Friedrich Wilhelm zur Lippe (Prinz, 1890)

Friedrich Wilhelm Prinz zur Lippe (* 27. November 1890 in Berlin; † 24. Oktober 1938) war ein deutscher Volkskundler und Rassenforscher.

Leben

Friedrich Wilhelm Prinz zur Lippe war der Sohn von Rudolf Wolfgang Ludwig Ernst Leopold Prinz zur Lippe (* 27. April 1856 in Neudorf; † 11. Juni 1931 in Drogelwitz) und Karoline Luise Prinzessin von Ardeck (* 12. Dezember 1868 in Lagensbold; † 21. November 1959 in Wiesbaden), Tochter des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld (1831–1890) und der Maria von Hanau (1839–1917). Friedrich Wilhelm war dadurch ein Urenkel des letzten Kurfürsten von Hessen Friedrich Wilhelm I. (1802–1875).

Am Ersten Weltkrieg nahm Prinz Friedrich Wilhelm zunächst als Kompanieführer im Kurhessischen Jägerbataillon Nr. 11 teil und wurde mehrfach ausgezeichnet. Um der Gefangennahme zu entgehen, stellte er sich nach einem missglückten Sturmangriff tot und blieb einen Tag und eine Nacht lang unter den Leichen der Gefallenen auf dem Schlachtfeld liegen. Weil er bedingt durch den Kriegstod seines jüngeren Bruders Ernst[1] am 28. August 1914 der nunmehr einzige Stammhalter seiner adligen Familie war, wurde er als Frontoffizier abgelöst und in ein Rekrutendepot in der Etappe kommandiert. Schließlich wurde er als Hauptmann zum Großen Generalstab versetzt.[2]

In der Zwischenkriegszeit tat er sich als Kulturpolitiker, Staatswissenschaftler, Privatgelehrter und Fachschriftsteller hervor. Er unterstützte und finanzierte die Reisen des deutschen Psychologen und einflussreichen Theoretikers des Nationalsozialismus Ludwig Ferdinand Clauß (1872–1974). Zusammen mit ihm und Margarete Landé reiste er 1927[3] in den Nahen Osten.

Familie

Am 2. Juli 1932 heiratete Friedrich Wilhelm zur Lippe in Breslau Godela von Oven (* 17. Dezember 1906 in Glogau; † 2. November 1989 in Detmold). Das Paar hatte einen Sohn:

Schriften (Auswahl)

  • Vom Rassenstil zur Staatsgestalt. Rasse und Politik. Berlin-Neu-Finkenkrug 1928.
  • Angewandte Rassenseelenkunde. Leipzig 1931.
  • Rasse und Glaube. Stuttgart 1934.

Literatur

  • Hans-Christian Harten, Uwe Neirich, Matthias Schwerendt: Rassenhygiene als Erziehungsideologie des Dritten Reichs. Bio-bibliographisches Handbuch. Akademie Verlag GmbH, Berlin 2006, S. 498. (Digital).
  • Lionel Gossman: Brownshirt Princess. A Study of the “Nazi Conscience”, 2009, ISBN 978-1-906924-06-5, S. 67. (Digital).
  • Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Fischer Taschenbuch Verlag, 3. Auflage, Berlin 2010, ISBN 978-3-596-16365-6, S. 395 f.

Einzelnachweise

  1. Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 47 vom 25. September 1914 (Preußen 34), S. 467 (Feldartillerie-Regiment Nr. 10, Hannover. (…) 3. Batterie. Leutnant Ernst Prinz zur Lippe D. – Berlin – tot.).
  2. Georg Freiherr von Eppstein: Der Deutsche Kronprinz: Der Mensch / der Staatsmann / der Geschichtsschreiber. Max Koch Verlag, Leipzig 1926, S. 65.
  3. Uwe Wolfradt: Clauss, Ludwig Ferdinand. In: Ders. mit Elfriede Billmann-Mahecha und Armin Stock (Hrsg.): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945. Ein Personenlexikon, ergänzt um einen Text von Erich Stern. 2., aktualisierte Auflage. Springer, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-15039-6, S. 70.