Hauptverwaltung Tiefseeforschung

Die Hauptverwaltung Tiefseeforschung (russisch Главное управление глубоководных исследований Glawnoje uprawlenije glubokowodnych issledowani, Abkürzung GUGI) ist eine Organisationseinheit des russischen Verteidigungsministeriums.

Die Hauptverwaltung GUGI hat ihren Sitz in eigenen Basen in Sankt Petersburg und einer Marinebasis in der Olenja-Bucht auf der Kola-Halbinsel. GUGI ist direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt; es wird jedoch auf Personal der russischen Marine aus der 29. U-Boot-Division zurückgegriffen.[1] Kommandeur ist seit 2021 der Vizeadmiral Wladimir Grischetschkin (* 1965).

Vorgängerorganisation

Thematisch verwandt war die 1945 aufgelöste „Expedition für Unterwasserarbeiten besonderer Bedeutung“ EPRON. Wann die GUGI in den 1960er-Jahren genau geschaffen wurde, ist nicht sicher öffentlich belegt.

Aufgaben und Einsätze

Die Aufgabe maritimer Spezialeinsätze ist auf verschiedene Organisationen innerhalb des russischen Systems verteilt, darunter die russische Marine und die Hauptverwaltung für Tiefseeforschung (GUGI). Laut dem britischen Royal United Services Institute spielt die russische Marine zwar eine wichtige operative Rolle bei maritimen Spionage- und Sabotage-Einsätzen, das Verteidigungsministerium und der militärische Auslandsgeheimdienst GRU kontrollieren aber wohl, sowohl über die GUGI als auch über die Geheimdienstdirektion des russischen Marinestabs, diese Aktivitäten.[2][3] Über die genaue Kompetenzverteilung ist öffentlich nichts bekannt.

Nach Recherchen von WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung ist die operative Spionage und Sabotage auch ein Teil des Aufgabenbereichs von GUGI.[4]

In den 2010er und 2020er Jahren verlegten russische Schiffe in der Barentssee, unter Beteiligung von GUGI,[4] vor der Küste Russlands und vor den zu Russland gehörenden Inseln Alexandraland und Nowaja Semlja Spezialsonare und Seekabel zur Ortung von U-Booten und Schiffen anderer Nationen.[5][6]

Flotte

Die GUGI betreibt eine Flotte an Spezialschiffen, die offiziell als Forschungsschiffe deklariert sind und die über umfangreiche Ausrüstung wie Mini-U-Boote, Tauchroboter sowie leistungsstarke Sonare und Scanner verfügen, um die Aufgaben der GUGI wahrzunehmen.[4][1][7]

Die GUGI betreibt mehr als 50 Einheiten, darunter Einheiten der Kategorie "Ozeanographische Forschungs-Schiffe", sowie Unterseeboote zur Aufklärung und Sabotage gegnerischer Einrichtungen am Meeresboden, beispielsweise Kleinst-U-Boote, die vom ebenfalls dem GUGI unterstehenden Überseeschiff Yantar bzw. Jantar ausgesetzt werden. Ferner untersteht das nukleargetriebene U-Boot Loscharik der GUGI. Auch betreibt GUGI eines der größten U-Boote der Welt, die K-329 „Belgorod“, ein modifiziertes Projekt 949-Boot, das über ein Dock für bis zu acht kleine und unbemannte Tauchfahrzeuge (z. B. UUV und U-Boot-Rettungsfahrzeuge) verfügt.[4][1][7]

Dem GUGI werden u. a. zugeordnet:

  • Schiffe
    • Evgeny Gorigledzhan, 1983 gebautes Forschungsschiff der Projekt 02670-Klasse[8][9]
    • Jantar, 2013 gebautes Forschungsschiff der Projekt 22010-Klasse. In der Klasse sind auch die Schwesterschiffe "Almaz" und die "Vize-Admiral Burilichev" geplant
  • U-Boote
    • K-329 Belgorod, ein modifiziertes Oscar-II-Klasse nuklear-getriebenes U-Boot. 2012 wurde das Boot als unbemanntes Boot für Spezialoperationen umgebaut
    • Nelma
    • Losharik (Projekt 10831), experimentelles, nuklearbetriebenes Forschungs-U-Boot, das vom Mutterschiff Orenburg transportiert werden kann. Medien berichteten über einen Unfall im Juli 2019, bei dem 14 Marineoffiziere ums Leben kamen.
    • Khaborovsk (Projekt 09851-Klasse), nuklearbetriebene U-Boote, die das ebenfalls nuklearbetriebene Waffensystem Status-6 Poseidon mit sich führen

Trivia

Nach dem ehemaligen Kommandanten der Einheit Vize-Admiral Alexei Vitalyevich Burilichev, der die GUGI 15 Jahre lang führte und im November 2020 in Folge einer COVID-Infektion starb, ist eines der neuen Schiffe der Projekt 22010-Klasse benannt.

Einzelnachweise

  1. a b c Constantine Atlamazoglou: Secretive and highly paid submariners are behind some of Russia's most worrying undersea operations. Abgerufen am 2. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. Sidharth Kaushal: Stalking the Seabed: How Russia Targets Critical Undersea Infrastructure. 23. Mai 2023, abgerufen am 18. Januar 2025 (englisch).
  3. Peter Althaus: Russland bereitet sich mit geheimer Untersee-Spionageeinheit auf Konflikt mit Nato vor. foucs.de, 27. September 2025.
  4. a b c d Katharina Bews, Antonius Kempmann, Sven Lohmann, Merlin Menze, Alice Pesavento, Benedikt Strunz, NDR, Petra Blum, Florian Flade, WDR, Manuel Bewarder WDR/NDR: Unterwasser-Sensorik - Das Spionage-Geheimnis der "Estonia". Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  5. Katharina Bews, Antonius Kempmann, Sven Lohmann, Merlin Menze, Alice Pesavento, Lea Struckmeier, Benedikt Strunz, Petra Blum, Florian Flade Manuel Bewarder: Unterwasser-Spionage - Russland schützt Atomarsenal mit westlicher Technik. In: tagesschau.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  6. Katharina Bews, Antonius Kempmann, Sven Lohmann, Merlin Menze, Alice Pesavento, Lea Struckmeier, Benedikt Strunz, Petra Blum, Florian Flade Manuel Bewarder: Mit deutscher Technik: So schützt Putin seine Atomwaffen. In: ndr.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  7. a b Hans-Uwe Mergener: Russische Marine stellt weltgrößtes U-Boot in Dienst. 11. Juli 2022, abgerufen am 2. Januar 2025 (deutsch).
  8. H I Sutton - Covert Shores. Abgerufen am 2. Januar 2025.
  9. Evgeny Gorigledzhan – Rescue tug converted into oceanographic research ship for Russian Defence Ministry. 10. Mai 2023, abgerufen am 18. Januar 2025 (englisch).