Fritz Bock (Verleger)

Fritz Reinhard August Bock (* 3. Januar 1882 in Nordenham; † 14. Juli 1954 in Oldenburg) war ein deutscher Zeitungsverleger und Journalist. Er gründete 1946 die Nordwest-Zeitung.

Leben

Fritz Bock wurde am 3. Januar 1882 als Sohn des Kaufmanns Heinrich Bock und dessen Frau Therese (geb. Bülthoff) in Nordenham geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre und dem Besuch des Lehrerseminars Oldenburg war Bock zunächst als Gewerbelehrer tätig. Er absolvierte zusätzlich eine Bäckerlehre, studierte in Berlin Chemie sowie Mineralogie und legte das Ingenieurexamen für Maschinenbau ab. Infolge eines Unfalls wechselte er das Berufsfeld und trat in den Verlag der Nachrichten für Stadt und Land (später Oldenburger Nachrichten) ein. Dort stieg er 1916 zum Geschäftsführer auf und leitete das Unternehmen bis zur Einstellung der Zeitung im Jahr 1943. Unter seiner Leitung positionierte sich das Blatt frühzeitig auf Seiten der Nationalsozialisten; bereits 1930 und 1932 wurden Adolf Hitler und die NSDAP in der Berichterstattung verherrlicht.[1][2][3]

Ein Bericht über die Betriebsversammlung 1935 legte die enge Ausrichtung des Verlags auf das Regime; ein Redner der Deutschen Arbeitsfront schwor Belegschaft und Betrieb auf den „Willen des Führers“ ein, und Bock dankte für diese Ausführungen. In den folgenden Jahren verbreitete die Zeitung antisemitische NS-Propaganda; 1939 führte sie die Kriegsbeilage Der Waffenträger ein. Am 3. Januar 1940 beantragte Bock die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. März desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.513.982).[4][2]

Nach Kriegsende arbeitete Bock zunächst für die britische Militärregierung. 1946 erhielt er zusammen mit Joachim Pabst die Lizenz zur Gründung der Nordwest-Zeitung (NWZ) in Oldenburg. Am 26. April 1946 erschien die erste Ausgabe.[5] Bereits 1950 jedoch zog sich Pobst, bisher NWZ-Chefredakteur, als Lizenznehmer zurück und ging nach Hamburg. Um ihn auszahlen zu können, verkaufte Bock die Ostfriesen-Zeitung, einen NWZ-Ableger für Ostfriesland, an die vier Verlegerfamilien Soltau (heute Basse) in Norden, Dunkmann in Aurich, Gerhard in Emden und Ostendorp (heute Engelberg) in Rhauderfehn.[6]

Am 14. Juli 1954 verstarb Bock in Oldenburg. Der Verlag wurde von seiner Frau Margarethe Bock (* 1888; † 1972), mit der er zwei Töchter hatte, weitergeführt.[1] Zum 1. Januar 2026 wurde das Familienunternehmen von den Erben, den Familien Köser und von Bothmer, an die Madsack Mediengruppe verkauft.

Rezeption

Bock galt lange als nationalsozialistisch unbelastet. In der späteren Selbstdarstellung der NWZ wurde Bock als unbescholtener Demokrat charakterisiert. Sie schrieb ihm zudem zu, jüdischen Familien die Ausreise in die USA ermöglicht zu haben; Belege legte sie nicht vor und äußerte sich auf Anfrage der taz nicht dazu.[2]

Einzelnachweise

  1. a b Peter Haupt: Bock, Fritz. In: Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Isensee Verlag, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 75 f. (lb-oldenburg.de).
  2. a b c Aljoscha Hoepfner: Vergangenheit der Nordwest-Zeitung: Entnazifizierung verbockt. In: Die Tageszeitung: taz. 28. Dezember 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 28. Dezember 2025]).
  3. Lehrerpersonalakte Fritz Reinhard August Bock. Niedersächsisches Landesarchiv, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  4. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/3351349
  5. NWZ: Als die NWZ zum ersten Mal erschien
  6. Eigentlich ist die OZ viel älter als 70 Jahre