Friedrich Gottlob Hoffmann

Friedrich Gottlob Hoffmann (* 27. Juli 1741 in Puschwitz (Belgern-Schildau); † 24. Januar 1806 in Leipzig) war ein deutscher Kunsttischler und Möbelhersteller des Klassizismus.

Leben

Friedrich Gottlob Hoffmann wurde 1741 als Sohn von Christian Gottlob und Johanna Sabina Hoffmann, geb. Höbald, auf dem Rittergut Puschwitz in der Nähe der damaligen nordsächsischen Kleinstadt Belgern geboren. Sein Vater diente als Lakai für die Familie des Landkammerrates Geißler von Dieskau, der das Rittergut besaß. Mit hoher Wahrscheinlichkeit absolvierte Hoffmann eine Ausbildung zum Tischler in Belgern.

Ab 1758 arbeitete Hoffmann für zehn Jahre als Geselle in einer Leipziger Tischlerei. Im Juli 1768 heiratete er die aus Kleinzschocher stammende Wollkämmertochter Maria Dorothea Sander (1736–1813). Noch im gleichen Jahr wurde er von der örtlichen Tischlerinnung wegen Schwarzarbeit angezeigt und schließlich zu einer kurzen Haftstrafe verurteilt, weil er ohne Meistertitel Möbel anfertigte. 1770 wurde Hoffmann Tischlermeister, legte den Bürgereid ab und wurde damit offiziell Einwohner Leipzigs. 1773 legte die Leipziger Tischlerinnung erneut gegen ihn Beschwerde ein, weil er u. a. andere Meister kopiert und bei ihnen Gesellen und Kunden abgeworben habe. Ab dieser Zeit fertigte er mit sieben bis acht Gesellen und zwei Lehrlingen die Möbel für den überregional bedeutenden Kunsthändler und Inneneinrichter Carl Christian Heinrich Rost an, der zum Förderer Hoffmanns wurde. 1786 erwarb er über einen Mittelsmann ein Haus im sächsischen Handelsknotenpunkt Eilenburg, errichtete dort eine Werkstatt und vergrößerte somit das Absatzgebiet seiner Möbel. Produziert wurden dort von Gesellen vor allem Kleinmöbel, die nach Berlin und in das östliche Europa (Russland, Polen und Kurland) verkauft wurden. Ebenfalls im Jahr 1786 Jahr erhielt Hoffmanns Förderer Carl Christian Heinrich Rost den Auftrag, das Schloss Crossen an der Weißen Elster im Louis-Seize-Stil einzurichten, für den Großteil des Mobiliars zeichnete sich Hoffmann mit seiner Werkstatt aus.

1787 erschien in der Beilage Intelligenzblatt des Journals des Luxus und der Moden die erste ausführliche Geschäftsanzeige mit 49 Möbeln mit Beschreibungen über fünf Seiten.[1] 1789 gab Hoffmann zur Leipziger Ostermesse den ersten deutschen illustrierten Versandkatalog für Möbel heraus.[2] Der in einer Auflage von 100 Exemplaren gedruckte Katalog enthielt neben den Beschreibungen auch 34 Kupferstiche der Möbel, gestochen von Friedrich Jakob Tromlitz (1767–1801).[3] 1792 betrug sein Umsatz in Sachsen 4.000, außerhalb des Kurfürstentums 12.000 Taler. Im Oktober 1795 gab er zur Leipziger Herbstmesse einen zweiten Warenkatalog mit gleicher Auflagenhöhe heraus, dort waren 36 Kupferstiche enthalten. Hier bediente sich Hoffmann nachweislich bei 17 Entwürfen an Vorlagen des englischen Kunsttischlers George Hepplewhite, dessen Möbelentwürfe posthum im The Cabinet-Maker and Upholsterer's Guide 1784 in deutscher Übersetzung erschien. Ein Jahr nach Erscheinen seines zweiten Kataloges wurde Hoffmann am 27. Mai 1796 zum Churfürstlich Sächsischen Hoftischler ernannt. Damit konnte er den Konflikten mit der Leipziger Tischlerinnung aus dem Weg gehen, da er nicht mehr zunftgebunden war. Auf dem Höhepunkt seiner Tätigkeit arbeiteten in seinen Werkstätten in Leipzig und Eilenburg 42 Meister und Gesellen für Hoffmann.

Hoffmann starb am 24. Januar 1806 in seiner Wohnung und Werkstatt am Alten Neumarkt neben dem Paulinum (heute Universitätsstraße). Mit seiner Ehefrau Maria Dorothea hatte er fünf gemeinsame Kinder: Friedrich Gottlieb (1769–1823, ebenfalls Tischlermeister), Christian Gottlob (* 1771), August Carl (* 1773), Emmanuel Wilhelm (* 1777) sowie Friderica Dorothea (* 1779). Zum Zeitpunkt seines Todes lebten noch drei seiner Kinder.[4]

Wirken und Rezeption

Trotz seiner Konflikte mit der Leipziger Tischlerinnung (neben den schon erwähnten kamen weitere hinzu, insgesamt sind 23 Gerichtsverhandlungen nachweisbar) genoss Hoffmann bei seiner Kundschaft ein hohes Ansehen. Zu seinen Kunden zählten neben Carl Christian Heinrich Rost adlige Persönlichkeiten wie Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Ernst II. Ludwig von Sachsen-Gotha-Altenburg oder Anna Amalia von Sachsen-Weimar. Um 1800 herum betrieb Hoffmann die größte und leistungsstärkste Möbelmanufaktur Sachsens. Bis zu dieser Zeit fertigte er seine teilweise multifunktionalen Möbel im Georgianischen Stil an, die letzten Lebensjahre lassen den Einfluss der Berliner Möbelkunst jener Zeit erkennen.

