Günter Höglinger

Günter U. Höglinger (* 1971[1] in Passau[2]) ist ein deutscher Neurologe.

Ausbildung und Beruf

Höglinger besuchte mit Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung die Universität Regensburg und die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Ein Studium der Physik führte bis zum Vordiplom 1993, das Medizinstudium schloss er 1999 in Würzburg ab. Nach Stationen in München und Bern vollendete er seine Dissertation an der Philipps-Universität Marburg. Ebenfalls in Marburg habilitierte er sich 2007;[3] dafür hatte er sich mit natürlichen Umweltfaktoren als Auslöser atypischer Parkinson-Syndrome befasst.[4] Im selben Jahr schloss er die Facharztausbildung zum Neurologen ab.

Während seiner Ausbildung war Höglinger zu Ausbildungs- und Forschungsaufenthalten in London, an der Universität Hong Kong, der Insel in Bern und der Salpêtrière in Paris.[5]

Höglinger trägt die Zusatzbezeichnungen Intensivmedizin und Geriatrie.[3]

Höglinger blieb zunächst an der Universitätsklinik für Neurologie in Marburg, zuletzt als Stellvertretender Klinikdirektor, bis er 2011 einen Lehrstuhl für Translationale Neurodegeneration, zunächst als Heisenberg-Professur, am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und der Technischen Universität München erhielt.[3]

Im Juni 2019 wechselte er als Direktor der Neurologischen Klinik an die Medizinische Hochschule Hannover.[6]

Seit Januar 2023 leitet Höglinger einen Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zugleich wurde er Direktor der Neurologischen Klinik und Direktor des Friedrich-Baur-Instituts des LMU Klinikums.[5]

Klinisch vertritt Höglinger die ganze Breite des Faches Neurologie. Besondere Anerkennung wird Höglinger für seine klinische Expertise auf dem Gebiet der neurodegenerativen Krankheiten, insbesondere Parkinson-Syndrome und der Demenzen zuteil.[7]

Für das Jahr 2026 wurde die von ihm geleitete Klinik durch die Zeitschrift Newsweek als eine der 15 besten Neurologischen Kliniken der Welt bewertet.[8]

Höglinger forscht weiterhin als Principal Investigator am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und am Munich Cluster for Systems Neurology SyNergy.[9]

Fachliche Interessen

Höglingers fachliche Interessen umfassen das gesamte Spektrum neurologischer Fragestellungen. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Interessen liegt dabei auf Neurodegenerativen Erkrankungen, in erster Linie der Parkinson-Krankheit, aber auch anderen Erkrankungen dieses Formenkreises.

Besonderes Augenmerk legt er dabei auf den Bezug der Forschungsansätze zur klinischen Praxis und die Anwendbarkeit der Ergebnisse auf Diagnose und Therapie.[5]

Zur Parkinson-Krankheit hat Höglinger mit einem internationalen Team eine erste biologische Klassifizierung, die diagnostischen SynNeurGe-Kriterien, entwickelt. Er koordinierte federführend die aktuell gültige Nationale Leitlinie der Dt. Gesellschaft für Neurologie zur Diagnose und Therapie der Parkinson-Krankheit (herausgegeben 2023). Zur Progressiven supranukleären Blickparese hat er praxisorientiert in Bezug auf Diagnostik und Datensammlung als ihrer Grundlage geforscht.[10] Ein wesentlicher Beitrag von Höglinger war die Entwicklung der klinischen Diagnosekriterien der Internationalen Movement Disorder Society. Mit Blick auf Therapiemöglichkeiten erforschte er u. a. den Nutzen von Antikörpern oder Antisense-Oligonucleotiden gegen das Tau-Protein bei Progressiver supranukleärer Blickparese.[11]

Bei der Alzheimer-Krankheit steht v. a. das Tau-Protein als therapeutische Zielstruktur im Focus seines Interesses.[12]

Zu Infektionen mit dem Varizella-Zoster-Virus erforschte Höglinger die Rolle von genetischen Faktoren und von Biomarkern in der Zerebrospinalflüssigkeit bei der Vorhersagbarkeit des – häufig stark variierenden – Krankheitsverlaufs etwa bei Gürtelrose.[13]

Zur Progressiven Multifokalen Leukoenzephalopathie (PML) hat Höglinger wesentliche Forschungsergebnisse beigetragen, insbesondere erste Hinweise auf eine therapeutische Wirksamkeit von allogenen virusspezifischen T-Zellen.[14]

Gremienarbeit

  • seit 2010: Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der CurePSP Foundation (Stiftung Heilung für Progressive supranukleäre Blickparese, PSP)[13][15]
  • seit 2015: Mitglied im Beirat der Prof. Klaus Thieman Stiftung[13][16]
  • seit 2020: Vorsitz im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Parkinson-Stiftung[13]
  • 2017 bis 2023: Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen[13]
  • seit 2025: Stellvertretender Vorsitzender des Kompetenznetz Parkinson

