Günter Burkart

Günter Burkart (* 16. Dezember 1950) ist ein deutscher Kultursoziologe und Hochschullehrer.

Leben und Werk

Burkart studierte Soziologie von 1970 bis 1976 an der Universität Frankfurt (am Main). Er wurde dort 1981 zum Dr. phil. promoviert mit einer theoretisch-empirischen Arbeit über das Studium der Medizin und die universitäre Sozialisation von Ärztinnen und Ärzten. Von 1979 bis 1986 war er als Bildungsforscher an der Universität Klagenfurt an mehreren Projekten beteiligt, vor allem an einer Verlaufsstudie (Panel) zur Bildungs- und Berufslaufbahn von Maturanten. Es folgte eine Assistentenstelle an der Freien Universität Berlin im Forschungsbereich des Lebenslaufsoziologen Martin Kohli. Hier begann Burkart mit Forschungen zu Paarbeziehungen, Familie und Liebe. Nach einem Forschungsaufenthalt an der University of Pennsylvania in Philadelphia habilitierte er sich 1994 an der Freien Universität mit der Arbeit Entscheidung zur Elternschaft. Nach einer Lehrstuhlvertretung an der Universität Mannheim erfolgte 1995 die Berufung auf eine reguläre Professur (C3) an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau und 1998 auf eine Professur für Soziologie (C4) an der Universität Lüneburg. Diese Professur wurde später in Kultursoziologie umbenannt. Nach dem Wintersemester 2019/20 ging Burkart in den Ruhestand.

Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit liegen in Bereichen der Kultursoziologie und Kulturtheorie insbesondere zu den Themen Individualisierung, Paarbeziehungen und Familie, Geschlechterverhältnisse; Soziologie der Technik und Medien sowie qualitative Methoden und Methodologie. Von 1995 bis 2001 leitete er das DFG-Projekt „Geschlechtsnormen in Paarbeziehungen im Milieuvergleich“, von 2000 bis 2008 war er Sprecher der Sektion Familiensoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Seit 2007 arbeitete Burkart in einer internationalen Forschergruppe zum Thema Verknüpfung von Gesellschaftstheorie und Geschlechterforschung. 2009–2013 leitete er das soziologische Teilprojekt in einem vom Bundesministerium für Technologie geförderten Projekt zur Stromversorgung.

Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit in Lüneburg begann Günter Burkart ein literatursoziologisches Projekt mit dem Arbeitstitel Liebe im Roman. Es wurde abgeschlossen mit dem umfangreichen Buch Erlesenes Begehren (2025). Darin entwickelt er eine Theorie der Liebe als leibzentrierter sozialer Beziehung und untersucht historisch und gegenwartsbezogen mittels zahlreicher Fallstudien von Liebesromanen den Charakter der Liebe als Kulturprodukt. Methodisch wird der Roman dabei als Datenquelle für die Analyse der sozialen Welt betrachtet.

Günter Burkart ist verheiratet mit der Philosophin Hilge Landweer.

Publikationen (Auswahl)

  • Erlesenes Begehren. Soziologische Analysen der Liebe im Roman. Campus, Frankfurt am Main, 2025. ISBN 978-3-593-52147-3.
  • Liebe: Historische Formen und theoretische Zugänge. In: Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Hrsg.: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf, Katja Sabisch. Wiesbaden: Springer VS, 2019, S. 1093–1100.
  • Soziologie der Paarbeziehung. Eine Einführung. Wiesbaden, Springer VS, 2018. ISBN 978-3-658-19404-8.
  • als Mitherausgeber: Privat - öffentlich - politisch: Gesellschaftstheorien in feministischer Perspektive. Hrsg.: Günter Burkart, Diana Cichecki, Nina Degele, Heike Kahlert. Wiesbaden: Springer VS, 2022. ISBN 978-3-658-35400-8.
  • als Herausgeber: Die Zukunft der Familie. Prognosen und Szenarien. Budrich, Opladen / Farmington Hills, MI 2009, ISBN 978-3-86649-237-0.
  • Familiensoziologie. In: UTB 3061, Bachelor-Bibliothek. UVK, Konstanz 2008, ISBN 978-3-8252-3061-6.
  • Handymania. Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat. Campus, Frankfurt am Main / New York, NY 2007, ISBN 978-3-593-38351-4.
  • als Herausgeber: Die Ausweitung der Bekenntniskultur. Neue Formen der Selbstthematisierung? VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-14759-8.
  • als Herausgeber zusammen mit Gunter Runkel: Luhmann und die Kulturtheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2004, ISBN 978-3-518-29325-6.