Fritz Herrmann (Historiker)

Fritz Herrmann (* 24. Oktober 1871 in Guntersblum; † 17. November 1938 in Darmstadt) war ein deutscher evangelischer Theologe und Historiker sowie Präses der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Hessen.

Leben

Fritz Herrmann wurde als Sohn des Gendarmen Johann Jakob Hermann (1838–1906) und dessen Ehefrau Luise Jahn geboren und kam nach dem Abitur am Gymnasium Mainz als Einjährig-Freiwilliger zum Infanterie-Leibregiment Nr. 117 in Mainz. Im Anschluss an den Militärdienst absolvierte er ein Studium der Theologie an der Universität Gießen und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin sowie am Predigerseminar Friedberg. 1901 erhielt er das Lizenziat der Theologie und war in mehreren Gemeinden Pfarrer. Nach seiner zweijährigen Tätigkeit als Repetent an der theologischen Fakultät der Universität Gießen war er von 1903 bis 1911 Religionslehrer an der Viktoriaschule Darmstadt und am Lehrerseminar.

Nachdem er von 1911 an als Archivrat im Staatsarchiv Darmstadt beschäftigt war, wurde er 1929 dessen Direktor und leitete auch das Großherzogliche Hausarchiv; beide Ämter hatte er bis 1936 inne. Hartmann musste Kriegsdienst leisten, wurde bei den Kämpfen schwer verwundet (Verwundetenabzeichen) und mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille und dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Er war Mitbegründer des Hessischen Diakonievereins e. V. und der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung.

Von 1909 an war er Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Hessen und von 1930 bis 1933 deren Präsident (Präses).

1921 übernahm er die Schriftleitung der Merckschen Familien-Zeitschrift, die sich mit der Genealogie der Familie Merck beschäftigte. Nach seinem Tod übernahm der Genealoge Otfried Praetorius diese Aufgabe.[1]

Öffentliche Ämter

  • Mitglied des Hessischen Denkmalrats
  • 1910 Mitglied der Historischen Kommission für das Großherzogtum Hessen
  • 1909 Mitglied der Evangelischen Landessynode Hessen, später des Landeskirchentags
  • 1930–1933 Vorsitzender des Landeskirchentags

Ehrungen

Familie

Er war seit dem 1. Oktober 1901 mit Else Luise Bindernagel (* 1877) verheiratet.

Werke (Auswahl)

  • 1901 Das Interim in Hessen, ein Beitrag zur Reformationsgeschichte[2]
  • 1904 Hessisches Reformations-Büchlein für Schule und Haus
  • 1905 D. Tilemann Schnabel, der Reformator der Stadt Alsfeld
  • 1907 Die evangelische Bewegung zu Mainz im Reformationszeitalter[3]
  • 1914 Quellen zur Topographie und Statistik der Stadt Mainz
  • 1916 Aus tiefer Not, hessische Briefe und Berichte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
  • 1920 Inventare der hessischen Pfarrarchive im Freistaat Hessen
  • 1922 Katalog der Lutherbibliothek des Paulus-Museums der Stadt Worms
  • 1924 Johann Heinrich Mercks Ahnentafel
  • 1926 Inventare der älteren Registratur des Evangelischen Landeskirchenamts
  • 1932/1938 Die Protokolle des Mainzer Domkapitels
  • Zum Gedächtnis Philipps des Großmütigen[4]
  • Die Inventarisation der hessischen evangelischen Pfarrarchive, Bericht[5]

Einzelnachweise

  1. Joachim Scholtyseck, Carsten Burhop, Michael Kißener, Hermann Schäfer: Merck: Von der Apotheke zum Weltkonzern. C. H. Beck, 2018 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Mitteilungen aus der historischen Literatur, Band 30. 1902 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Deutsche Geschichtsblätter, Band 9. 1908 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Literarisches Zentralblatt für Deutschland, Band 56. 1905 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, Band 4. 1911 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).