Galei Zahal
| Galei Zahal | |
| Hörfunksender (Staatlicher Rundfunk) | |
| Empfang | Livestream (Internet) terrestrisch via UKW |
|---|---|
| Empfangsgebiet | Israel |
| Sendestart | 24. Sep. 1950 |
| Eigentümer | Israelische Streitkräfte |
| Liste von Hörfunksendern | |
| Website | |
Die Galei Zahal (hebräisch גַּלֵּי צָהָ״ל Gallej ZaHaL, als Akronym Galaz (hebräisch גל״צ), „Wellen des Zahal“) ist ein vom israelischen Militär betriebener Rundfunksender. Galei Zahal sendet Unterhaltungs- und Informationsprogramme für israelische Soldaten, genauso wie Nachrichten, Musik, Verkehrsnachrichten und Bildungssendungen für die breite Öffentlichkeit. Der Standort des Senders ist Jaffa. Er ist der Nachfolger des Untergrundsenders der paramilitärischen Organisation Hagana, der sich seit dem 13. März 1940 auf der Frequenz 7137 kHz an die jüdische Bevölkerung auf dem Gebiet des britischen Völkerbundmandats für Palästina wandte.[1]
Geschichte
Der Sendebeginn von Galei Zahal war am 24. September 1950.[2] Um 18.30 Uhr wurden die Ausstrahlungen mit einer Trompetenfanfare und der Nationalhymne Israels aufgenommen. Das improvisierte Studio befand sich in einer ehemaligen Schule in Ramat Gan.[3] Im Gegensatz zur staatlichen Rundfunkstation Kan (Israeli Public Broadcasting Corporation) sind alle Sendungen von Galei Zahal in hebräischer Sprache.
Seit dem Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 strahlt Galei Zahal sein Programm rund um die Uhr aus. Er war der erste israelische Hörfunksender mit einem 24-Stunden-Programm.[4]
Nach eigenen Angaben will der Sender möglichst politisch neutral berichten, doch nimmt er die für alle israelischen Medien geltende Zensur durch das israelische Militär besonders ernst.[5] Neben dem Hauptprogramm Galei Zahal, das sich vor allem aus Musik-, Magazin- und Nachrichtensendungen zusammensetzt, gibt es seit den 1980er Jahren ein zweites, inzwischen ganztägiges Programm, Galgalaz, das hauptsächlich Musik und Verkehrsnachrichten enthält.
Im Jahr 2015 hörten rund 25 Prozent aller Radiohörer in Israel täglich Galei Zahal.[5] Laut Oren Soffer, Professor für Kommunikationswissenschaften, ist Galei Zahal ein Symbol für Pluralismus und journalistische Freiheit in den israelischen Medien.[6]
Zu Beginn des Jahres 2021 mehrten sich Stimmen für eine Ablösung des Senders von den israelischen Streitkräften. Damit war die Sorge verbunden, der Bestand des Senders wäre gefährdet, wenn die staatliche Finanzierung wegfiele.[7]
Am 12. November 2025 verkündete Verteidigungsminister Israel Katz, den Sender zum 1. März 2026 zu schließen. Begründet wurde dies mit angeblich unausgewogenen und politischen Programminhalten, die die Überparteilichkeit der Armee gefährden würden.[8] Der israelische Presserat bezeichnete Katz’ Plan als „illegitim und illegal“.[9] Auch die Opposition kritisierte den Schließungsplan als Versuch, die Medien zu kontrollieren und die Meinungsfreiheit einzuschränken.[10]
Im Dezember 2025 stimmte das Kabinett zu, den Sender zu schließen.[11][12] Gegen den Beschluss wurden umgehend zahlreiche Klagen vor dem Obersten Gericht eingereicht. Am 29. Dezember 2025 verfügte das Oberste Gericht die Aussetzung der Schließung von Galei Zahal bis zur endgültigen Entscheidung über die eingereichten Klagen.[13]
Kritik
