Friedl Weiss

Johann Friedrich „Friedl“ Weiss (* 28. November 1946 in Wien; † 15. September 2025[1]) war ein österreichischer Jurist und Universitätsprofessor für Europarecht.

Leben

Er erwarb 1970 an der Universität Wien den Dr. iur., an der Université Libre de Bruxelles (1971–1972) die Licence speciale en Droit Européen und am Downing College den LL.M. (Cantab.) (1972–1974). Seine akademische Laufbahn begann Weiss als Lecturer an der University of Birmingham (1974–1978) und setzte sie an der London School of Economics (1978–1992) fort. Von 1992 bis 2006 war er Professor für Internationales Wirtschaftsrecht und Internationale Organisationen an der Universität von Amsterdam. Von 2006 bis zu seiner Emeritierung 2014 wirkte er als Professor für Europarecht am Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung der Universität Wien.[2]

Seine Forschungsschwerpunkte waren europäisches und internationales (Wirtschafts-)Recht, internationale Organisationen, einschließlich jener der internationalen wirtschaftspolitischen Steuerung und des Rechts der Europäischen Union und WTO-Recht und GATT.

Neben seiner Lehrtätigkeit war Weiss in verschiedenen internationalen Organisationen aktiv. Er arbeitete als Rechtsberater für das EFTA-Sekretariat (1984–1986) und als Consultant für die Rechtsabteilung des GATT-Sekretariats in Genf (1990–1991). Zudem war er Mitglied des WTO-Panels und engagierte sich in Projekten zur internationalen Rechtsentwicklung, unter anderem in Äthiopien.

Weiss war auch als Gastprofessor an zahlreichen Universitäten weltweit tätig, darunter die Universitäten Bocconi in Mailand, Minnesota, Tulane, Paris II (Panthéon-Assas), Leuven, Wuhan und das Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf. Von 2001 bis 2003 war Weiss Direktor der Juristischen Fakultät der Universität Amsterdam.

Weiss war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften, darunter der Österreichischen Gesellschaft für Europarecht (ÖGER), der European Society of International Law (ESIL) und der International Law Association (ILA). Er war zudem in verschiedenen Editorial Boards tätig, etwa für das Netherlands Yearbook of International Law und die Austrian Review of International and European Law.[3][4]

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Public Procurement in European Community Law. London 1993, ISBN 0-485-70002-6.
  • mit Waldemar Hummer: Vom GATT ’47 zur WTO ’94. Dokumente zur alten und zur neuen Welthandelsordnung. Baden-Baden 1997, ISBN 3-7890-4817-8.
  • mit Paul de Waart und Eric Denters: International Economic Law with a Human Face. Kluwer Law International, 1998, ISBN 978-90-41-11001-5.
  • mit Frank Wooldridge: Free movement of persons within the European Community. Den Haag 2007, ISBN 978-90-411-2545-3.
  • mit Clemens Kaupa: European Union internal market law. Cambridge 2014, ISBN 978-1-107-63600-2.
  • mit Gerhard Hafner und Andreas J. Kumin (Hrsg.): Recht der Europäischen Union. Wien 2019, ISBN 3-214-12142-1.

Einzelnachweise

  1. Nachruf Friedl Weiss (1946–2025). In: Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung. Universität Wien, archiviert vom Original am 30. September 2025; abgerufen am 30. September 2025.
  2. emer. Univ.-Prof. Dr. Friedl Weiss (Cambridge) †. In: Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung. Universität Wien, abgerufen am 28. Mai 2025.
  3. Organization. Austrian Societey for European Law - ÖGER, FIDE Austria, abgerufen am 28. Mai 2025 (englisch).
  4. Lebenslauf. In: Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung. Universität Wien, abgerufen am 28. Mai 2025.