Günter Krawutschke
Günter Krawutschke (* 1940 in Staßfurt) ist ein deutscher Fotograf und Fotografiker.
Leben und Werk
Krawutschke absolvierte in Staßfurt die Erweiterte Oberschule und leistete dann Wehrdienst in der NVA. Von 1962 bis 1965 war er in Berlin Kamera-Assistent beim Deutschen Fernsehfunk. Danach arbeitete er bis 1970 als Bildreporter für die Tageszeitung Neues Deutschland und bis 1992 als Bildreporter und Fotograf für den Berliner Verlag. In der DDR hatte er als Fotograf Zugang zu nahezu allen Industriebetrieben in Ostberlin. Seine Bilder wurden u a. in der Berliner Zeitung und der Frauenzeitschrift Für Dich publiziert. Seit 1992 ist Krawutschke in Blankenfelde freischaffend als Fotograf und Foto-Designer tätig.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit schloss er eine Lehre als Fotograf ab und machte von 1974 bis 1978 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ein Fernstudium der Fotografik. Von künstlerischer und historischer Bedeutung sind vor allem seine Bilder aus Ostberliner Industriebetrieben und von der Architektur im Zentrum Berlins, so der Spandauer Vorstadt, von 1988 bis 1995 vom Wiederaufbau der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße[1] und von der Friedrichstraße seit 1990.
Krawutschke war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte mehrere Einzelausstellungen und war auf Gruppenausstellungen vertreten. Fotografien Krawutsches wurden in Bildbänden publiziert. Das Deutsche Technikmuseum erwarb 2018 von ihm 4000 Negative.
Rezeption
„Statt wie offiziell gewünscht glorifizierende Arbeiterporträts aufzunehmen, beobachtete Krawutschke seine Protagonisten ausgiebig. Oft so lange, bis sie nicht mehr starr posierten, den Fotografen vielleicht gar nicht mehr wahrnahmen. So entstanden Bilder in Pausen, auf denen Arbeiter gemeinsam Bier trinken oder Karten spielen – konzentrierte Blicke auf faltigen Gesichtern. Die Porträts erinnern an die unmittelbare Beobachtung in der Fotografie August Sanders … In vielen Bildern von Krawutschke sind Frauen in Führungsrollen zu sehen. Eines von 1970 zeigt eine Gruppe von fünf männlichen Bahnarbeitern, angeleitet von einer Frau – im Westen zu dieser Zeit kaum denkbar. Krawutschkes Fotografien sind dadurch nicht nur Kunstwerke, sondern auch wichtige historische Dokumente.“
Anima Müller, Journalistin[2]
Buchpublikationen mit Fotografien Krawutschkes (unvollständig)
- Hauptstadt östlich Friedrichstraße. ex pose verlag für zeitgenössische Fotografie, Berlin, 1990; ISBN 3-925935-13-4 (Text Axel Sommer)
- Neue Synagoge Berlin (Wiederaufbau als Centrum Judaicum). Hrsg. Berliner Morgenpost, 1995 (mit Anmerkungen zum Bau von Bernhard Leisering)
- Joseph Hoppe et al. (Hrsg.): Gesichter der Arbeit. Fotografien aus Industriebetrieben der DDR. be.bra verlag, Berlin, 2020; ISBN 978-3-89809-183-1
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen
- 1985: Stahnsdorf
- 1987: Berlin, Stadtbibliothek (mit weiteren sieben Fotografen)
- 2019: Berlin, Technikmuseum („Gesichter der Arbeit – Fotografien aus Ostberliner Industriebetrieben von Günter Krawutschke“)[2]
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
- 1986: Berlin, Bezirkskunstausstellung (Gebrauchsgrafik)
- 1986: Berlin, Marstall („Fotografie: Realität, Vernunft, Kunst“)
- 1987/1988: Dresden, X. Kunstausstellung der DDR
Literatur
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 481
Weblink
Einzelnachweise
- ↑ wpadmin2: Ein Haus und seine FacettenDer Fotograf Günter Krawutschke und die Neue Synagoge in der Mitte Berlins. In: Centrum Judaicum. 5. September 2022, abgerufen am 23. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ a b Gesichter der Arbeit. Abgerufen am 23. Dezember 2025.