Auszeichnungen

  • 2005: Preis der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen, DPG
  • 2005: Preis der Deutschen Parkinson-Stiftung
  • 2009: Erster Preis für innovative therapeutische Strategien für neurodegenerative Erkrankunge der Dr. Walter und Luise Freundlich-Stiftung[3]
  • 2017: Dingebauer-Preis für Parkinson-Forschung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, DGN
  • 2020: Standout Achievement Award der CurePSP Foundation (Stiftung Heilung für Progressive supranukleäre Blickparese, PSP)[13][15]

Schriften

  • Nationale Leitlinie Parkinson-Krankheit, 2023 (als Herausgeber) (Online)
  • Parkinson-Syndrome kompakt : Diagnostik und Therapie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-13-242238-4 (als Herausgeber)
  • Gewebekultur von fetalem ventralen Mesencephalon für die Transplantation im Rattenmodell der Parkinson Krankheit . Universität Marburg, 2000 (Dissertation)
  • Hirntod und Organtransplantation DeGruyter, Berlin 1998, ISBN 978-3-11-016203-5 (als Herausgeber mit Stefan Kleinert)

Literatur

  • Ein neuer Chef für die Neurologie. In: Klinikum aktuell. Das Magazin des LMU Klinikums und der Medizinischen Fakultät, 2023, Nr. 1, DNB 988401827, S. 25

Einzelnachweise

  1. DNB 120351374 Katalogeintrag der Deutschen Nationalbibliothek
  2. Philipp Kressirer: Prof. Dr. Günter Höglinger ist neuer Direktor und Ordinarius für Neurologie am LMU Klinikum München. In: Informationsdienst Wissenschaft, 4. Januar 2023, abgerufen am 18. Februar 2023
  3. a b c d Curriculun vitae Prof. Dr. Günter U. Höglinger. In: Munich Cluster for Systems Neurology, Ludwig-Maximilians-Universität München. Abgerufen am 18. Februar 2023 (englisch).
  4. Neu berufen. In: TUMCampus, 2012, Nr. 1, DNB 98741092X, S. 42
  5. a b c Ein neuer Chef für die Neurologie. In: Klinikum aktuell. Das Magazin de LMU Klinikums und der Medizinischen Fakultät. Nr. 1, 2023, DNB 988401827, S. 25
  6. Stefan Zorn: Die Neurologie der MHH hat einen neuen Direktor. In: Informationsdienst Wissenschaft, 27. August 2019, abgerufen am 18. Februar 2023>
  7. Top-Mediziner: in Deutschland | FOCUS Gesundheit. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  8. Alexis KayserHealthcare Editor: Neurology. 10. September 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025 (englisch).
  9. SyNergy - Munich Cluster for Systems Neurology. Abgerufen am 28. Dezember 2025 (englisch).
  10. DescribePSP and ProPSP: German Multicenter Networks for Standardized Prospective Collection of Clinical Data, Imaging Data, and Biomaterials of Patients With Progressive supranuclear Palsy In: Frontiers in Neurology. Band 12, Mai 2021, S. 72–79, ISSN 1664-8714, doi.org/10.3389/fneur.2021.644064 (englisch, Artikel-Nr. 644064)
  11. Tau-Antikörper gegen neurodegenerative Erkrankungen: neue Erkenntnisse aus weltweiter klinischer PSP-Studie. In: Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen. 18. Februar 2021, abgerufen am 18. Februar 2023
  12. Jean-Philippe Courade, Henrik Zetterberg, Günter U. Höglinger, Ilse Dewachter: The evolving landscape of Alzheimer's disease therapy: From Aβ to tau. In: Cell. Band 188, Nr. 26, 24. Dezember 2025, ISSN 1097-4172, S. 7337–7354, doi:10.1016/j.cell.2025.11.033, PMID 41448139 (nih.gov [abgerufen am 28. Dezember 2025]).
  13. a b c d e f Prof.Dr. Günter Höglinger. In: Exzellenzcluster RESIST. Medizinische Hochschule Hannover. Abgerufen am 18. Februar 2023
  14. Nora Möhn, Lea Grote-Levi, Mike P. Wattjes, Agnes Bonifacius, Dennis Holzwart, Franziska Hopfner, Sandra Nay, Sabine Tischer-Zimmermann, Mieke Luise Saßmann, Philipp Schwenkenbecher, Kurt-Wolfram Sühs, Nima Mahmoudi, Clemens Warnke, Julian Zimmermann, David Hagin, Lilia Goudeva, Rainer Blasczyk, Armin Koch, Britta Maecker-Kolhoff, Britta Eiz-Vesper, Günter Höglinger, Thomas Skripuletz: Directly Isolated Allogeneic Virus-Specific T Cells in Progressive Multifocal Leukoencephalopathy. In: JAMA neurology. Band 81, Nr. 11, 7. Oktober 2024, ISSN 2168-6157, S. 1187–1198, doi:10.1001/jamaneurol.2024.3324, PMID 39374035, PMC 11459361 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 28. Dezember 2025]).
  15. a b CurePSP: Overview. In: CurePSP, abgerufen am 18. Februar 2023
  16. Thiemann Stiftung: Die Vision. In: Prof. Klaus Thiemann Stiftung, abgerufen am 18. Februar 2023