Im September 2020 veröffentlichte Times of Israel einen investigativen Artikel mit dem Titel Bardugo Airwaves, der den Missbrauch der täglichen politischen Sendung des Moderators Yaakov Bardugo zur Förderung einer rechtsgerichteten politischen Agenda und zur Verbreitung von Falschnachrichten beschrieb. Im Februar 2021 veröffentlichte die Zeitung eine zweite Untersuchung mit dem Titel One Man’s Propaganda Machine über Bardugos Nutzung des Senders als Plattform für wiederholte Angriffe auf Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit. Im März 2021 veröffentlichte die Zeitung TheMarker einen eigenen investigativen Artikel mit dem Titel The Home of (Netanyahu’s) Soldiers. Dieser enthielt die Aussage eines ehemaligen Soldaten des Senders, der einen Absprachekanal zwischen dem Stab von Premierminister Benjamin Netanjahu und dem Sender, unter anderem über dessen Stabschef Natan Eshel, beschrieb.[14][15][16]
Weblinks
- Offizielle Webpräsenz (hebräisch)
Einzelnachweise
- ↑ Aus dem Archiv – Eine kurze Geschichte des Radios im Land. Archiviert vom ; abgerufen am 8. August 2020 (englisch).
- ↑ Mordecai Naʾor: Eretz Israel. Das 20. Jahrhundert. Könemann, Köln 1998, ISBN 3-89508-594-4, S. 293.
- ↑ Galei Zahal. In: israelphilately.org. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 15. August 2020 (englisch).
- ↑ Galei Zahal | Israel Radio | Listen Online Now. Abgerufen am 15. August 2020 (englisch).
- ↑ a b Thomas Becker: Israelischer Militärsender – Dienst am Mikro. Deutschlandfunk Kultur, 18. September 2015, abgerufen am 15. August 2020.
- ↑ Oren Soffer: The Anomaly of Galei Tzahal: Israel’s Army Radio as a Cultural Vanguard and Force for Pluralism. In: Historical Journal of Film, Radio and Television. Band 32, Nr. 2, Juni 2012, ISSN 0143-9685, S. 225–243, doi:10.1080/01439685.2012.669886 (tandfonline.com [abgerufen am 15. August 2020]).
- ↑ Sabine Brandes: Aus für Galei Zahal? In: Jüdische Allgemeine. 28. Januar 2021, abgerufen am 30. Januar 2021.
- ↑ Pesach Benson: Defense Minister Israel Katz moves to shut down IDF’s Army Radio after 75 years of broadcasting. In: The Jerusalem Post, 12. November 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Verteidigungsminister Katz will Armeesender abschalten. In: Jüdische Allgemeine. 12. November 2026, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Israel will Armeesender schließen - Protest der Opposition. In: Jüdische Allgemeine, 22. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Sascha Wandhöfer: Galei Zahal: Israels Regierung will Armeesender stilllegen, Till Rüger. Deutschlandfunk, 23. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Till Rüger: Beschluss des israelischen Kabinetts Armeesender "Galatz" droht nach 75 Jahren das Aus. Tagesschau (ARD), 27. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Oberstes Gericht setzt Schließung des Armeesenders aus. In: Jüdische Allgemeine. 29. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ תחקיר זמן ישראל: כך השתלט יעקב ברדוגו, שופרו של נתניהו, על שידורי גלי צה"ל. 2. September 2020, abgerufen am 30. Dezember 2025 (he-IL).
- ↑ מכונת תעמולה של איש אחד: בנבכי הקמפיין האובססיבי של יעקב ברדוגו נגד אביחי מנדלבליט. 18. Februar 2021, abgerufen am 30. Dezember 2025 (he-IL).
- ↑ רותם שטרקמן: העדות המדהימה של החייל מגלי צה"ל. In: TheMarker Online. (themarker.com [abgerufen am 30. Dezember 2025]).