Gérard de Brogne

Gérard de Brogne oder Gerhard von Brogne (* um 885 in Stave, heute Mettet bei Namur; † 3. Oktober 959 in der Abtei Brogne bei Namur) war ein Adeliger, Abt, Klosterreformer und ist Heiliger der katholischen Kirche.

Leben

Sein Vater Stance stammte aus herzoglichem Geschlecht und seine Mutter Plectrude war die Schwester von Stephan, Bischof von Lüttich. In seinen jungen Jahren stand er in Diensten des Grafen Berengar von Namur. Schon bald fühlte er sich jedoch zu einem geistlichen Leben hingezogen. 914 ließ er auf seinem Besitz in Brogne eine Kirche und ein Kanoniker-Stift erbauen. Während einer Reise nach Frankreich trat er 917/918 in das Benediktinerkloster Saint-Denis bei Paris ein. Nach seiner Priesterweihe kehrte er um 923 nach Brogne zurück und wandelte das Stift in ein Benediktinerkloster um. Von Saint-Denis brachte er Reliquien des hl. Eugenius von Toledo mit.

Seine streng an der benediktinischen Ordensregel ausgerichtete Klosterzucht wirkte weit in den niederlothringischen und normannischen Raum hinein. Die Reform des heiligen Gerhard umfasste neben der Wiederherstellung der religiösen Disziplin und der Vertreibung widerspenstiger Mönche auch praktische Aspekte wie den materiellen Wohlstand des Klosters (und die Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit von den lokalen Herren) sowie die Erneuerung des intellektuellen und liturgischen Lebens. 18 weitere Klöster wurden von Gerhard unter anderem im Auftrag des Herzogs Giselbert von Lothringen und des Grafen Arnulf von Flandern reformiert. Sicher ist, dass Giselbert von Lothringen ihm die Reform der Abtei des heiligen Gislenus in Saint-Ghislain anvertraute und Arnulf die Reform der Sankt-Bavo-Abtei und der Sankt-Peters-Abtei (beide in Gent). Die Reform des heiligen Gerhard fand fast zeitgleich mit, aber unabhängig von der Cluniazensischen Reform unter dem Abt Berno von Baume (910–925) statt, die damals vor allem nach Südfrankreich und Italien ausstrahlte.

Das Kloster wurde kurz nach 933 auch ein Mittelpunkt der Klosterreform von Gorze. Nach 945 (Rückkehr von Richard I. gen. Ohnefurcht) reformierte der heilige Gerhard die Abtei Saint-Wandrille in Rives-en-Seine in der Normandie. Für Arnulf von Flandern reformierte er die Abtei Saint-Bertin in Saint-Omer (949 - nach Folcuin von Lobbes[1]) und die Abtei Saint-Amand in Saint-Amand-les-Eaux (952).

Gegen Ende seines Lebens zog sich Gerhard wieder nach Brogne zurück. Kurz vor seinem Tod reiste er noch nach Rom, um sich die Privilegien für seine Abtei Brogne vom Papst bestätigen zu lassen. 959 starb er und wurde in seiner Abtei Brogne begraben.

Gerhard von Brogne wurde auf dem Konzil zu Reims vom Oktober 1131 von dem damals aus Rom vertriebenen Papst Innozenz II. heiliggesprochen. Sein Titularfest ist am 3. Oktober.

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Oswald Holder-Egger (Hrsg.): Folkwin von Laubach, Gesta abbatum s. Bertini Sithiensium, in Georg Waitz (Hrsg.): Supplementa tomorum I-XII, pars I in Reihe Monumenta Germaniae Historica. Scriptores (in Folio) / 13 = [MGH SS 13], Hannover 1881, S. 600–635.