Fritz Hülf
Fritz Hülf (* 15. Mai 1899 in Ipsheim; † 12. September 1976 in Westerburg) war ein deutscher Mediziner, nationalsozialistischer Agitator und verantwortlicher Schriftleiter des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer.
Leben
Fritz Hülf wurde als Sohn eines Baumeisters geboren und ging auf die Gymnasien in Windsheim und Erlangen. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Kriegsfreiwilliger ab 1917 teil.
Ab Februar 1919 studierte er Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Ab 1919 gehörte er der Erlanger Burschenschaft Frankonia an.[1] Gemeinsam mit einigen seiner Bundesbrüder gehörte er dem Freikorps Selbstschutz Oberschlesien an, mit dem er während des dritten oberschlesischen Aufstands in St. Annaberg in Oberschlesien war. Hülf war begeisterter Nationalsozialist und mit seinem Bundesbruder Ludwig Franz Gengler einer der bekanntesten Personen der Erlanger nationalsozialistischen Studentengruppe, für die er als Diskussionsredner auf Versammlungen anderer Parteien auftrat und neue Mitglieder warb. Mit Julius Streicher stand er ab Anfang 1923 in engem Kontakt und wurde 1924[2] verantwortlicher Schriftleiter des Stürmers. Hülf war 1924 für die Nummern 1–10 und 12–17 sowie für die beiden ersten Sonderausgaben verantwortlich.[3] Wegen eines von ihm verfassten Artikels wurde er im Oktober zu einer Strafe von 700 Goldmark verurteilt. Mit Ludwig Franz Gengler gründete er im Dezember 1924 die Großdeutsche Volksgemeinschaft, eine Ersatzorganisation für die nach dem Fehlschlag des Hitlerputsches im November 1923 verbotene Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Nach deren Wiedergründung 1925 trat Hülf zum 7. Juli des Jahres der Partei bei (Mitgliedsnummer 9.474), aus der er Anfang 1929 ausschied.[4] In Erlangen wurde er 1925 zum Dr. med. promoviert.
Nach seinem Studium arbeitete er als Arzt in Laufamholz bei Nürnberg. Zum 1. April 1933 schloss er sich der NSDAP erneut an (Mitgliedsnummer 1.765.313), schied aber erneut spätestens zum September 1934 aus.[5] Nachdem er sich intensiver mit Naturheilverfahren beschäftigte, ging er mit seiner Praxis nach Berneck im Fichtelgebirge, wo er Anlagen für Wasserkuren nach Sebastian Kneipp einrichtete und dadurch die Voraussetzungen schuf, dass der Kneippkurort Berneck ab 1950 den Zusatz „Bad“ führen durfte. Hülf war von 1930 bis 1965 als leitender Kurarzt tätig. Er war Mitglied des Bernecker Kneippvereins. Nach seiner Pensionierung 1965 zog er nach Westerburg im Westerwald, wo er sich schriftstellerisch betätigte.
Ehrungen
- Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP
- 1965: Bronzene Bürgermedaille der Stadt Bad Berneck im Fichtelgebirge
Schriften
- Die Magenresektionsmethode nach Reichel-Polya. Dissertation, Universität Erlangen, 1924.
Literatur
- Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 7: Supplement A–K. Winter, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8253-6050-4, S. 490–491.
Einzelnachweise
- ↑ Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 215.
- ↑ Siegfried Zelnhefer: Der Stürmer. Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit. In: Historisches Lexikon Bayerns.
- ↑ Daniel Roos: Julius Streicher und "Der Stürmer" 1923–1945, Dissertation Universität Würzburg 2013, Verlag Ferdinand Schöningh Paderborn 2014, S. 105.
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/1740723
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/17240724