Hoffmanns Kataloge wurden seit 1978 mehrfach als Faksimile neu aufgelegt. 2014/2015 präsentierte das Grassi Museum für Angewandte Kunst unter dem Titel Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig eine große Sonderausstellung mit etwa 80 Möbeln aus der Werkstatt Hoffmanns.[5] Zugleich fand eine wissenschaftliche Tagung zum Thema statt, deren Ergebnisse zwei Jahre später in Buchform erschienen.[6]

Hoffmann gilt neben David Roentgen als einer der bedeutendsten Kunsttischler des Frühklassizismus in Deutschland.[7] Seine Möbel befinden sich in zahlreichen Museen wie im Weimarer Stadtschloss, im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, in den Kunstsammlungen Chemnitz, im Marmorpalais in Potsdam oder im Museum für Angewandte Kunst in Wien.

Möbel von Friedrich Gottlob Hoffmann werden regelmäßig hochpreisig auf dem Kunst- und Auktionsmarkt gehandelt, bei Christie's wurden beispielsweise ein einzelner Stuhl für 3.500 Britische Pfund (2016)[8] sowie zwei Schreibsekretäre für 60.000 Euro (2005)[9] bzw. 40.000 US-Dollar (2021)[10] versteigert.

Schriften

  • Abbildungen der vornehmsten Tischlerarbeiten, welche verfertiget werden und zu haben sind bey Friedrich Gottlob Hoffmann. Erstes Heft. Leipzig 1789, online (Reprint beim Prisma-Verlag, Gütersloh 1978: ISBN 978-3-570-05383-6).
  • Neues Verzeichnis und Muster-Charte des Meubles-Magazin. Leipzig 1795, online (Reprint beim Prisma-Verlag, Gütersloh 1982: ISBN 978-3-570-05034-7).

Literatur

  • Kornelia Krull: Friedrich Gottlob Hoffmann, a late eighteenth-century Leipzig cabinet-maker. In: Furniture history. The journal of the Furniture History Society 25 (1999), ISSN 0016-3058, S. 120–126.
  • Barbara Post: Friedrich Gottlob Hoffmann. ein Leipziger Möbelfabrikant in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In Weltkunst. Das Kunstmagazin der ZEIT 71 (2001), ISSN 0043-261X, S. 218–221.
  • Ulla Heise: Hoffmann, Friedrich Gottlob. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 74, De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-023179-3, S. 98.
  • Michael Sulzbacher, Peter Atzig: Friedrich Gottlob Hoffmann. [Anlässlich der Ausstellung Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig. F.G. Hoffmann – Hoftischler und Unternehmer, 29. November 2014 – 12. April 2015]. Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Sandstein, Dresden 2014, ISBN 978-3-95498-135-9.
  • Sabine Spindler: Friedrich Gottlob Hoffmann. In: Sammler-Journal. SJ. Kunst, Antiquitäten, Auktionen 44 (2015), Nr. 3, ISSN 0342-7684, S. 32–39.
  • Thomas Rudi (Red.): Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig. F.G. Hoffmann. Hoftischler und Unternehmer. Tagung anlässlich der Ausstellung. Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Mobile. Gesellschaft der Freunde von Möbel- und Raumkunst e.V. Sandstein, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-261-5.

Einzelnachweise

  1. Friedrich Gottlob Hoffmann: Verzeichniß von allen Sorten in antiquen und modernen Geschmack gearbeiteten Meublen, welche bey Friedrich Gottlob Hoffmann in Leipzig ... zu haben sind. Journal des Luxus und der Moden. Intelligenzblatt 2 (1787), Nr. 6, S. XLVI–L. In: journals@UrMEL. Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB), abgerufen am 19. November 2025.
  2. Eva Maria Hoyer: Friedrich Gottlob Hoffmann, Schreibschrank 1795. In: Ernst von Siemens Kunststiftung. Abgerufen am 19. November 2025.
  3. Tromlitz, Friedrich Jakob. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 33: Theodotos–Urlaub. E. A. Seemann, Leipzig 1939, S. 424 (biblos.pk.edu.pl).
  4. Peter Atzig: Friedrich Gottlob Hoffmann – ein streitbarer Unternehmer. In: Thomas Rudi (Red.) 2016, S. 42.
  5. Wunderwerke der Tischlerei: Grassi zeigt Arbeiten von F.G. Hoffmann. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, 25. November 2014, abgerufen am 21. November 2025.
  6. Tagung anlässlich der Ausstellung Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig, F.G. Hoffmann, Hoftischler und Unternehmer. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 21. November 2025.
  7. Eva Maria Hoyer: Vorwort. In: Michael Sulzbacher, Peter Atzig 2014, S. 7.
  8. A German simulated mahogany armchair. In: Christie’s. Abgerufen am 27. November 2025.
  9. A German gilt-brass mounted mahogany, padouk and olivewood secretaire. In: Christie's. Abgerufen am 27. November 2025.
  10. A German mahogany and tôle peinte inset secretaire a abbatant. In: Christie's. Abgerufen am 27. November 2025.