GCR-Klasse 1

GCR 1
LNER B2 / B19
GCR-Klasse 1 Nr. 423 Sir Sam Fay
Nummerierung: GCR: 423–428
LNER: 5423–5428
ab 1946: 1490–1493
Anzahl: 6
Hersteller: GCR Gorton Works
Baujahr(e): 1912–1913
Ausmusterung: 1944–1947
Bauart: 2’C h2
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 19.212 mm
Gesamtradstand: 8790 m
Dienstmasse: 76,4 t
Dienstmasse mit Tender: 125,5 t
Reibungsmasse: 58,4 t
Radsatzfahrmasse: 19,8 t
Anfahrzugkraft: 100 kN
Treibraddurchmesser: 2067 mm
Laufraddurchmesser vorn: 1067 mm
Steuerungsart: Stephenson mit Kolbenschieber
Zylinderanzahl: 2, innenliegend
Zylinderdurchmesser: Nr. 423, 424, 427: 508 mm (20 in)
Nr. 425,426,428: 546 mm (21 ½ in)
Kolbenhub: 660 mm (26 in)
Kesselüberdruck: 12,4 bar (180 psi)
Rostfläche: 2,46 m²
Überhitzerfläche: 41 m²
Verdampfungsheizfläche: 220,8 m²
Dienstmasse des Tenders: 49,1 t
Wasservorrat: 18 m³ (4000 imp gal)
Brennstoffvorrat: 6,1 t Kohle
Zugbremse: Saugluftbremse

Die Klasse 1, auch Sir Sam Fays genannt, war eine Baureihe von sechs Dampflokomotiven der Great Central Railway (GCR), die von John G. Robinson entworfen und zwischen Dezember 1912 und Dezember 1913 in den bahneigenen Gorton Works gebaut wurden. Die Heißdampflokomotiven mit der Achsfolge 2’C (Ten-Wheeler) waren eine Weiterentwicklung der Nassdampflokomotiven der GCR-Klasse 8F. Nach der Zusammenlegung der britischen Bahnen im Jahr 1923 gelangten alle Lokomotiven zur London and North Eastern Railway (LNER), wo sie zunächst als Klasse B2 und ab 1945 als Klasse B19 geführt wurden. Die Baureihe wurde zwischen 1944 und 1947 vollständig ausgemustert und verschrottet.

Geschichte

Bau

Es ist unklar, ob diese Baureihe als Schnellzuglokomotive oder als Lokomotiven für den gemischten Einsatz vor Personen- oder Güterzügen vorgesehen war. Einerseits wurde sie von der Klasse 8F Immingham abgeleitet, anderseits wurde sie zuerst vor hochwertigen Schnellzügen eingesetzt.

Bei der Ablieferung trugen drei Lokomotiven den grünen Anstrich des Personenverkehrs und drei den schwarzen des Güterverkehrs. Die erste Maschine mit der Nummer 423 erhielt den Namen Sir Sam Fay nach dem damaligen General Manager der GCR. Die übrigen Lokomotiven trugen die Nr. 424 bis 428.

Einsatz GCR

Zu Beginn waren die Lokomotiven im Depot Gorton in Manchester beheimatet und wurden für die hochwertigen, vakuumgebremsten Schnellzüge nach London eingesetzt. Aufgrund mangelhafter Leistung verschwanden sie jedoch schnell aus diesen Diensten. Ihre Ablösung waren die ebenfalls von Robinson entworfenen, leistungsfähigeren 2’B-Lokomotiven der GCR-Klasse 11E, die 1913 abgeliefert wurden.

Die Lokomotiven der Klasse 1 wurden fortan für zweitrangige Schnellzüge nach London, Cleethorpes oder Lincoln eingesetzt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden sie zwar wieder für einige hochwertige Schnellzüge nach London eingesetzt, aber dann definitiv in diesen Diensten durch die 11E und die neuen 9P Lord Faringdon abgelöst.[1]

Einsatz LNER

Bei der LNER erhielten die Lokomotiven die Baureihenbezeichnung B2, wobei sich der Großbuchstabe von der Achsfolge ableitete,[2] sowie die Nr. 5423–5428. Sie waren nun auch nach Immingham im Einsatz. Aufgrund einer Reihe von Ausflugsfahrten von Grimsby nach London Mitte der 1930er Jahre waren die B2 tatsächlich eher im Depot des Bahnhofs Kings Cross zu sehen als in ihrem Heimatdepot in Marylebone. Während des Zweiten Weltkriegs waren alle B2 in Lincolnshire stationiert und wurden für alle Arten von Verkehren eingesetzt. Ab 1942 waren sie häufig auch weiter entfernt zu sehen, unter anderem in Truppenzügen nach Southampton.

1944 wurde die Lokomotive Nr. 5426 und 1945 die Nr. 5424 ausgemustert, die restlichen wurden 1946 in die Klasse B19 umgeteilt und mit den Nummern 1490 bis 1493 versehen.[3.1] Trotz ihrer schlechten Leistung blieben sie bis 1947 im Einsatz. Dies ist vermutlich auf die allgemeine Finanzknappheit der LNER zurückzuführen, welche durch die Sparmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg noch verstärkt wurde.[1]

Bewährung

Obwohl die Sir Sam Fay-Lokomotiven kraftvoll wirkten, entpuppten sie sich als Enttäuschung, weshalb Robinson unmittelbar danach die Klasse 11E entwarf. Die Sir Sam Fay hatten für die damalige Zeit sehr große, innen angeordnete Zylinder mit einem Durchmesser von 546 mm (21 ½ in), ebenso war der Kessel mit einem Durchmesser von 1676 mm (5 ft 6 in) sehr groß ausgelegt. Die Kolbenventile lagen zu dicht beieinander, was zu schlecht geformten Dampfkanälen führte. Außerdem war die Feuerbüchse zu wenig tief[1] und hatte eine zu kleine Rostfläche. Sie litt unter denselben Problemen wie diejenigen der Lokomotiven der GCR-Klasse 8C (LNER-Klasse B1). Auch die Kessel waren schlecht konstruiert.[4]

Bei der LNER wurden zwei neu konstruierte Kessel ausprobiert, was jedoch auch keine Besserung brachte. Obwohl die Lokomotiven bereits für ihre schlechte Performance bekannt waren, konnten sie recht hohe Geschwindigkeiten erreichen und ihre bescheidenen Aufgaben gut bewältigen, waren jedoch kein Vergleich zu vielen anderen Ten-Wheel- und Atlantic-Baureihen der LNER.[1]

Commons: GCR-Klasse 1 / LNER-Klasse B2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d LNER Encyclopedia: The Robinson Class B2 / B19 (GCR Class I) 'Sir Sam Fay' 4-6-0s. Abgerufen am 24. Dezember 2025.
  2. Locomotives of the LNER. In: LNER Encyclopedia. Abgerufen am 24. Dezember 2025.
  3. GCR/LNER Robinson "B19" Class 4-6-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. Fleet
  4. 4-6-0 Steam Locomotives in Great Britain: Great Central - Class Sir Sam Fay/1/B2/B19 (Locobase 2304). In: steamlocomotive.com. Wes Barris, abgerufen am 17. November 2025 (englisch).