Friedrich Kratz
Carl Heinrich Friedrich Kratz (* 4. März 1828 in Hedersleben; † 1887[1] in Tilsit) war ein deutscher Militärarzt und Freimaurer.
Leben
Friedrich Kratz durchlief die Ausbildung zum Militärarzt und besuchte vom 1849 bis 1853 das Medicinisch-chirurgische Friedrich-Wilhelms-Institut in Berlin. Er wurde 1853 promoviert, wirkte als Unter- und Assistenzarzt und wurde 1860 zum Stabsarzt ernannt. Er war Teilnehmer am Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, nahm 1865 seinen Abschied und lebte als praktischer Arzt in Hedersleben und später dann in Quedlinburg. Im Jahr 1866 trat er wieder in die Armee ein und nahm am Deutschen Krieg von 1866 teil. Im Jahr 1868 wurde er zum Oberstabsarzt 2. Klasse befördert und nahm wenige Jahre später als Feldlazarett-Direktor des VII. Armee-Korps in Corny am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Im Jahr 1873 wurde er vom Westfälischen Feldartillerie-Regiment Nr. 7, Div.-Art. als Oberstabs- und Regimentsarzt zum Dragoner-Regiment „Prinz Albrecht von Preußen“ (Litthauisches) Nr. 1 nach Tilsit versetzt und 1878 zum Oberstabsarzt 1. Klasse ernannt.
Aus seiner Studie von 1872 über Recrutierung und Invalidisierung stammt der oft zitierte und diskutierte Satz:
„Das edelste und kostbarste Kriegsmaterial ist der individuelle Soldat.“[2]
Friedrich Kratz bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich 1876 am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[3] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Kratz. Oberstabs- und Regimentsarzt zu Tilsit wurde er auf Blatt 13, Abschnitt Tilsit, in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[4]
Kratz wurde als Freimaurer in die Loge „Irene“ in Tilsit aufgenommen und wirkte in der Nachfolge des Oberbürgermeisters von Tilsit Heinrich Kleffel bis zu seinem bereits kurze Zeit später erfolgten Tod als Meister vom Stuhl der Loge.[5]
Schriften
- Die Trichinenepidemie zu Hedersleben. Beitrag zur Pathologie und Therapie der Trichinenkrankheit. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1866 (MDZ)
- Recrutirung und Invalidisirung. Militärärztliche Studie. Ferdinand Enke, Erlangen 1872
- Resultate der während des letzten Feldzuges ausgeführten Gelenkresectionen. In: Deutsche Militairärztliche Zeitschrift, 1, 1872, S. 399 ff. (MDZ)
Ehrungen
- Königlicher Kronen-Orden (Preußen) III. Klasse (1885)[6][7]
- Roter Adlerorden IV. Klasse (1876)[8]
- Eisernes Kreuz am weißen Bande (1870)[9]
Literatur
- August Hirsch: Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. Sechster Band, Treiber–Zypen Nachträge und Ergänzungen, Urban & Schwarzenberg, Wien und Leipzig 1888, S. 887 (archive.org)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Breslauer ärztliche Zeitschrift, 20, 29. October 1887, S. 238 (google.de)
- ↑ Siehe dazu beipielsweise Heinz-Peter Schmiedebach: Medizinethik und «Rationalisierung» im Umfeld des Ersten Weltkriegs. In: Andreas Frewer und Josef N. Neumann: Medizingeschichte und Medizinethik: Kontroversen und Begründungsansätze 1900-1950. (= Kultur der Medizin 1), Frankfurt/New York: Campus 2001, ISBN 9783593368504, S. 57–84, hier S. 60
- ↑ Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT
- ↑ Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)
- ↑ F. G. De Nichichievich & Richard De Boehme: Annuaire mac̣onnique universel pour 1889-90, Aleksandrie 1889 (google.de)
- ↑ Allgemeine medizinische Zentral-Zeitung. 54, Berlin 1885, Sp. 96 (google.de)
- ↑ S. Guttmann (Hrsg.): Dr. Paul Börners Reichs Medicinal Kalender auf das Jahr 1887, Leipzig 1886, S. 75 (google.de)
- ↑ Deutsche Medicinische Wochenschrift, Erster und Zweiter Jahrgang, Berlin 1877, S. 48 (google.de)
- ↑ Königlich preußische Ordensliste 1877, Teil 3, S. 1178 Nr. 1829 (hathitrust.org)