Friedrich Christian von Eben und Brunnen

Freiherr Friedrich Christian von Eben und Brunnen, später bekannter unter dem Namen Baron d’Eben (* März 1773 in Kreuzburg (Schlesien); † 1835 in Bogotá, Kolumbien), war ein preußischer, britischer, portugiesischer und kolumbianischer Offizier.

Leben

Friedrich Christian entstammte der Familie Eben von Brunnen. In den meisten Veröffentlichungen lautet sein Vorname Friedrich,[1][2][3][4] teilweise auch Friedrich Christian. Bei Walter Görlitz heißt er irrtümlich Christoph.[5] Von Walter Görlitz übernahm der Genealoge Oskar Pusch den Vornamen Christoph Adolph Friedrich.[6] Seine Eltern waren der preußische General Karl Adolf August von Eben und Brunnen (1734–1800) und dessen Ehefrau Sophie Luise von Möhring (1744–1800).[7]

Anfänge der militärischen Laufbahn in Preußen

1787 trat Friedrich Christian Freiherr von Eben und Brunnen als Fahnenjunker in die preußische Armee ein und diente zunächst in dem Leib-Husaren-Regiment „von Eben“ seines Vaters, des Husaren-Generals Karl Adolf August von Eben und Brunnen. Er nahm 1787 am preußischen Einmarsch in Holland und von 1792 bis 1795 an den Feldzügen des Ersten Koalitionskriegs gegen Frankreich teil. 1792 erfolgte seine Ernennung zum Premierleutnant. 1794 erhielt er mit 21 Jahren wegen vorzüglicher Tapferkeit den Orden Pour le Mérite.

In Großbritannien

Preußen schied durch den Frieden von Basel 1795 aus dem Ersten Koalitionskrieg aus und blieb im Zweiten Koalitionskrieg neutral – anders als das Königreich Großbritannien, das weiterhin gegen Frankreich kämpfte. Daraufhin nahm Freiherr von Eben und Brunnen 1799 seinen Abschied aus der preußischen Armee und ging 1800 nach London, um sich dem britischen Heer anzuschließen. 1801 wurde er Captain bei den Yorkshire Hussars.[8] Er zeichnete die Uniformen der verschiedenen Heeresgattungen, erarbeitete die Dienstinstruktionen für die leichte Reiterei und schuf auf Befehl des Prinzregenten eine Kompanie nach Art der ungarischen Husaren. Das von ihm entworfene Handbuch für die neue Bewaffnung der britischen Kavallerie wurde vom Oberbefehlshaber, dem Duke of York, bei der Armee eingeführt.

In seiner Londoner Zeit hatte Freiherr von Eben und Brunnen Kontakte und Freunde in den höchsten Kreisen der britischen Gesellschaft. Der Duke of Sussex, der Bruder des britischen Königs George IV., war mit ihm eng befreundet. Ebenfalls verband ihn eine lange und enge Freundschaft mit der Gräfin Wilhelmine von Lichtenau.

1806 erfolgte seine Ernennung zum Major in einem Jägerregiment. 1807 diente er bis zum Tilsiter Frieden als Freiwilliger in dem preußischen Truppenkorps unter General Gebhard Leberecht von Blücher.

Napoleonische Kriege auf der Iberischen Halbinsel

1808 folgte Baron d’Ebens Kriegseinsatz in Portugal, nach dem Einmarsch der Napoleonischen Armee in Portugal 1807. Er erhielt als Oberst das Kommando über die britisch-portugiesische Legion in Porto. Als Kommandant von Porto trug er aus eigenem Vermögen zur Bewaffnung gegen die Franzosen bei und zeichnete sich in dem Kriege gegen diese Nation sehr aus. Bei der Bevölkerung war er nach kurzer Zeit hochgeachtet und sehr beliebt. 1809 wurde er zum Gouverneur von Setúbal ernannt. Als 1809 Porto von dem französischen General Soult erobert und geplündert wurde, verlor Baron d’Eben sein gesamtes Vermögen.

1810 war Baron d’Eben der Befehlshaber der Loyal Lusitanian Legion in der Schlacht von Buçaco, Torres Vedras und bei der Verfolgung des französischen Generals Masséna. 1811 erfolgte die Ernennung zum britischen Lieutenant-Colonel[9] und zum portugiesischen Brigadegeneral. Er kommandierte eine Brigade in den Schlachten bei Fuentes de Oñoro, Almeida, Rodrigo und Badajoz. In der Schlacht an der Esla und bei der Blockade von Zamora 1812 befehligte er ein Corps. 1813 wurde er zum Gouverneur der Provinz Alto Trás-os-Montes ernannt.

