Fritz von Farenheid

Friedrich Fritz von Farenheid (* 31. Oktober 1815 in Angerapp[1]; † 8. Juni 1888 in Klein Beynuhnen)[2] war ein preußischer Gutsbesitzer, Politiker und Kunstsammler aus der Provinz Ostpreußen.

Leben

Farenheid stammte aus einer ursprünglich bürgerlichen Königberger Familie,[3] die dann mit dem Kriegs- und Domainen-Rat Johann Friedrich Wilhelm Fahrenheit[4] und dessen Nobilitierung 1786 in den jüngeren Briefadel übergeht. Er wurde als Sohn des Friedrich Heinrich Johann von Farenheid (1780–1849),[5] eines Schülers von Immanuel Kant und Georg Christoph Lichtenberg, und dessen Ehefrau Wilhelmine Lehmann geboren.

Fritz von Fahrenheid, nach Eigenangaben[6] aus 1886 ein Nachfahre von Daniel Gabriel Fahrenheit, besuchte das Friedrichskolleg in Königsberg und studierte dort ab 1836 an der Königlichen Albertus-Universität. Sein Lehrer, der Altphilologe Karl Lehrs, begeisterte ihn für die Welt der Antike. Fritz von Farenheid besuchte 1841 und 1842 Italien, das Königreich Griechenland und das Osmanische Reich.

Nach dem Tod des Vaters erbte er das Familienvermögen und baute das Schloss Klein Beynuhnen in klassizistischem Stil aus (1850, 1862–1864) und versah es mit Räumen für seine Kunstsammlung. Gleichwohl sprach er nach einer Übersicht der Gräfin Dohna-Dönhoffstädt bis mindestens 1866 aus Tradition auch der aktiven Jagd zu.[7] Zu seinem erweiterten gesellschaftlichen Umgang gehörte neben den Großgrundbesitzern der Region ebenso höhere Militärs, u. a. GFM Karl Friedrich von Steinmetz, General d. Infanterie Emil von Conrady.[8] Zum engeren persönlichen Freundschaftskreis Fahrenheits ist E. M. Arndt und der Politiker Theodor von Schön zu zählen.[9]

Die Sammlung bestand aus originellen Bildern und Skulpturen und Kopien und Abgüssen klassischer Kunstwerke. Fritz von Farenheid beauftragte den Berliner Maler Rudolf Schick mit der Erstellung einer Reihe von Kopien italienischer Malerei der Renaissance. 1869 beauftragte von Farenheid den Berliner Fotografen Carl Suck damit, auf seinen Besitzungen in Litauen sowohl Bauwerke und deren Interieurs als auch einzelne Kunstwerke seiner Sammlungen fotografisch zu dokumentieren.[10] Die Sammlungen waren der Öffentlichkeit zugänglich, einige Skulpturen wurden im Schlosspark aufgestellt. Das Gut Beynuhnen wurde zum Unterhalt der Sammlungen bestimmt.

Von 1860 bis 1888, berufen durch Allerhöchste Erlaubnis,[11] aus besonderem königlichen Vertrauen auf Lebenszeit, war Farenheid Mitglied im Preußischen Herrenhaus. Er war Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der Künste Berlin. Nach seinem Ableben wurde die öffentliche Sammlung teils als Museum geführt.[12]

Das Lebenswerk von Fritz von Farenheid, hier in den Händen seines Nachfahren, des Großneffen Friedrich von Farenheid-Beynuhnen (a.d.H. Schmidt von Altenstadt),[13][14] fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer – das Schloss und Gut Beynuhnen wurde 1945 zerstört, das Schicksal seiner Sammlungen bleibt ungewiss.

Schriften

Zur Kunstgeschichte

  • Beschreibendes Verzeichniß der im Antikensaale zu Beynuhnen befindlichen Abgüsse nach Antiken. Nebst einleitendem Aufsatz über die Grundideen griechischer Religion und Ethik. Geh. Ober-Hofbuchdruckerei Decker, Berlin 1854.
  • Reise durch Griechenland, Klein-Asien, die troische Ebene, Constantinopel, Rom und Sicilien. Aus Tagebüchern und Briefen. Hartungsche Verlagsbuchhandlung, Königsberg 1875.

