Friedrich Reck (Mediziner)

August Emil Philipp Friedrich Reck (geboren am 17. März 1827 in Gandersheim; gestorben am 2. November 1878 in Braunschweig) war ein deutscher Gesundheitspolitiker, Mediziner und Stadtverordneter in Braunschweig.

Leben

Reck war ein Sohn des Justizamtmanns und späteren Justizrats Otto Friedrich Ernst Reck († 1832) in Gandersheim. Er verlor früh seine Eltern und wuchs gemeinsam mit einem älteren Bruder Carl Reck (geboren um 1824) und älteren Schwestern in Gandersheim und Wolfenbüttel auf. Von 1841 bis 1845 besuchte er dort die Prima des Gymnasiums und anschließend zur Einführung in die Naturwissenschaften ab Ostern 1845 das Collegium Carolinum in Braunschweig (Matrikelnummer: 3127, 14. April), wo er 1846 seine Maturitätsprüfung ablegte. Er begann zu Ostern 1847 ein Studium der Medizin in Göttingen und setzte es in Tübingen fort. Nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin im Jahr 1850 nahm er als freiwilliger Lazarettarzt am Schleswig-Holsteinischen Krieg teil, wo er in dem Lazarett, das im Schloss Gottorp eingerichtet worden war, unter der Leitung von Louis Stromeyer in dänischer Kriegsgefangenschaft tätig war. Reck kehrte Anfang 1851 nach Braunschweig zurück, um dort sein Staatsexamen abzulegen. Anschließend setzte er seine Studien in Prag, Wien und 1853 in Paris fort. Er ließ sich 1854 zunächst in Börßum als Arzt nieder und machte Beobachtungen dazu, welchen Einfluss die Bodenverhältnisse auf den Gesundheitszustand der Einwohner dort hatten.

Er übersiedelte 1855 nach Braunschweig, wo er am 18. März 1855 zum Herzoglichen Bataillonsarzt des 1. Bataillons des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 ernannt wurde. Am 27. Juli 1864 wurde er in den Rang eines Hauptmanns erhoben.[1] Er setzte sich dafür ein, die sanitären Verhältnisse in den militärischen Anstalten zu verbessern. Im Deutschen Krieg nahm er 1866 erneut an einem Feldzug teil. Um die Lage zu verbessern, führte Reck eingehende Literaturstudien durch, informierte sich über chemische, geologische, physikalische, topografische und soziale Verhältnisse. Er widmete sich seit seiner Verabschiedung vom Militärdienst am 8. Februar 1868 insbesondere der öffentlichen Gesundheitsförderung und -pflege in der Stadt Braunschweig. 1870 bis Ostern 1871 war er als Stabsarzt im Ersatz-Bataillon I Braunschweig (Landwehrregiment) im Deutsch-Französischen Krieg in Erfurt im Einsatz.

Reck war von 1872 bis 1878 Stadtverordneter und konnte so direkt auf die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in der Stadt und an den Schulen Einfluss nehmen.[2] Er war Teilnehmer bei allen hygienischen Versammlungen und wurde 1877 zum Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins für öffentliche Gesundheitspflege in Braunschweig. Zudem leitete er im dortigen naturwissenschaftlichen Verein die Sektion Physiologie und Hygiene. Durch seine zahlreichen Vorträge sowie mit Flugschriften und Zeitungsartikeln versuchte er, bei den Personen in seinem Umfeld das Interesse und das Verständnis für die Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege zu wecken. Sein Engagement führte zu sanitären Reformen im städtischen Unterrichtswesen und machte sich um seinen Wohnort sehr verdient. Er wurde gebeten, auch an der Technischen Hochschule Braunschweig im Wintersemester 1878/79 Vorlesungen zu halten, doch sein eigener Gesundheitszustand hatte sich so verschlechtert, dass er dazu nicht mehr in der Lage war. Reck starb an Parotitis suppurativa.[3]

Mitgliedschaften (Auswahl)

  • Männerturnverein Braunschweig
  • Ortsgesundheitsrat der Stadt Braunschweig
  • 1873: Naturwissenschaftlicher Verein Braunschweig
  • 1877: Mitgründer und Leiter des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, zudem Begründer der Zeitschrift Monatsblatt für öffentliche Gesundheitspflege ab 1878

Familie

Reck heiratete die Witwe Johanne Auguste Marie Wecke (geborene Tuwe; 27. Februar 1827 – 7. Februar 1905). Dadurch wurde er der Schwiegervater von Konrad Koch, der mit Margarethe, einer Tochter des Mediziners Johann Christian Friedrich Wecke (18. Oktober 1817 – 12. Dezember 1856) verheiratet war. Mit Koch erarbeitete er die ersten Regeln für den Fußball in Deutschland. Reck förderte die Einführung der Schul- und Winterspiele (Fußball) in Braunschweig. Er stellte die Gesundheitsregeln auf, die zu den Spielregeln gehörten.

Schriften (Auswahl)

  • Ueber die Häufigkeit der Schwindsucht und des Nervenfiebers in Braunschweig und einigen anderen Städten des Landes, nebst einigen Bemerkungen über die Nothwendigkeit der Einrichtung einer wirksamen öffentlichen Gesundheitspflege. In: Deutsche Reichs-Zeitung. Nr. 121, 1864.
  • Die Gesundheitsverhältnisse der Stadt Braunschweig in den Jahren 1864–1873 und die Verbreitung der Cholera daselbst in den Jahren 1850 und 1855. In: Braunschweigische Anzeigen. 1877.
  • Ueber die Aufgaben des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege im Herzogthum Braunschweig. In: Monatsblatt für öffentliche Gesundheitspflege. 1. Jahrgang, 1878, S. 2–8.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gustav Franz Achatius von Kortzfleisch, von Otto: Geschichte des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92. Band 3: Der deutsch-französische Krieg und die Friedenszeit seit 1871. Albert Limbach, Braunschweig 1903, S. 510 (leopard.tu-braunschweig.de).
  2. Guntram Osterland: Reck, August Emil Philipp Friedrich. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 478–479.
  3. Pagel: Reck, Friedrich R. In: Ernst Julius Gurlt, August Hirsch, Albrecht Ludwig Agathon Wernich: Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. Band 4: Lindsley–Revillon. Urban & Schwarzenberg, Wien / Leipzig 1886, S. 685 (Textarchiv – Internet Archive).