Géo Ham
Géo Ham, eigentlich Georges Alexandre Hamel (* 19. September 1900 in Laval; † 24. Juni 1972 in Paris), war ein französischer Maler, Illustrator und Werbegrafiker. Er malte bevorzugt in Bewegung befindliche Land- und Luftfahrzeuge und gestaltete viele Zeitschriftencover und Plakate für Motorsportwettbewerbe mit derartigen Motiven. In Frankreich wird er als Peintre de la Vitesse („Maler der Geschwindigkeit“) bezeichnet. Zwischen den Weltkriegen trat er gelegentlich als Autorennfahrer in Erscheinung.
Biografie
Herkunft und Persönliches
Georges Hamel wurde in Laval, der Hauptstadt des westfranzösischen Départements Mayenne, geboren. Sein Vater Désiré Hamel war ein gelernter Chemielaborant, der mit fototechnischen Artikeln handelte und Postkarten herausgab, seine Mutter Henriette, geb. Jallier, betrieb eine Damenboutique mit angeschlossener Parfümerie in Laval.[1] Die Eltern waren gegenüber technischen Neuerungen sehr aufgeschlossen.
Georges Hamel war nicht verheiratet. Er hatte keine Kinder.[2] Er starb 1972 nach kurzer schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Paris. Hamel wurde in Laval bestattet.
Erbin seines Nachlasses war eine von Hamel bestimmte Stiftung. Nach seinem Tod verkaufte sie alle Nachlassgegenstände an einen Schrotthändler.[3]
Ausbildung und Berufstätigkeit
Nach Abschluss seiner Schulausbildung am Lycée Ambroise-Paré in Laval begann Hamel 1917 in Angers eine Tätigkeit als Illustrator, bei der er vor allem Werbeplakate für Lebensmittel malte.[1] Ein Jahr später zog er auf Anraten des Illustrators Eugène Morand nach Paris und absolvierte eine Ausbildung an der École nationale supérieure des arts décoratifs, einer Hochschule für angewandte Kunst. Einer seiner Lehrer war Adrien Bruneau. Mit einem Stipendium aus dem Nachlass des Malers Charles Landelle, der wie Bruneau und er selbst aus Laval stammte, richtete sich Hamel im 17. Arrondissement eine Wohnung und ein Atelier ein, die er bis zum Lebensende behielt.
Seit 1920 war er als selbständiger Illustrator tätig. Von Beginn an signierte er seine Werke mit Géo Ham, einer Abkürzung seines Namens.
Ab 1928 arbeitete Hamel regelmäßig für die Wochenzeitschrift L’Illustration, zunächst nur als Illustrator, später auch als Redakteur.[4][5] In den 1930er-Jahren war Ham zeitweise als Kriegsreporter im Einsatz. Im Abessinienkrieg 1935 fertigte er Zeichnungen für L’Illustration aus Äthiopien und erhielt für sein Engagement einen italienischen Verdienstorden. Danach begleitete Hamel auf General Francos Seite frühe Phasen des Spanischen Bürgerkriegs und zeichnete unter anderem Szenen der Belagerung von Madrid. Auch nach der Deutschen Besetzung Frankreichs, während derer das Blatt mit dem Besatzungsregime kollaborierte, behielt Hamel seine Funktionen bei L’Illustration bei.[1] Nach der Befreiung Frankreichs war er wegen des Vorwurfs der Kollaboration für kurze Zeit in Drancy inhaftiert.
Nach 1945 war Hamel weiter als selbständiger Illustrator tätig. Er entwarf Werbeplakate für Automobile und Automobilveranstaltungen und illustrierte automobilbezogene Themen für Zeitschriften, darunter für L’Automobile. Außerdem entstanden einige Entwürfe für Automobilkarosserien, von denen einzelne in wenigen Exemplaren gebaut wurden. In den 1960er-Jahren geriet Hamel zunehmend in Vergessenheit.
Werk
Grafiken und Zeichnungen
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Hams Duell der Geschwindigkeit hinter einem Bugatti
Früh waren Automobile, Motorräder und Flugzeuge zentrale Themen von Hamels Arbeit. Seine Neigung hierzu geht auf das Jahr 1913 zurück, als er in seiner Heimatgemeinde zum ersten Mal ein Automobilrennen sah. Seitdem war er von Technik und Geschwindigkeit fasziniert. Vielfach malte Hamel Land- und Luftfahrzeuge in schneller Bewegung, teilweise auch im Wettbewerb gegeneinander. Mit seinem Malstil gelang es ihm, das Gefühl von Geschwindigkeit einzufangen.[5] Diese Fähigkeit brachte ihm in Frankreich die Bezeichnung Peintre de la Vitesse („Maler der Geschwindigkeit“) ein.
Ein Schwerpunkt von Hamels Arbeit waren Werbeillustrationen für verschiedene Produkte wie Automodelle, Autoreifen und dergleichen, aber auch für Veranstaltungen mit Technikbezug. Er gestaltete im Auftrag des Automobile Club de Monaco viele Werbeplakate für die Rallye Monte Carlo und den Großen Preis von Monaco. Von 1951 bis 1957 entwarf er außerdem für den Automobile Club de l’Ouest alle Plakate für die 24-Stunden-Rennen von Le Mans.
1931 verlieh ihm das französische Verteidigungsministerium den Titel Peintre de l’Air et de l’Espace (deutsch etwa: Offizieller Maler der Luftstreitkräfte), der ihm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entzogen wurde.
