Gabriele Montalto
| Daten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Gabriele Montalto Ein Trauerspiel, von einem Aufzuge |
| Gattung: | Einakter |
| Originalsprache: | deutsch |
| Autor: | Carl Heinrich von Seibt |
| Erscheinungsjahr: | 1776 |
| Personen | |
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Gabriele Montalto ist ein tragischer Einakter von Karl Heinrich Seibt, der 1776 erschien. Das Drama zählt zu den frühen Beispielen des deutschsprachigen Einakters und wurde zeitgenössisch wie auch in der Forschung ambivalent aufgenommen. Während die Konzentration auf einen entscheidenden Augenblick grundsätzlich anerkannt wurde, stieß insbesondere die erzähltechnische Anlage sowie der extreme Inhalt des Stücks auf deutliche Kritik.
Entstehung und Veröffentlichung
Gabriele Montalto erschien erstmals 1776 im Druck bei Walther in Dresden. Das Stück wurde als „Ein Trauerspiel, von einem Aufzuge“ veröffentlicht und ist in Prosa verfasst. Eine Aufführungsgeschichte ist nicht gesichert, was auch mit der kritischen zeitgenössischen Rezeption zusammenhängen dürfte.[1]
Inhalt
Das Drama konzentriert sich auf die letzten Lebensstunden der Titelheldin Gabriele, der Ehefrau des Grafen Montalto. Die eigentlichen Gewalttaten (der Mord an einem Dichter, den der Graf fälschlich für den Liebhaber seiner Frau hält, sowie die demonstrative Zurschaustellung der Leiche vor Gabrielens Gefängnis) gehören nicht zur dargestellten Bühnenhandlung. Sie werden nahezu vollständig in längeren Erzählpassagen durch den Ehemann selbst berichtet.
In der szenischen Gegenwart des Stücks erfährt der Graf schließlich von der Unschuld seiner Frau. Diese Erkenntnis kommt jedoch zu spät: Gabriele ist infolge der Gefangenschaft erkrankt und stirbt noch während der Handlung. Das Stück endet ohne versöhnende Auflösung.
Form und dramaturgische Besonderheiten
Das Drama umfasst zehn Szenen und spielt in einem abgelegenen Schloss im Wald. Charakteristisch für Gabriele Montalto ist die starke Verlagerung der Handlung in erzählende Monologe, insbesondere des Grafen Montalto. Die entscheidenden Ereignisse werden nicht gezeigt, sondern retrospektiv berichtet.
Diese Erzähltechnik wurde vielfach als problematisch bewertet,[2] da sie die theatralische Wirkung mindere und die Grenze zwischen dramatischer und epischer Darstellung verwische. Gleichzeitig folgt das Stück dem für den Einakter typischen Fokus auf einen einzelnen, entscheidenden Moment, nämlich die späte Erkenntnis des tragischen Irrtums.
Gabriele Montalto wird häufig dem bürgerlichen Trauerspiel zugerechnet und ist aufgrund seines drastischen Inhalts auch als frühes Beispiel eines sogenannten „horror drama“[3] bezeichnet worden. Das Stück illustriert exemplarisch die ästhetischen und poetologischen Debatten des späten 18. Jahrhunderts über die Möglichkeiten und Grenzen des tragischen Einakters.
Zeitgenössische Rezeption
Zeitgenössische Rezensionen reagierten überwiegend kritisch auf das Stück. Besonders beanstandet wurden der als exzessiv empfundene Inhalt sowie die dramaturgische Konstruktion, bei der die grausamsten Ereignisse außerhalb der eigentlichen Bühnenhandlung liegen. In der Allgemeinen deutschen Bibliothek wurde bemängelt, dass die Wirkung des Trauerspiels weniger aus der szenischen Darstellung als aus bloßer Erzählung entstehe.[4]
Gleichzeitig wurde die Wahl des dargestellten Augenblicks (die Konfrontation des Täters mit der Wahrheit) vereinzelt positiv hervorgehoben. Dennoch galt das Stück vielen Kritikern als Beleg für die Schwierigkeiten, einen tragischen Stoff überzeugend in der Form des Einakters umzusetzen.
Ausgaben
- Carl Heinrich von Seibt: Gabriele Montalto. Ein Trauerspiel, von einem Aufzuge. Walther, Dresden 1776. (Faksimile-Digitalisat)
Einzelnachweise
- ↑ Dîlan Canan Çakir: Poetische Ökonomie im Drama: Einakter im 18. und frühen 19. Jahrhundert. De Gruyter 2024 ·S. 432–434.
- ↑ Anonym: [Rezension Gabriele Montalto]. In: Zugabe zu den Göttingischen gelehrten Anzeigen 11 (15. März 1777), S. 175.
- ↑ Robinson, Vern Wade: The History of the German Play in One Act in the Eighteenth Century. [Diss.] Urbana 1936, S. 160.
- ↑ Anonym: [Rezension Gabriele Montalto]. In: Allgemeine deutsche Bibliothek 29, 2 (1776), S. 502.