Gaios (Paxi)

Gaios
Γάιος Παξών
Basisdaten
Staat Griechenland Griechenland
Region Ionische Inseln
Regionalbezirk Kerkyra
Gemeinde Paxi
Geographische Koordinaten 39° 12′ N, 20° 11′ O
Einwohner 706 (2021[1])
LAU-Code-Nr. 3204000101
Postleitzahl 490 82
Telefonvorwahl 26620

Gaios (griechisch Γάιος IPA:ˈɣaʝos (m. sg.)[2] oder seltener griechisch Γάης IPA:ˈɣaɪ̯s (m. sg.)[2]) ist ein Dorf auf der griechischen Insel Paxos. Es ist der Sitz des Gemeindebezirks Paxi des Regionalbezirks Kerkyra in der Region Ionische Inseln.

Geografische Lage

Gaios liegt an der südlichen Ostküste der Insel an einem natürlichen Hafen, einer Meerenge zwischen dem Ort und seiner vorgelagerten Insel Agios Nikolaos. Nördlich davon befindet sich eine zweite Insel namens Panagia. Oberhalb der Kirche Agioi Anargyroi findet sich die Ortslage Koundouros (griechisch Κούντουρος (m. sg.)), die zu Gaios zählt. Gegenüber von Gaios auf dem Festland liegt die Kleinstadt Parga.

Die Insel Agios Nikolaos wurde in den 1930er Jahren aufgeforstet und ist heute ein Naturschutzgebiet.[3]

Geschichte

Gaios wurde nach dem Heiligen Gaios von Mailand benannt, einem der Jünger des Apostels Paulus, der Paxos christianisiert haben soll und dort starb.[4]

Auf der vorgelagerten Insel Agios Nikolaos befindet sich eine mittelalterliche Festung. Sie wurde ab 1423 unter der Ägide des venezianischen Adligen Adam II. Sant’Ippolito erbaut, um den Hafen von Gaios vor Piraten zu schützen.[5][3]

1537 und 1716 wurde die Festung auf der Insel Agios Nikolaos vom Osmanischen Reich erobert und große Teile der Bevölkerung wurden verschleppt. In der Folgezeit wuchs Gaios wieder durch Zuwanderung vom Festland.[5]

Zur Zeit der Republik der Ionischen Inseln (1815–1864) war Gaios eines der sieben politischen Zentren, Sitz der Lokalregierung, der Gemeindeverwaltung und der (bis 1916 bestehenden) Metropolie von Paxos.[6]

Aus der Zeit des Griechischen Unabhängigkeitskriegs ist eine Episode überliefert, nach der im Jahr 1821 ein junger Paxiote namens Georgios Anemogiannis entscheidend dazu beigetragen haben soll, die osmanische Flotte von den Ionischen Inseln fernzuhalten. Südlich des Segelhafens erinnert eine Statue an ihn.[7]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts betrieb Ludwig Salvator auf Paxos landeskundliche Forschungen und veröffentlichte sie in einer Monografie. Deswegen ist das Leben in Gaios zu dieser Zeit besonders gut dokumentiert.[8]

Hinter der Apostelkirche erinnert ein Denkmal an die Toten der Kriege von 1912 bis 1922. Es wurde von E. Mavroudis geschaffen und 1931 eingeweiht.[9]

Die im frühen 19. Jahrhundert erbaute Residenz des Britischen Gouverneurs befindet sich am nördlichen Ende der Hafenpromenade und ist bis heute das größte Gebäude des Ortes. Bis 1955 wurde es von der Griechischen Nationalbank genutzt, für kurze Zeit hatten dort auch die Hafenbehörde und das Heimatmuseum ihren Sitz. Inzwischen wird das Gebäude als Hotel genutzt.[5][10]

Kultur und Bildung

Die Hauptkirche von Gaios ist die Analipseos-Kirche (Himmelfahrtskirche) am zentralen Platz nahe dem Hafen. Bis 1916 war sie Sitz des Metropoliten von Paxos.[11] Weitere Kirchen im Ort sind die im 17. Jahrhundert erbaute Apostelkirche (Agion Apostolon, auch Agios Gaios) beim Friedhof[12] und die kleinen Kirchen Agioi Anargyroi und Agia Triada.

Auf der vorgelagerten Insel Agios Nikolaos befinden sich zwei Kapellen, die den Heiligen Agios Nikolaos und Agios Ioannis geweiht sind.[5] Auf der Insel Panagia befindet sich die Kapelle Yperagia Theotokos. Ihr Fest am 15. August ist eines der wichtigsten Feste des Ortes.[5]

Das Heimatmuseum, das sich der Geschichte und Alltagskultur der Insel widmet, wurde 1996 eröffnet. Bis 1998 befand es sich im ersten Stock der Britischen Gouverneursresidenz. Heute befindet es sich im Gebäude der ehemaligen Grundschule. Zur Ausstellung gehören Fossilien, prähistorische und antike archäologische Funde sowie Waffen, Werkzeuge, Möbel, Kleidungsstücke und andere Alltagsgegenstände aus der neueren Geschichte der Insel. Ein Teil der Ausstellung ist dem österreichischen Reisenden Ludwig Salvator von Österreich-Toskana gewidmet, dessen landeskundliches Werk aus dem Jahr 1887 eine umfassende Dokumentation des Lebens auf der Insel zu dieser Zeit darstellt.[13][5]

