Gary Lakes

Gary Lakes (* 26. September 1950 in Dallas, Texas; † 11. November 2025 in Pittsburgh, Pennsylvania[1]) war ein US-amerikanischer Opernsänger (Heldentenor).

Leben

Gary Lakes wuchs in Irving (Texas) auf. Während der High School spielte er American Football auf der Position des Defensive Tackle.[2] Er wollte ursprünglich Profi werden, musste seine sportliche Karriere jedoch nach einer Rückenwirbelverletzung aufgeben.[2][3][4] Er studierte Gesang bei dem Tenor Thomas Hayward (1917–1995) an der Southern Methodist University und schloss sich dem Dallas Civic Opera Chorus an.[2][4] Außerdem nahm er Unterricht bei dem französischen Bariton Martial Singher an der Music Academy of the West in Santa Barbara.[4] Sein Gesangstudium finanzierte er sich durch Nebenjobs als Türsteher und als singender Kellner.[4]

Nach weiteren Studien am Opernstudio der Seattle Opera bei William Eddy gab er 1981 sein Operndebüt an der Seattle Opera mit der Rolle des Froh in Das Rheingold.[5] 1983 sang er am Opernhaus von Mexico-City den Florestan in Fidelio.[5] 1984 gastierte er an der Charlotte Opera als Samson in Samson et Dalila.[5] Sein Europa-Debüt hatte er 1985 in Paris in der Salle Pleyel unter Daniel Barenboim bei einer konzertanten Aufführung des 1. Aktes der Wagner-Oper Die Walküre, bei der Jessye Norman als Sieglinde seine Partnerin war.[1][2]

1986 wurde er an die Metropolitan Opera in New York City verpflichtet, wo er als Antrittsrolle den Gran Sacerdote in Idomeneo sang.[6] Im März 1987 sang er mit dem Don José in Carmen an der Seite von Agnes Baltsa und Ileana Cotrubaș dort seine erste Hauptrolle.[7] An der MET, an der er bis 1997 in insgesamt über 100 Vorstellungen zu hören war, trat er u. a. als Erik in Der fliegende Holländer, Kaiser in Die Frau ohne Schatten, Grigori in Boris Godunow, Florestan, Parsifal, Laca in Jenůfa und als Énée in Les Troyens auf.[1][8] Seine größte Erfolge hatte er dort ab 1989 als Siegmund in den von James Levine geleiteten Aufführungen des Ring-Zyklus von Richard Wagner.[2]

1987 trat er an der Opéra National de Lyon als Énée in Les Troyens auf.[5] 1988/89 trat er beim Festival von Orange (Siegmund, Florestan) auf.[1][5] 1989 gastierte er am Opernhaus von New Orleans als Radames in Aida.[5] In der Saison 1989/90 sang er an der San Francisco Opera den Siegmund, in der Saison 1992/93 folgte dort der Florestan in Fidelio.[9] 1990 trat er gemeinsam mit Johanna Meier und John Macurdy bei einem Wagner-Konzert in San Diego auf.[2] 1991 sang er am Teatro Colon in Buenos Aires den Lohengrin in einer Neuinszenierung, 1993 dort auch den Samson.[10][11]

Im Juli 1991 sang er in der Royal Albert Hall im Rahmen der BBC Proms die Tenor-Partie in Gustav Mahlers Lied von der Erde.[12] Im Dezember 1991 debütierte er mit der Rolle des Parsifal an der Mailänder Scala.[13] In Europa gastierte er weiters an der Wiener Staatsoper (1992, als Kaiser), an der Oper Köln (1993, als Lohengrin), am Teatro Regio in Turin (1996, als Kaiser), an der Flämischen Oper in Gent (1996, als Tannhäuser und 1998, als Tristan) und am Opernhaus von Montpellier (1997, Titelrolle in Guntram von Richard Strauss).[5]