Verbannung und Bemühen um die Rehabilitierung

1814 erfolgte seine Beförderung zum britischen Colonel und Ernennung zum Adjutanten des britischen Prinzregenten und späteren König George IV.[10] 1817 wurde er von Neidern angeschuldigt, sich an der Verschwörung des Generals Gomes Freire de Andrade beteiligt zu haben. Das Gericht stellte zwar in allen Punkten seine Unschuld fest, trotzdem erfolgte seine Verbannung aus Portugal und Großbritannien.[11] Die Freie Stadt Hamburg gewährte ihm Asyl. Von Hamburg aus hielt er vergeblich bei dem portugiesischen König um die Revision seines Prozesses an. Der König, der zu dieser Zeit in Brasilien lebte und in Portugal wenig Macht besaß, ließ ihm mitteilen, dass er von der Falschheit der Anklage und von seiner Unschuld völlig überzeugt sei. Doch das verhängte Urteil blieb bestehen. 1818 hielt der Duke of Sussex eine leidenschaftliche Rede vor dem britischen Parlament, in der er die haltlosen Anschuldigungen gegen Baron d’Eben anprangerte und seine Rehabilitierung forderte. Selbst dieser Einsatz des Duke of Sussex blieb ohne Erfolg.

Südamerikanische Unabhängigkeitskriege

1820 berief Simón Bolívar Baron d’Eben in sein Heer. Obwohl grundsätzlich verfügt worden war, keinen fremden (also nicht-kreolischen) Offizier mehr anzustellen, machte Simón Bolívar bei Baron d’Eben eine Ausnahme und stellte ihn als Brigadegeneral in seiner Armee ein. Während der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege gegen die Spanier leistete Baron d’Eben vielfache Dienste. Er organisierte Bolívars Heer. Bolívar übertrug ihm 1822 den Befehl über die Truppen, die nach der Schlacht am Pichincha in Quito einrückten.

Friedrich Christian Freiherr von Eben und Brunnen verstarb 1835 in Bogotá.

Familie

1808 heiratete Friedrich Christian Freiherr von Eben und Brunnen in Porto Elisabetha geborene Contessa d’Astigarraga (* 1792; † 26. Januar 1861), Tochter des portugiesischen Admirals Josè Conde d’Astigarraga und Maria Theresia geborene von Ritter. Sie bekamen die Kinder Friedrich (1817–1867), Friederika Josephiene (1818–1877) und Anna Elisabetha (1820–1897).

Seine Familie verarmte nach seinem Tode, kehrte nach Deutschland zurück und lebte viele Jahre in Bamberg. Aufgrund der großen Verdienste des Barons d’Eben wurde seine Familie vom britischen, preußischen und bayerischen Königshaus protegiert, wie aus der Bamberger Einbürgerungsakte hervorgeht.

Auszeichnungen und Ernennungen

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

  1. Georg Lotz: Friedrich, Baron von Eben. Eine biographische Skizze. In: Originalien aus dem Gebiete der Wahrheit, Kunst, Laune und Phantasie, Jg. 1819, Nr. 136, Sp. 1101–1104, und Nr. 137, Sp. 1109–1112 (Digitalisat).
  2. Wilhelm Stricker: Die Deutschen in Spanien und Portugal und den spanischen und portugiesischen Ländern von America. Ein Beitrag zur Geschichte der Deutschen außer Deutschland. Gustav Mayer, Leipzig 1850, S. 208 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
  3. Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1862.Justus Perthes, Gotha 1862, S. 164 (Digitalisat).
  4. Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände, Neue Folge, Band 1 (= Band 11 der 6. Auflage), Teilband 2: D – J. Brockhaus, Leipzig 1824, S. 163–165.
  5. Walter Görlitz: Die Junker. Adel und Bauer im deutschen Osten. Geschichtliche Bilanz von 7 Jahrhunderten. C. A. Starke, Limburg an der Lahn, 4., ergänzte und erweiterte Aufl. 1981, S. 164.
  6. Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Band 1 (= Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund, Reihe B, Band 33). Universität Dortmund, Dortmund 1986, S. 336 und S. 342, Fußnote 109 (online, abgerufen am 14. Januar 2026).
  7. Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Band 1. Universität Dortmund, Dortmund 1986, S. 335.
  8. London Gazette. Nr. 15369, HMSO, London, 26. Mai 1801, S. 591 (Digitalisat, englisch).
  9. London Gazette. Nr. 16462, HMSO, London, 9. März 1811, S. 459 (Digitalisat, englisch).
  10. London Gazette. Nr. 16906, HMSO, London, 7. Juni 1814, S. 1182 (Digitalisat, englisch).
  11. London Gazette. Nr. 17303, HMSO, London, 8. November 1817, S. 2269 (Digitalisat, englisch).