Laut Salvators Bericht hatte Gaios in den 1880er Jahren eine Grundschule, eine weiterführende Schule und eine Mädchenschule.[14] Die Insel hatte damals mit 54 % die höchste Alphabetisierungsrate Griechenlands.[14] Heutzutage hat Gaios keine eigene Schule mehr. Eine Grund- und weiterführende Schule, deren Einzugsgebiet die gesamte Insel ist, befindet sich im Nachbarort Vlachopoulatika.

Verkehr

Gaios besitzt einen Fährhafen nördlich des Ortes gegenüber der Insel Panagia und einen Segelhafen im Ort. Tägliche Fährverbindungen bestehen nach Igoumenitsa[15][16], Korfu[17] und Lefkimmi[18]. Eine Personenfähre verkehrt alle zwei Tage zwischen den Ionischen Inseln in Richtung Korfu und Zakynthos.[19] Eine Schnellbootverbindung besteht ebenfalls nach Lefkimmi.[20] (Stand: 2025.)

Der Überlandbus der Insel verbindet Gaios mit den Orten Loggos und Lakka. Die Straße zwischen Gaios und Lakka wurde mit der Förderung von Aristoteles Onassis ausgebaut.[5]

Bedeutende Persönlichkeiten

  • Heiliger Gaius, Namensgeber des Ortes
  • Georgios Anemogiannis (1798–1821), Fischer und Volksheld im Kampf gegen das Osmanische Reich
  • Ludwig Salvator von Österreich-Toskana (1847–1915), Autor des Buches Paxos und Antipaxos, Würzburg und Wien, Verlag von Leo Woerl 1887.
  • Theodoros Vellianitis (1863–1935), griechischer Parlamentspräsident und Bildungsminister
  • Kostas P. Makris, General (1885–1971)
Commons: Gaios – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Griechisches Statistisches Amt: Αποτελέσματα Απογραφής Πληθυσμού – Κατοικιών 2021, Μόνιμος Πληθυσμός κατά οικισμό (Ergebnisse der Volkszählung 2021, dauerhafte Bevölkerung nach Ortschaft). (XLSX) 29. März 2024, abgerufen am 16. August 2024 (griechisch).
  2. a b Παξοί. Το μικρότερο από τα νησιά των Επτανήσων. In: Athens Voice. 11. Juli 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. September 2025; abgerufen am 30. September 2025 (griechisch): „∆υόµισι χιλιάδες είναι οι τυχεροί …, εκ των οποίων οι µισοί στην πρωτεύουσα και κεντρικό λιµάνι του νησιού Γάιος ή Γάης.“
  3. a b Saint Nicholas Castle, Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  4. Online-Hafenhandbuch Griechenland: Hafen Gaios / Paxos. In: Europäisches Segel-Informationssystem. Juni 2024, abgerufen am 16. August 2024.
  5. a b c d e f g John Freely: The Ionian Islands. Corfu, Cephalonia, Ithaka and Beyond. I. B. Tauris, London/New York 2008, ISBN 978-1-84511-696-5, S. 89–99.
  6. Kap. 1 Abschn. 1 Art. 1, Kap. 4 Abschn. 1 Art. 1 u. 6, Kap. 5 Abschn. 1 Art. 1 S. 1 Verfassung der Vereinigten Staaten der Ionischen Inseln v. 26.08.1817, i.d.F. v. 01.01.1818.
  7. Statue of Georgios Anemogiannis, Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  8. Ludwig Salvator von Österreich-Toskana: Paxos und Antipaxos im Jonischen Meere. Leo Woerl, Würzburg / Wien 1887, S. 191–226.
  9. The Memorial Column of the fallen of Paxos, Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  10. English Governor’s Office – Administrative Building, Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  11. Church of Ascension (Gaios), Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  12. Holly Apostles (Gaios), Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  13. Folklore Museum, Website der Gemeinde Paxos, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  14. a b Ludwig Salvator von Österreich-Toskana: Paxos und Antipaxos im Jonischen Meere. Leo Woerl, Würzburg / Wien 1887, S. 49–50.
  15. Fährverbindung Gaios–Igoumenitsa mit Kerkyra Lines, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch, englisch).
  16. Fährverbindung Gaios–Igoumenitsa mit Kerkyra Seaways, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch, englisch).
  17. Fährverbindung Gaios–Korfu mit Kerkyra Lines, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch, englisch).
  18. Fährverbindung Gaios–Lefkimmi mit Lefkimmi Lines, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch, englisch).
  19. Linienfähre zwischen den Ionischen Inseln, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch, englisch).
  20. Schnellbootverbindung Gaios–Lefkimmi, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch, englisch).