Automobildesign
Die Géo-Ham-Delahayes
Hamels Zeichnungen beeinflussten in den Zwischenkriegsjahren mittelbar das Karosseriedesign einiger Sportwagen. Er war insbesondere Ideengeber für einige Delahaye-Sportwagen, die später als Géo-Ham-Delahayes bezeichnet wurden.
Den Anfang machte ein Ausstellungsstück des französischen Carrossiers Figoni & Falaschi von 1936 für das Chassis eines Delahaye Type 135 M. Grundlage des Entwurfs war eine Zeichnung Hamels aus dem Frühjahr 1936. Besondere Merkmale dieses Designs sind tropfenförmige vordere und hintere Kotflügel und voll verkleidete Vorder- und Hinterräder. Auf allen Kotflügeln finden sich geschwungene, an Wellen erinnernde Konturlinien. Die Scheinwerfer sind unmittelbar oberhalb der Stoßstange in die vorderen Enden der Kotflügel eingelassen. Von der Motorhaube bis in die Wagenflanken hinein verlaufen Akzentstreifen.
Das Auto war zunächst als Einzelstück gedacht. Es erschien in rosa- und orangefarbener Lackierung im Oktober 1936 auf dem Pariser Autosalon und war dort der „Star der Show“.[6] Wegen des großen Interesses baute Figoni & Falaschi bis zum Herbst 1937 zehn weitere Cabriolets nach diesem Entwurf, die als Phaeton Grand Sport bezeichnet wurden,[4] sowie ein geschlossenes Modell. Details wie die Positionierung und die Einfassung der Scheinwerfer variierten den Kundenwünschen entsprechend. Weil Figoni & Falaschi den Entwurf der Phaeton Grand Sport als eigene Arbeit ausgab, strengte Hamel 1937 einen Prozess gegen das Karosseriebauunternehmen an. In einem Vergleich verpflichtete sich Figoni & Falaschi, Géo Ham als Urheber des Designs zu nennen.
Das Design des Delahaye 135 Phaeton Grand Sport war die Vorlage für das wesentlich größere, von Hartmann in Lausanne karossierte Einzelstück Cadillac V16 Hartmann Cabriolet, das zu den bekanntesten Cadillacs der Zwischenkriegsjahre gehört.
Peugeot 203 Darl’mat
Für den Karosseriehersteller Darl’mat entwarf Hamel 1955 die Karosserie eines zweitürigen Stufenheckcoupés mit hinterer Panoramascheibe auf der Basis des Peugeot 203, das bis 1956 in fünf Exemplaren hergestellt wurde. Dieses Modell war das letzte eigenständige Produkt von Darl’mat.[7]
Autorennen
In den 1930er-Jahren trat Hamel vereinzelt bei Automobilsportwettbewerben als Rennfahrer an.
Eine Quelle nennt die 1932er Auflage der Rallye Monte Carlo als Hamels erste Rennteilnahme.[8] Demzufolge fuhr er mit Boris Iwanowski und Emile Mary in einem Ford von Umeå in Schweden nach Monte Carlo. Andere Quellen nennen Hamel im Zusammenhang mit dieser Rallye nicht.
Zweifelsfrei belegt ist Hamels Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1934. Hier war er Co-Pilot von Louis Villeneuve. Sie gingen mit einem Derby L8 in der 2,0-Liter-Klasse an den Start. Das Team Villeneuve/Ham schied nach 44 Runden infolge eines Getriebedefekts aus. 1935 fuhr er die Rallye National Automobile des Fêtes de Paris, die er auf einem Amilcar Pégase an der zweiten Stelle der Gesamtwertung beendete.[9]
Statistik im Automobilsport
Le Mans-Ergebnis
| Jahr | Team | Fahrzeug | Teamkollege | Platzierung | Ausfallgrund |
|---|---|---|---|---|---|
| 1934 | Louis Villeneuve | Derby L8 | Louis Villeneuve | Ausfall | Getriebeschaden |
Auszeichnungen
- Croce di guerra al valor militare (Italien)
- Croix de guerre 1939–1945 (Frankreich)
Literatur
- Xavier Villebrun: Géo Ham, peintre de la vitesse, Katalog zur Ausstellung Géo Ham, peintre de la vitesse, maître de l’affiche im Espace Alain Gerbault, Editions Somogy.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Biografische Angaben zu Géo Ham auf leroux.andree.free.fr (abgerufen am 30. Januar 2024).
- ↑ Genealogische Angaben zu Georges Hamel auf geneanet.org (abgerufen am 23. November 2025).
- ↑ Hervé Poulain: Automobiles Classiques, Heft 47 (Dezember 1991).
- ↑ a b Serge Bellu: Designer by Bellu - Géo Ham, Hamicalement vôtre. caradisiac.com, 12. Dezember 2020, abgerufen am 1. Februar 2024 (französisch).
- ↑ a b Jean-Paul Perrin: L’aviation et l’aéronautique (1924-1938). lillustration.com, 2013, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Christophe Gaillard: The forgotten Delahaye. classicsportscar.com, 21. Juni 2022, abgerufen am 1. Februar 2024 (englisch).
- ↑ Laurent Cornée; Darl’mat. Des Peugeot d’exception, Antony, ETAI, 2014, ISBN 979-10-283-0004-3, S. 160.
- ↑ Statistik der Rallye Monte Carlo 1932 auf ewrc-results.com (abgerufen am 23. November 2025).
- ↑ Rallye National Automobile des Fêtes de Paris 1935