Günter Fabiunke

Günter Fabiunke (* 28. August 1921 in Berlin; † 20. Juni 2001 in Leipzig) war ein deutscher marxistischer Ökonom und Ökonomiehistoriker. Er lehrte als Professor für Geschichte der Politischen Ökonomie an der Karl-Marx-Universität Leipzig (1965–1969 sowie 1974–1986) und der Handelshochschule Leipzig (1969–1974).

Leben

Der Sohn von Alfred Fabiunke (Polizeiwachtmeister/Beamter) und Hedwig Fabiunke geb. Lietz (Schneiderin/Hausfrau) absolvierte das Realgymnasium in Königs Wusterhausen und diente nach dem Abitur 1940 als Unteroffizier im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Im Juli 1944 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nachdem er 1949 den 11. Lehrgang an der Antifa-Zentralschule 2041 Taliza durchlaufen hatte, wurde er in die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands entlassen. Er arbeitete zunächst als Sachbearbeiter bei der Deutschen Wirtschaftskommission bzw. nach der Gründung der DDR im selben Jahr als Hauptsachbearbeiter im Ministerium für Innerdeutschen Handel, Außenhandel und Materialversorgung.

Fabiunke trat 1951 in die SED ein. Nach einem Kurzlehrgang an der Deutschen Verwaltungsakademie (DVA) in Forst Zinna wurde er dort wissenschaftlicher Assistent und legte 1952 das Staatsexamen als Diplom-Wirtschaftler ab. Aus der DVA ging die Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ (DASR) in Potsdam-Babelsberg hervor, an der Fabiunke bis Ende 1953 als Wissenschaftlicher Oberassistent arbeitete. Dann wechselte er an das Institut für Politische Ökonomie der Hochschule für Binnenhandel Leipzig, wo er von 1954 bis 1956 ebenfalls wissenschaftlicher Oberassistent war. Mit einer Arbeit über Friedrich Lists „Nationales System der politischen Ökonomie“ wurde er 1956 an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle (MLU) zum Dr. rer. oec. promoviert, Gutachter waren Gerhard Bondi und Rolf Gutermuth.

Anschließend lehrte er als wissenschaftlicher Dozent für Geschichte der ökonomischen Lehrmeinungen bzw. ab 1962 als Professor mit Lehrauftrag (ab 1965 mit vollem Lehrauftrag) an der Leipziger Hochschule für Binnenhandel. Dort war er 1956–1958 und 1961–1963 Direktor des Instituts für Politische Ökonomie sowie 1959–1961 Direktor des Handelsinstitutes. Mit der Schrift Dr. Martin Luther (1483–1546) – Deutschlands ältester Nationalökonom, begutachtet wiederum von Gerhard Bondi sowie Friedrich Behrens, erlangte Fabiunke 1961 an der MLU Halle die Habilitation zum Dr. oec. habil. sowie die Venia legendi für Geschichte der Politischen Ökonomie.

Im Jahr darauf wurde er an der Hochschule für Binnenhandel Leipzig zum Professor mit Lehrauftrag für dieses Fachgebiet ernannt. Parallel hatte er ab 1959 auch einen Lehrauftrag an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Marx-Universität Leipzig (KMU), mit der die Hochschule für Binnenhandel 1963 fusioniert wurde und an der Fabiunke 1965 als Professor mit vollem Lehrauftrag für Geschichte der Politische Ökonomie berufen wurde. Er leitete 1963–1965 die Studienfachrichtung Diplomlehrer für Marxismus-Leninismus (Politische Ökonomie), 1965–1967 war er Prodekan für Studienangelegenheiten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Im Jahr 1969 wurde er zum ordentlichen Professor für Geschichte der Politische Ökonomie an der wieder eigenständig gewordenen (und umbenannten) Handelshochschule Leipzig ernannt. Dort war er 1969–1970 Prorektor für Gesellschaftswissenschaften sowie 1969–1974 Direktor der Sektion Grundlagen des Marxismus-Leninismus.

Ab 1967 gehörte er dem wissenschaftlichen Beirat für Wirtschaftswissenschaften beim Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR an, wo er bis 1986 der Fachgruppe „Geschichte der Politischen Ökonomie“ vorstand und Leitungsmitglied der Arbeitsgruppe Politische Ökonomie war. 1974 wurde er wiederum als ordentlicher Professor an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der KMU berufen, die inzwischen nicht mehr in Fakultäten, sondern in Sektionen gegliedert war. Der Wissenschaftliche Rat der KMU Leipzig verlieh ihm im selben Jahr den Titel Dr. sc. oec. (Promotion B). Er wurde 1975 in den Wissenschaftlichen Rat für Marx-Engels-Forschung in der DDR berufen. Von 1976 bis zum Erreichen der Altersgrenze 1986 leitete er den Wissenschaftsbereich Politische Ökonomie III an der Sektion Wirtschaftswissenschaften der KMU.

Fabiunke wurde 1971 mit der Verdienstmedaille der DDR und 1980 mit dem Orden Banner der Arbeit (Stufe II) ausgezeichnet. Anlässlich seiner Emeritierung verlieh ihm die Handelshochschule Leipzig 1986 die Ehrenpromotion zum Dr. oec. h. c.

Schriften (Auswahl)

  • Zur historischen Rolle des deutschen Nationalökonomen Friedrich List (1789–1846). Ein Beitrag zur Geschichte der politischen Ökonomie in Deutschland. Berlin 1955, OCLC 630832510.
  • Geschichte der bürgerlichen politischen Ökonomie, Anschauungsmaterial, Berlin 1975.
  • Geschichte der politischen Ökonomie des Marxismus-Leninismus, Anschauungsmaterial, 1. Band, Berlin 1978.
  • Geschichte der politischen Ökonomie des Marxismus-Leninismus, Anschauungsmaterial, 2. Band, Berlin 1979.
  • Investivlohn ist Betrug. Die Investivlohn-Variante des Volkskapitalismus in Westdeutschland. Berlin 1958, OCLC 247451657.
  • mit Otto Grünewald und Jürgen Lehm: Verkaufspsychologie. Berlin 1983, OCLC 74553889.
  • mit Peter Thal: Geschichte der politischen Ökonomie. Leitfaden. Berlin 1988, ISBN 3-349-00283-8.