Zur Benennung der Straße siehe K.
  4. Daten meist nach Michael Rademacher: Gau_brand. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. und Joachim Lilla, Übersicht über die Gaue online
  5. Knut Hirschfeld: Ein brandenburgischer Kreis auf dem Weg in die braune Diktatur. In: Arbeiten des Uckermärkischen Geschichtsvereins zu Prenzlau e. V. Band 11, S. 111, Abbildung 33. PDF
  6. Sinntrotz.de: Lausitzer Rundschau, 31. Mai 2005: Ein Bauwerk mit Geschichte.
  7. Lychener Stadtchronik 1934.
  8. Liste der Baudenkmale in Lychen#Lychen Pannwitzallee 1,2: Heutige Pannwitzschule.
  9. Fotografie, Postkarte.
  10. Robert Ley (Hrsg.): Nationalsozialistisches Jahrbuch 1941. Jahrgang 15, Frz. Eher Nachf., München 1941, S. 289.