Galmeipflanzen
Als Galmeipflanzen (von Galmei = Zinkerz) bezeichnet man Pflanzenarten, die an hohe Gehalte von Zink, oft in Kombination mit anderen Schwermetallen, speziell angepasst sind.[1] Galmeipflanzen sind also eine besondere Ausprägung von Schwermetallpflanzen oder Metallophyten.
Vegetation mit Vorkommen von Galmeipflanzen, der Galmeiflora, gehört zu den Schwermetallrasen.
Vorkommen
Man findet Galmeipflanzen in Europa vor allem auf den Abraumhalden des ehemaligen Erzbergbaus, während primäre Vorkommen (auf ungestörten, nicht vom Menschen überprägten Standorten) sehr selten sind. Europäische Vorkommen sind z. B. bekannt:
- im Harz
- im Schwarzwald
- im Raum Aachen
- in den Alpen
- in den Pyrenäen
- in Großbritannien,[2]
immer inselartig an den Stellen, an denen früher Erzabbau betrieben wurde.
Vertreter
Zu den Galmeipflanzen zählen:
- Gelbes Galmei-Veilchen (Viola calaminaria): Endemit des Aachen-Stolberger Erzreviers
- Violettes Galmei-Stiefmütterchen (Viola guestphalica): Endemit der ehemaligen Erzgruben in Blankenrode (Westfalen)
- Galmei-Hellerkraut (Noccaea caerulescens subsp. calaminaris): Nordwestdeutschland, Niederlande, Belgien.
- Galmei-Frühlings-Miere (Minuartia verna subsp. hercynica): zuerst im Harz gefunden, aber auch bei Paderborn, bei Aachen und in Ostbelgien
- Galmei-Grasnelke (Armeria maritima subsp. halleri): im Aachener Erzrevier, in Belgien und bei Bottendorf (Thüringen)
- Hallersche Schaumkresse (Arabidopsis halleri, syn. Cardaminopsis halleri).
Zinktolerante Lokalsippen (Ökotypen) sind von einigen weiteren Pflanzenarten bekannt, z. B. von
- Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris)
- Rotes Straußgras (Agrostis capillaris)
- Draht-Schmiele (Avenella flexuosa).
Unter Gehölzpflanzen existieren moderat zinktolerante Lokalsippen von Birken und Weiden-Arten.
Entstehung und Anpassung
Die Galmeipflanzen sind lokal entstandene Sippen weiter verbreiteter und häufiger Arten, die sich in relativ kurzer Zeit wie folgt an Schwermetall-Standorte anpassen konnten (Neoendemiten); die Evolution dieser Arten benötigte vermutlich nur wenige tausend Jahre, möglicherweise nur einige hundert.[3]
Zink ist in geringen Mengen ein essentieller Nährstoff, der beispielsweise für die Bildung verschiedener Enzyme lebensnotwendig ist, in höheren Dosen ist es aber für die meisten Pflanzenarten toxisch. Galmeipflanzen erreichen Resistenz gegenüber hohen Zinkgehalten im Boden auf zwei Wegen:
- sie können die Aufnahme von Zink-Ionen aus der Bodenlösung gezielt verhindern (teilweise durch Symbiose mit bestimmten Mykorrhiza-Pilzen)
- sie besitzen gegenüber aufgenommenem und in der Pflanze angereichertem Zink eine höhere Widerstandsfähigkeit, so dass sie das Metall länger und in höherer Dosis anreichern können, ohne Schaden zu nehmen.[3] Auf normalen Standorten können Galmeipflanzen nicht mit anderen Pflanzen konkurrieren, da sie niedrig bleiben und nur sehr langsam wachsen.
Geschichte
Galmeipflanzen sind, wie andere Schwermetallpflanzen, bereits den Bergleuten der frühen Neuzeit bekannt gewesen, die sie als Indikatoren für Erzlagerstätten verwendeten.[4]
Wissenschaftlich zuerst untersucht wurden sie vom bayerischen Agrarwissenschaftler Anton Baumann 1885.[5]
Literatur
- Ursula Hoffmann und Michael Schwerdtfeger: ...und grün des Lebens goldner Baum. Lustfahrten und Bildungsreisen im Reich der Pflanzen. Ulrich Burgdorf Verlag, Göttingen 1998, ISBN 3-89762-000-6.
Weblinks
- Galmei-Rasen, Violetum calaminariae. Rheinische Pflanzengesellschaften auf Schmitzens Botanikseite. Juli 2000, herausgegeben von Joachim Schmitz.
Einzelnachweise
- ↑ Matthias Schaefer: Wörterbuch der Ökologie. Springer-Verlag 2012. ISBN 978-3-8274-2562-1; Eintrag „Galmeipflanze“, auf Seite 98
- ↑ Galmeipflanzen im Lexikon der Biologie, www.spektrum.de, abgerufen am 25. April 2016.
- ↑ a b Wilfried H.O. Ernst (2006): Evolution of metal tolerance in higher plants. Forest, Snow and Landscape Research 80 (3): 251–274.
- ↑ Wolfgang Punz (2004): Von den Erzpflanzen zu den Metallophyten. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt 144 (1): 101-104.
- ↑ Anton Baumann (1885): Das Verhalten von Zinksalzen gegenüber Pflanzen und im Boden (Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen Bd. 31) 53. Seiten.