Günther Deegener
Günther Deegener (* 3. Dezember 1943 in Arnstadt; † 17. Februar 2017 in Börsborn) war ein deutscher Psychologe und Professor an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinken des Saarlandes in Homburg der Universität des Saarlandes.[1][2]
Leben
Er war von 1971 bis 2008 als Diplom-Psychologe an der Abteilung für Kinder und Jugendliche der Universitäts-Nervenklinik Homburg/Saar, später Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, tätig. 1976 promovierte er zum Dr. phil. an der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes. 1977 erhielt er seine Ernennung zum Klinischen Psychologen. 1982 erfolgte die Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes und im Jahr 1993 die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor. 1999 wurde er als Psychologischer Psychotherapeut approbiert.
Seit 1993 war er ehrenamtlich 24 Jahre lang Vorsitzender des Kinderschutzbunds Saarland. 1994 wurde er Mitglied des Bundesvorstands des Weissen Ringes, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Ab 2001 war er Vorsitzender des Fachbeirats Medizin/Psychologie des Weißen Ringes.
Werk
In seinen Werken hat er sich schwerpunktmäßig mit dem Thema des Kindesmissbrauchs und der Entwicklung von Standards zur Prävention und Intervention in den Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe auseinandergesetzt, wobei er besonders auf institutionelle und pädagogische Macht als Risiko und als Dimension der Verantwortung verwies. Er plädierte für eine gleichwertige Beachtung aller Gewaltformen und Gefährdungslagen und verwies auf die bisweilen überwertige Beachtung des sexuellen Missbrauchs gegenüber den anderen Formen der Kindesmisshandlung hin. Er schuf auch Schutzkonzepte für die Prävention körperlicher, sexualisierter und psychischer Misshandlung (z. B. Willkür, Demütigung, Herabsetzung, Missachtung, Beschämung, Ausgrenzung, Verweigerung von Hilfe und Schutz oder die Androhung dieser Verweigerung) in verschiedenen institutionellen Kontexten (Schulen, Internate, Sportvereine, Familie). 1999 entwickelte er für den Fachbeirat Medizin/Psychologie des Weißen Ringes ein Konzept, das sich für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung und ein besseres Wissen um die Bedürfnisse der Opfer einsetzt. Im Jahr 2001 übernahm er selbst den Vorsitz. Als eine der ersten Maßnahmen entwickelte der Fachbeirat den Beratungsscheck für eine psychotraumatologische Erstberatung, welche den Opfern eine erste stabilisierende Beratung ermöglicht. Die stete Beachtung der Würde von Kindern und Jugendlichen sah er als eine andauernde Herausforderung an, wobei er das Recht auf gewaltfreie Erziehung als grundlegende Norm und Orientierung für den Umgang mit Kindern betonte.
Ehrungen/Positionen
- Günther Deegener-Preis des Kinderschutzbunds Saarland[3]
- Herausgeber der Fachzeitschrift Kindesmisshandlung und -vernachlässigung
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Risiko- und Schutzfaktoren des Kinder- und Jugendhilfesystems bei Prävention und Intervention im Kinderschutz. Pabst Science Publishers, Lengerich 2014, ISBN 978-3-89967-987-8.
- Kindesmissbrauch - Erkennen, helfen, vorbeugen (6. Auflage). Beltz Verlag, Weinheim 2014, ISBN 978-3-407-85917-4.
- Mit Wilhelm Körner: Risikoerfassung bei Kindesmisshandlung und Vernachlässigung: Theorie, Praxis, Materialien. Pabst Science Publishers, Lengerich 2006, ISBN 978-3-89967-318-0.
- Aggression und Gewalt von Kindern und Jugendlichen: Ein Ratgeber für Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe Verlag, Göttingen 2002, ISBN 978-3-8017-1607-3.
- Mit Klaus D. Kubinger: Psychologische Anamnese bei Kindern und Jugendlichen. Hogrefe Verlag, Göttingen 2001, ISBN 978-3-8017-1278-5.
- Die Würde des Kindes. Beltz Taschenbuch, Weinheim 2000, ISBN 978-3-407-22065-3.
- Mit Dirk Bange: Sexueller Mißbrauch an Kindern: Ausmass, Hintergründe, Folgen. Beltz, PsychologieVerlagsUnion, Weinheim 1996, ISBN 978-3-621-27330-5.
- Psychische Folgeschäden nach Wohnungseinbruch: Erfahrungen von Opfern nach Einbruchsdiebstahl und Raubüberfall. Weißer Ring, Mainz 1996, ISBN 978-3-9803526-4-2.
- Mit Benedict Fehringer; Niels Habermann; Nicolas Becker: Multiphasic Sex Inventory (MSI): Fragebogen zur Erfassung psychosexueller Merkmale bei Sexualtätern. Handbuch (2., vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage). Hogrefe Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8017-0964-8.
- Sexueller Mißbrauch: Die Täter. Beltz, PsychologieVerlagsUnion, Weinheim 1995, ISBN 978-3-621-27251-3.
- Mit Bernd Dietel; Hildegard Kassel; Rüdiger Matthaei; Herbert Nödl; Kristof Aderhold; Edith Andres; Gerhard Endmann; Kerstin Engel; Dagmar Lambert; Ulrich Stephani: Neuropsychologische Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen. Beltz, PsychologieVerlagsUnion, Weinheim 1992, ISBN 978-3-621-27174-5.
- Orientierungshilfen bei Kindesmisshandlung: Tabellarische Übersicht zu kompensatorischen Bedingungen und Risikofaktoren. Weißer Ring, Mainz 1991, ISBN 978-3-9802412-3-6.
- Grundlagen der Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Beltz, Weinheim 1990, ISBN 978-3-407-86111-5.
- Herausgeberschaften
- Mit Wilhelm Körner: Gewalt und Aggression im Kindes- und Jugendalter. Ursachen, Formen, Intervention. Beltz Verlag, Weinheim 2011, ISBN 978-3-621-28049-5.
- Mit Wilhelm Körner: Erfassung von Kindeswohlgefährdung in Theorie und Praxis. Pabst Science Publishers, Lengerich 2011, ISBN 978-3-89967-669-3.
Weblinks
- Literatur von und über Günther Deegener im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wir trauern um Prof. Dr. Günther Deegener auf WEISSER RING vom 23. Februar 2017, abgerufen am 25. November 2025.
- Traueranzeige Prof. Dr. Günther Deegener auf FAZ, abgerufen am 25. November 2025.
Literatur
- Meyer-Deters, Werner: In Erinnerung an Prof. Dr. phil. Günther Deegener. In: Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Band 20, Nr. 2, 2017, S. 116–145.