Friedrich Christian (Schaumburg-Lippe)
Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe (* 16. August 1655 in Bückeburg; † 13. Juni 1728 ebenda) war der Gründer des älteren Hauses Schaumburg-Lippe und regierender Graf der Grafschaft Schaumburg-Lippe.
Leben
Friedrich Christian war von 1681 bis zu seinem Tod 1728 Herrscher der Grafschaft Schaumburg-Lippe im Gebiet des heutigen Niedersachsen. Er war der Sohn des Grafen Philipp I. von Schaumburg-Lippe und seiner Frau Sophie von Hessen-Kassel.
Als Erstgeborener war er als Nachfolger seines Vaters bestimmt. 1669 schickte ihn sein Vater auf eine Bildungsreise nach den Niederlanden, wo er an der Universität Leyden ein Jahr studierte. Danach reiste er mit dem Hofmeister Johann Dankelmann in die Schweiz, nach Südfrankreich und nach Paris, wo er fünf Monate blieb. Erst am 21. September 1671 kehrte er nach Bückeburg zurück. Es folgten noch mehrere Reisen, die ihn an den Hof in Wien und nach Italien führten. Besonders fesselte ihn der Karneval in Venedig. 1675 kehrte er nach Bückeburg zurück, um an den Kriegsereignissen im Kampf gegen Schweden an der Seite des Großen Kurfürsten teilzunehmen. Es ist nicht geklärt, ob er an den Kampfhandlungen aktiv teilgenommen hat. Die Reiselust hat ihn nie verlassen und hat ihm große Probleme während seiner Regierungszeit bereitet.
Als sein Vater 1681 im Alter von achtzig Jahren starb, war er auf einer Reise in England und kehrte sofort nach Bückeburg zurück. In den ersten neun Regierungsjahren war der Graf siebeneinhalb Jahre außer Landes auf Reisen. Am 4. Januar 1690 heiratete er Johanna Sophie von Hohenlohe-Langenburg, eine hochintelligente, tatkräftige Frau. Die Ehe war sehr unglücklich, da Christian Friedrich gewalttätig war. Das ließ die Gräfin sich nicht gefallen, und die Eheprobleme entwickelten sich zu einem politischen Skandal, der den Kaiser und den Reichshofrat in Wien jahrelang beschäftigte. Die Gräfin bekam Recht und lebte getrennt mit dem gemeinsamen Kind Albrecht Wolfgang, geboren am 15. Mai 1699, im Schloss Stadthagen und später 1714 in London am Hofe des Königs Georg I. Der Sohn wurde am Hofe in Wolfenbüttel erzogen und folgte später nach London zu seiner Mutter. Friedrich Christian setzte seine Reisetätigkeit während seiner Regierungszeit fort, und das Land hatte kaum eine Regierung. Den Aufforderungen des Kaisers, zu regieren, kam er nicht nach und hielt sich bis zu seinem Tode überwiegend im Ausland auf. Enttäuscht über die Abwesenheit seiner Familie ließ er sich am 1. Mai 1723 von seiner Frau scheiden, die Scheidung war rechtlich ungültig. Am 3.,Dezember 1725 heiratete er die 19-jährige Maria Viktoria von Gall. Mit dieser Ehe wollte er einen Sohn als Nachfolger bekommen und seinen Sohn in London ausschalten. Am 16. Juni 1728 starb er ohne weitem Sohn, und Wolfgang Albrecht übernahm die Regierung.
Nachkommen
Am 4. Januar 1691 heiratete Friedrich Christian in Langenburg Johanna Sophie zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743), Tochter des Grafen Heinrich Friedrich zu Hohenlohe-Langenburg und dessen Frau Juliane Dorothea zu Castell-Remlingen. Die Ehe wurde 1723 geschieden.
- Friedrich August (1693–1694)
- Wilhelm Ludwig (*/† 1695)
- Sophie Charlotte (*/† 1697)
- Philipp (1697–1698)
- Albrecht Wolfgang (1699–1748), Graf zu Schaumburg-Lippe 1728–1748
- Friedrich Ludwig Karl (* 28. September 1702; † 28. September 1776), starb unverheiratet
In zweiter Ehe heiratete er am 3. Dezember 1725 in Brixen (Südtirol) Maria Anna Viktoria von Gall, Tochter des Barons Johann Michael von Gall und dessen Frau Maria Anna von Enzenburg.
Literatur
- Friedrich-Wilhelm Schaer: Graf Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe, Grimme-Verlag 1966.
- Viktor Koch: Friedrich Christian Graf zu Schaumburg-Lippe
in Mitteilungen des Vereins für schaumburg - lippische Geschichte 1943
Weblinks
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Philipp I. | Graf von Schaumburg-Lippe 1681–1728 | Albrecht Wolfgang |