Briefwechsel

  • Fritz von Farenheid (Hrsg.): Erinnerungs-Blätter. Briefe an einen jetzt verstorbenen Freund. Hartungsche Verlagsbuchhandlung, Königsberg 1876 (Briefwechsel mit dem Offizier, Kunstsammler und Zeichner Ulrich von Salpius (1828–1867), den Farenheid im Park von Schloss Beynuhnen beisetzen ließ)[15].
  • Fritz von Farenheid (Hrsg.): Briefe von Carl Lehrs an einen Freund. Hartungsche Verlagsbuchhandlung, Königsberg 1878.
  • Philipp Graf zu Eulenburg-Hertefeld (Hrsg.): Fünf Jahre der Freundschaft. In Briefen von Fritz von Farenheid-Beynuhnen und Philipp Graf zu Eulenburg-Hertefeld. München 1897.

Literatur

  • Philipp von Bujack-Ramberg: Beynuhnen, eine Kunstschöpfung in Littauen. Grumbach, Leipzig 1868.
  • Philipp von Bujack-Ramberg: Fritz von Farenheid – Beynuhnen, Ehrenmitglied der Königl. Akademie der Künste zu Berlin, Ehrendoctor der Universität Königsberg. Eine Lebenskizze. Hartungsche Verlagsbuchhandlung, Königsberg 1890.
  • Max Hecht: Führer durch Beynuhnen, die Kunstschöpfung Fritz von Farenheids. Königsberg 1930.

Einzelnachweise

  1. Farenheid, Fritz von., In: Deutsche Biographie.
  2. E. David (Hrsg.): Handbuch für das Preußische Herrenhaus. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1911, S. 199.
  3. A. Momber: Daniel Gabriel Fahrenheit. Sein Leben und Wirken. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge. Band 7. Erstes Heft, Hrsg. Westpr. Provinzial-Landtag, Wilhelm Engelmann, Leipzig/Danzig 1888, S. 109 f.
  4. Leopold Freiherr von Ledebur Adelslexicon der Preussischen Monarchie. Band 1, Ludwig Rauh, Berlin 1855, S. 212.
  5. Friedrich Heinrich Johann von Farenheid. Biographische Skizze. Königsberg 1872., In: Lager-Katalog. Nr. 99. Verzeichniss: Das Deutsche Ordensland. Ost- und Westpreussen. Posen. Die russ. Ostseeprovinzen. Der ganzen Reihe Nr. 203, Ferd. Raabe Nachfolger Eugen Heinrich, Königsberg i. Pr. (1899 ?), S. 14.
  6. Brief vom 24. Juni 1886, In: Arthur Seligo: Hydrobiologische Untersuchungen. Zur Kenntniss der Lebensverhältnisse in einigen Westpreussischen Seen. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft Danzigs. Danzig 1890, S. 109.
  7. Julius Theodor Grunert: Forstliche Blätter. Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen. Elftes Heft, Verlag Julius Springer, Berlin 1866, S. 167.
  8. Richard Fleischer (Hrsg.): Deutsche Revue über das gesamte Leben der Gegenwart. Eine Monatschrift. 23. Jahrgang, Band 2 (April bis Juni 1898), Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Leipzig 1898, S. 7.
  9. E. M. Arndt: Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn Heinrich Karl Friedrich von Stein. 2. Auflage, Weidmann, Berlin 1858, S. 147.
  10. Beiblatt zur Zeitschrift für Bildende Kunst. V. Jahrgang, Nr. 1, „Vermischte Kunstnachrichten“, E. A. Seemann, Leipzig, 22. Oktober 1869, S. 4.
  11. Burau-Direktor Wetzel (Hrsg.): Handbuch für das Preußische Herrenhaus. Band II, Julius Sittenfeld, Berlin 1886, S. 167.
  12. Vgl. General-Register der Deutschen Rundschau. Band 41–80 (XI. - XX. Jahrgang), Gebürder Paetel, Berlin 1896, S. 83.
  13. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. Jg. 31, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 535. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
  14. Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. [1932]. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag der Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 117. Elbinger Stadtbibliothek PDF, In: GenWiki / Hrsg. CompGen Berlin. Reprint: ISBN 978-3-88372-345-7.
  15. Zeitschrift der Altertumsgesellschaft Insterburg. Heft 1, Franz Roddewig (Eugen Herbst), Insterburg 1888, S. 94.