1999 sang er an der Los Angeles Opera den Samson, wobei sich bereits deutliche stimmliche Einbußen zeigten.[1][14] 1999 trat er außerdem noch als Max in Der Freischütz an der Seattle Opera auf.[5] 2001 sang er in seiner letzten offiziellen Opernproduktion an der Pittsburgh Opera an der Seite von Maria Ewing (Salome) und Gwyneth Jones (Herodias) den Herodes in Salome.[1][15]

Lakes spielte mehrere Operngesamtaufnahmen ein. In Aufnahmen der Deutschen Grammophon sang er jeweils unter James Levine den Bacchus in Ariadne auf Naxos und den Siegmund in Die Walküre.[4][5] Beide Aufnahmen wurden mit einem Grammy ausgezeichnet.[4][16] Er nahm außerdem den Énée (bei Decca) und den Hüon in Oberon (EMI) auf und sang die Tenor-Soli in der Glagolitischen Messe von Leoš Janáček und in den Gurre-Liedern von Arnold Schönberg.[5]

Nach seinem Rückzug von der Bühne Anfang der 2000er Jahre lebte er in Pittsburgh[17], wo er am 11. November 2025 im Alter von 75 Jahren starb.[1]

Rollenrepertoire (Auswahl)

Literatur

  • Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 4: Kainz–Menkes. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. München 2003, ISBN 3-598-11598-9, Seite 2580.
  • Karl Martyniak (Hrsg.): OPERAdat. Interpreten-Lexikon. Sängerlexikon. Laakmann–Lazzari. 2. Auflage, Düsseldorf 1998, S. 3 (mit Rollenverzeichnis).

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Jean Michel Pennetier: Mort de Gary Lakes. Nachruf. Abgerufen am 18. November 2025.
  2. a b c d e f Kenneth Herman: CLASSICAL MUSIC: Powerful Voice Will Make Itself Known at Concert. In: Los Angeles Times vom 20. März 1990. Abgerufen am 18. November 2025.
  3. John Rockwell: Gary Lakes, Lost to Sports, Is a Wagnerian Gain. In: New York Times vom 3. April 1989. Abgerufen am 18. November 2025.
  4. a b c d e f Maja RADEVICH: GOINGS ON SANTA BARBARA: Town Tenor: Opera star Gary Lakes once studied at the Music Academy of the West in Santa Barbara. In: Los Angeles Times vom 3. Januar 1991. Abgerufen am 18. November 2025.
  5. a b c d e f g h i j Gary LAKES wird 65. Online Merker. Ausgabe September 2015. Abgerufen am 18. November 2025.
  6. Idomeneo. Besetzung vom 4. Februar 1986. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 18. November 2025.
  7. Carmen. Besetzung vom 5. Februar 1987. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 18. November 2025.
  8. Gary Lakes. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 18. November 2025.
  9. Gary Lakes. Vorstellungsarchiv der San Francisco Opera. Abgerufen am 18. November 2025.
  10. Flavio BANDIN: UNE HISTOIRE DES GRANDES SCÈNES WAGNÉRIENNES: LE TEATRO COLON (Buenos Aires, Argentine). Abgerufen am 18. November 2025.
  11. Gary Lakes. Vorstellungsarchiv des Teatro Colon. Abgerufen am 18. November 2025.
  12. Proms 15. Programm. Abgerufen am 18. November 2025.
  13. Parsifal. Vorstellungsarchiv der Mailänder Scala. Abgerufen am 18. November 2025.
  14. Chris PASLES: Gary Lakes’ Hero Loses Power in This ‘Samson et Dalila’. In: Los Angeles Times vom 17. September 1999. Abgerufen am 18. November 2025.
  15. Press Photo with Gwyneth Jones, Mary Ewing and Gary Lakes in Salome (2001). Abgerufen am 18. November 2025.
  16. Gary Lakes. Grammy Awards. Abgerufen am 18. November 2025.
  17. KRIKORIAN: Lakes set to wow them at local pub. In: Los Angeles Daily News vom 19. November 2009. Abgerufen am 18. November 2025.