Ganda (Schiff, 1907)

Ganda
Das Schwesterschiff Reichenbach als norwegische Meteor
Schiffsdaten
Flagge Deutsches Reich Deutsches Reich (1907–1919)
Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich (1919–1930)
Portugal Portugal (1930–1941)
andere Schiffsnamen Plauen (1907–1921)
City of Milan (1921–1930)
Schiffstyp Frachtschiff
Heimathafen Luanda
Reederei Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft (1907–1919)
Shipping Controller (1919–1921)
Ellerman Lines (1921–1930)
Companhia Colonial de Navegação (1930–1941)
Bauwerft Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, Flensburg
Baunummer 268
Kiellegung 22. September 1906
Stapellauf 2. März 1907
Indienststellung 11. April 1907
Verbleib 20. Juni 1941 von U 123 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 118,56 m (Lüa)
Breite 15,52 m
Tiefgang (max.) 7,32 m
Vermessung 4210 BRT
2632 NRT
 
Besatzung 39
Maschinenanlage
Maschine 1 × Dreizylinder-Dreifach-Expansionsmaschine
Maschinen­leistung 2200 PSi
Höchst­geschwindigkeit 12,0 kn (22 km/h)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 6955 tdw

Die Ganda war ein 1907 gebautes portugiesisches Frachtschiff – die frühere deutsche Plauen und ab 1921 britische City of Milan. 1941 wurde die Ganda von einem deutschen U-Boot versenkt – eines der elf versenkten Schiffe des neutralen Landes.

Geschichte

Auf Bestellung der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft vom Januar 1906 legte die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft den Neubau der Hagen-Klasse am 22. September 1906 unter der Baunummer 268 auf Kiel. Beim Stapellauf am 2. März 1907 erhielt das Schiff den Namen Plauen nach der Stadt Plauen im Vogtland – bekannt auch in Übersee durch die Plauener Spitze. Auch die anderen Schiffe der Hagen-Klasse wurden nach Standorten großer Industrieunternehmen benannt.[1][2]

Plauen der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft

Die Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft als Auftraggeber des Neubaus stellte die Plauen am 11. April 1907 mit dem Heimathafen Hamburg in Dienst. Ende April verließ die Plauen Hamburg zur Jungfernfahrt nach Australien. Auf der Rückreise kollidierte der Dampfer vor der Küste Portugals im dichten Nebel mit dem finnischen Frachter Hektos und musste für Notreparaturen Vigo anlaufen. Nach Durchführung der eigentlichen Reparaturen in Hamburg startete die Plauen erst im November 1907 zur nächsten Fahrt nach Australien. Diese Route bediente sie bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges.[1]

Im August 1914 befand sie sich in Deutschland und lag im Hamburger Hafen. Am 19. April 1917 zog die Kaiserliche Marine den Dampfer ein, da er als Reserve-Sperrbrecher vorgesehen war. Dazu wurde er mit zwei 8,8-cm-L/35-Geschützen ausgerüstet, die Besatzung bestand nun aus 39 bis 41 Mann. Die Plauen wurde der Reservegruppe zugeordnet, bei der sie bis Kriegsende blieb. Als 1918 vermehrter Bedarf an Flugzeugmutterschiffen bestand, wurde im August geprüft, ob sie für einen Umbau geeignet sei. Allerdings wurde nur die anschließend untersuchte Wigbert als geeignet angesehen. Nach Kriegsende gab die Marine den Frachter am 17. Dezember 1918 wieder an die Reederei zurück. Wenige Monate später wurde die Plauen als Kriegsbeute Großbritannien zugesprochen.[3][4][5]

City of Milan der Ellerman Lines

Die Übergabe des Schiffes erfolgte am 13. April 1919 an den Shipping Controller, eine Kriegs-Behörde zur Verwaltung des Handelsschiffwesens. Der operative Betrieb des Schiffes wurde der Reederei Watts, Watts & Co. aus London übergeben, die den Namen Plauen zunächst behielt. Erst mit dem Verkauf an die Ellerman Lines in Liverpool 1921 erhielt der Dampfer den neuen Namen City of Milan. Bis auf wenige Ausnahmen begannen die Namen der Ellermann-Schiffe mit City of... , gefolgt von einem Städtenamen. Mit dem Kauf deutscher Frachter versuchte die Reederei, ihre Kriegsverluste auszugleichen und an den Erfolg der Vorkriegsjahre anzuknüpfen. Die City of Milan kam auf der Route zwischen Großbritannien und Indien zum Einsatz und erreichte etwa aus Kalkutta kommend am 18. August 1921 Hull.[1] 1930 verkaufte die Reederei den Dampfer nach Portugal.[3][6]

Ganda der Companhia Colonial de Navegação

Käufer des Schiffes war die erst 1922 gegründete Companhia Colonial de Navegação (CCN), die den Personen- und Frachttransport zwischen dem portugiesischen Mutterland und Kolonien in Afrika betrieb. Ende der 1920er Jahre stieg die Auftragslage der Reederei und sie begann gleichzeitig, ihre Flotte zu erneuern. Dazu erwarb die CCN 1930 unter anderem die City of Milan, die den älteren Frachter Ganda ersetzte und dessen Namen übernahm. Gleichzeitig erweiterte die Reederei ihr Liniennetz 1930 mit der Verlängerung der Linie von Portugal über Angola hinaus nach Mosambik. In Lloyd’s Register wurde das Schiff nun mit 4333 BRT geführt, Heimathafen war der Sitz der Reederei in Luanda. Der Dampfer bediente die Route zwischen Lissabon und Angola sowie Mosambik, beförderte kleinere Zahlen von Passagieren und transportierte alle Arten von Gütern.[7]

