Günther Pflug

Günther Pflug (* 20. April 1923 in Oberhausen; † 5. Januar 2008 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Bibliothekar. Er war von 1976 bis 1988 Generaldirektor der Deutschen Bibliothek.

Leben

Günther Pflug, Sohn von Annemarie Pflug, geborener Winzer, und des Apothekers Richard Pflug, besuchte von 1933 bis 1941 das Realgymnasium in Oberhausen und das Realgymnasium (Kreuzgasse) in Köln. Er studierte von 1944 bis 1952 Mathematik und Philosophie in Köln, Bonn und Paris. 1950 wurde er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit der philosophischen Arbeit Der Aufbau des Bewußtseins bei Wilhelm Dilthey zum Dr. phil. promoviert. Ab 1953 war er an der Universitätsbibliothek Münster, an der Bibliothek der TH Aachen und ab 1955 an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (zuletzt als stellvertretender Direktor) tätig.

Er war Gründungsdirektor der Universitätsbibliothek Bochum und später ab 1974 erster Leiter des Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1976 bis 1988 war er Generaldirektor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main (jetzt Teil der Deutschen Nationalbibliothek). In seine Amtszeit fielen die Einführung von PCs, von CD-ROM-Ausgaben der Deutschen Bibliographie und die Vorbereitung des Neubaus der Bibliothek.

Pflug lehrte ab 1967 Honorarprofessor der Universität Bochum. Ab 1978 war er Honorarprofessor am Institut für Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Mitarbeiter in verschiedenen Gremien. Er war von 1985 bis 1992 Vorsitzender, von 1992 bis 1999 stellvertretender Vorsitzender und ab 1999 Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute (kurz AsKI). Unter seinem Vorsitz gelang es, die Casa di Goethe in Rom als deutsches Museum im Ausland zu etablieren.[1] Er engagierte sich in der Deutschen UNESCO-Kommission, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Gesellschaft für Deutsche Sprache.

Er hat zahlreiche Arbeiten und Aufsätze zum Bibliothekswesen, zur Philosophie und zur Geistesgeschichte veröffentlicht; er war Mitherausgeber des Lexikons des gesamten Buchwesens.

Günther Pflug war Rotarier, evangelisch und ab 1953 mit der promovierten Irmgard Pflug, geborener Höfken, verheiratet.

Ehrungen und Auszeichnungen

Publikationen (Auswahl)

  • Der Aufbau des Bewußtseins bei Wilhelm Dilthey. Köln-Marienburg [1950], DNB 481793674 (Dissertation Universität Bonn, Philosophische Fakultät, 20. September 1950).
  • Henri Bergson. Quellen und Konsequenzen einer induktiven Metaphysik. De Gruyter, Berlin 1959.
  • Mechanisierung und Automatisierung in amerikanischen Bibliotheken. 1967.
  • Automatisierung in der Universitätsbibliothek Bochum. 1968.
  • Enlightenment Historiography. 1971.
  • Bibliotheksarbeit heute. 1973.
  • Regionale EDV-Planung in Nordrhein-Westfalen. In: Hans-Peter Geh, Reinhard Oberschelp, Wilhelm Totok, Raimund-Ekkehard Walter (Hrsg.): Organisation und Technik in Bibliotheken. Vorträge, gehalten auf dem 64. Deutschen Bibliothekartag 1974 vom 4. bis 8. Juni 1974 in Braunschweig (= Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderheft 21). Frankfurt am Main 1975, S. 72–77; elektronische Veröffentlichung. Hrsg. von Dietmar Haubfleisch. Paderborn: Universitätsbibliothek, 2012: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:466:2-9647
  • Das Hochschulbibliothekszentrum. In: Klaus Barckow, Walter Barton, Antonius Jammers, Roswitha Schwan-Michels, Gisela Süle (Hrsg.): Bibliotheksverbund in Nordrhein-Westfalen. Planung und Aufbau der Gesamthochschulbibliotheken und des Hochschulbibliothekszentrums 1972–1975 (= Bibliothekspraxis. Band 19), München 1976, S. 55–81; elektronische Veröffentlichung. Hrsg. von Dietmar Haubfleisch. Paderborn: Universitätsbibliothek, 2012: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:466:2-10069
  • Regionale EDV-Planung in Nordrhein-Westfalen. In: Hans-Peter Geh, Reinhard Oberschelp, Wilhelm Totok, Raimund-Ekkehard Walter (Hrsg.): Organisation und Technik in Bibliotheken. Vorträge, gehalten auf dem 64. Deutschen Bibliothekartag 1974 vom 4. bis 8. Juni 1974 in Braunschweig (= Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderheft 21). Frankfurt am Main 1975, S. 72–77; elektronische Veröffentlichung. Hrsg. von Dietmar Haubfleisch. Paderborn: Universitätsbibliothek, 2012: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:466:2-9647
  • Bibliothek – Buch – Geschichte. 1977.
  • Die Bibliotheken und die wissenschaftliche Literatur. 1979.
  • Albert Einstein als Publizist. 1981.
  • Die Bibliothek im Umbruch. Studien aus zwei Jahrzehnten (= Arbeiten und Bibliographien zum Buch- und Bibliothekswesen. Band 1). Lang, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-8204-8068-4.

Literatur

  • Engelbert Plassmann/Christine Boßmeyer: Günther Pflug. Ein Bibliothekar auf dem Weg ins Informationszeitalter (= Kleine Schriften der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Bd. 37). Köln 2013, ISBN 978-3-931596-73-6.
  • Bernhard Adams u. a. (Hrsg.): Aratro corona messoria. Beiträge zur europäischen Wissensüberlieferung; Festgabe für Günther Pflug zum 20. April 1988. Bouvier, Bonn 1988, ISBN 3-416-02150-9.
  • Ahmed H. Helal (Hrsg.): International library cooperation. Festschrift in honour of Prof. Dr. Günther Pflug to his 65th birthday (= Veröffentlichungen der Universitätsbibliothek Essen, Bd. 10). Essen 1988, ISBN 3-922602-11-8.
  • Sieghardt von Köckritz/Kurt Nowak (Hrsg.): Nationalbibliotheken im Jahr 2000. [Festgabe für Günther Pflug zum 65. Geburtstag ; mit einem Schriftenverzeichnis Günther Pflug ]. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt/M. 1988, ISBN 3-7657-1464-X.
  • Pflug, Günther. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 945.
  • Egon Hölder/Kurt Nowak (Hrsg.): Die neue Nationalbibliothek. Ergebnisse des Architektenwettbewerbs Neubau der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main  ; [Festgabe für Günther Pflug zum 60. Geburtstag]. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt/M. 1983, ISBN 3-7657-1211-6.

Einzelnachweise

  1. [1], Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute, 9. Januar 2008