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde eine große Landesflagge und der Name des Schiffes an die Bordwände der Ganda gemalt, um sie als Schiff des neutralen Landes kenntlich zu machen. Im Juni 1941 befand sich das Schiff mit Stückgut, Portwein und 16 Passagieren auf dem Weg von Lissabon nach Luanda, als es am 20. Juni in der Höhe von Casablanca vom deutschen U-Boot U 123 angegriffen wurde. Der erste Torpedo lief hinter dem Schiff durch und verfehlte es, der zweite Torpedo traf den Maschinenraum. Die in die Rettungsboote gegangene Besatzung und Passagiere kehrten auf das Schiff zurück, als sie merkten, dass es nicht sank. Daraufhin feuerte das U-Boot einen dritten Torpedo, der traf und versenkte den Dampfer mit Artilleriefeuer. Beim Angriff starben drei Mannschaftsmitglieder und zwei Passagiere. 47 Mannschaftsangehörige und 14 Passagiere wurden vom portugiesischen Fischerboot Fafe und dem spanischen Fischerboot Ventura Gonzalez gerettet.[8][9]

Technische Daten

Der Dampfer war 118,56 Meter lang, 15,52 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 7,32 Metern. Dabei war er mit 4210 BRT bzw. 2632 NRT vermessen (abweichend: Lloyd’s Register mit 4333 BRT bzw. 2704 NRT) und hatte eine Tragfähigkeit von 6955 Tonnen. Als Antrieb diente eine Dreizylinder-Dreifach-Expansionsmaschine mit 2200 PSi, die auf eine Schraube wirkte. Damit erreichte der Dampfer eine Geschwindigkeit von 12,0 Knoten. Die Besatzung bestand aus 39 Mann.[10][3][11][12]

Siehe auch

Literatur

  • Roger Jordan: The World's Merchant Fleets 1939. The Particulars and Wartime Fates of 6.000 Ships. Naval Institute Press, Annapolis/Maryland 1999, ISBN 1-55750-959-X.
  • Reinhart Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1888–1918. Selbstverlag, Cuxhaven 1981, DNB 890889570.
  • Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 3: U-Boote, Hilfskreuzer, Minenschiffe, Netzleger und Sperrbrecher. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1985, ISBN 3-7637-4802-4.
  • Ricardo Daniel Carvalho da Silva: Navios Portugueses afundados durante a II Guerra Mundial. As perdas de um „Neutral“. CITCEM – Centro de Investigação Transdisciplinar «Cultura, Espaço e Memória» -Fundação para a Ciência e Tecnologia/Faculdade de Letras da Universidade do Porto, Universität Porto, o. J. Online-Version (PDF).
  • Paulo Jorge Martins da Brázia: A Marinha Mercante entre 1945–1985. As Grandes Armadoras. Universidade de Lisboa, Lissabon 2010, (Online-Version als PDF; 43 MB).
  • Reinhart Schmelzkopf: Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft Hamburg 1888–1926. Strandgut Verlag, Cuxhaven 1984, ISBN 3-920709-10-1.
  • Peter Arndt: Deutscher Sperrbrecher 1914–1945. Konstruktion – Ausrüstung – Bewaffnung – Aufgaben – Einsatz. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2005, ISBN 3-7637-6257-4.

Einzelnachweise

  1. a b c Infos zum Schwesterschiff Plauen bei frachtdampferfuerth.com
  2. Schmelzkopf 1984 nach frachtdampferfuerth.com/nachtrag
  3. a b c Schmelzkopf: Deutsch-Australische Dampfschiffsgesellschaft Hamburg 1888–1926. S. 448.
  4. Gröner, Jung, Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 3: U-Boote, Hilfskreuzer, Minenschiffe, Netzleger und Sperrbrecher. S. 242, S. 244.
  5. Arndt: Deutscher Sperrbrecher 1914–1945. Konstruktion – Ausrüstung – Bewaffnung – Aufgaben – Einsatz. S. 25, S. 34, S. 52.
  6. Arndt: Deutscher Sperrbrecher 1914–1945. Konstruktion – Ausrüstung – Bewaffnung – Aufgaben – Einsatz. S. 52.
  7. da Brázia: A Marinha Mercante entre 1945–1985. As Grandes Armadoras. S. 164f.
  8. Jordan: The World's Merchant Fleets 1939. The Particulars and Wartime Fates of 6.000 Ships. S. 569.
  9. da Silva: Navios Portugueses afundados durante a II Guerra Mundial. As perdas de um „Neutral“. S. 3f.
  10. Lloyd’s Register
  11. Gröner, Jung, Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 3: U-Boote, Hilfskreuzer, Minenschiffe, Netzleger und Sperrbrecher. S. 241f.
  12. Jordan: The World's Merchant Fleets 1939. The Particulars and Wartime Fates of 6.000 Ships. S. 348.