Friedhofskapelle (Schlüchtern)

Die Friedhofskapelle ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude auf dem Stadtfriedhof in Schlüchtern, einer Kleinstadt im Main-Kinzig-Kreis (Hessen).

Geschichte

Die Kapelle wurde im Jahr 1891 errichtet. 1980 erfolgte eine Renovierung.[1] Im Zuge der kommunalen Übernahme der kirchlichen Friedhöfe 2020 ging die bis dahin der Evangelischen Kirchengemeinde Schlüchtern gehörende Kapelle in das Eigentum der Stadt Schlüchtern über.[2]

Architektur

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen kleinen, dreiachsigen Saalbau ohne Turm. Über dem Eingang befindet sich eine gruppierte Bogenfensteranlage, darüber die Jahreszahl 1891, gefasst von einem vorgelegten Bogengesims auf Konsolen. Im Staffelgiebel sitzt ein Oculus. An den Längsseiten befinden sich jeweils drei eingeschossige Fenster mit zweibahniger, gotisierender Rauten-Bleiverglasung.

Das Mauerwerk ist hammerrecht geschichtet und weist einen groben Saumschlag auf. Die Wandflächen werden durch Ecklisenen sowie durch hervortretende Mauerwerkslagen unter der Traufe gerahmt. Der Bau repräsentiert ein Beispiel für die „Wiederentdeckung“ des Klassizismus als Stil der Grab- und Friedhofskultur im späten 19. Jahrhundert.[1]

Innenraum

Der Innenraum der Kapelle ist klar gegliedert. Links und rechts stehen grün gestrichene Holzbänke. Die Wände sind in einem warmen Cremeweiß gehalten, während die Fenster hellweiß umrahmt sind und dadurch zusätzlich Helligkeit in den Raum bringen.

Vorne rechts befindet sich die Orgel, gegenüber auf der linken Seite ein schlichtes Lesepult. In der Mitte des Chorraums liegt der Aufbahrungsort für Särge, über dem ein großes Holzkreuz an der Wand befestigt ist. Die Decke ist in einzelne Felder gegliedert, die durch braune Linien strukturiert werden.

Orgel

In der Kapelle befindet sich eine kleine Orgel, die 1975 von Willi Peter (Köln) erbaut wurde. Das mechanische Instrument umfasst fünf Register auf zwei Manualen und Pedal. Das Manualwerk befindet sich in einem Schwellkasten mit Jalousien aus Acrylglas. Der Organist sitzt zwischen dem Manual- und dem Pedalwerk.[3]

1997 wurde das Instrument gereinigt und repariert. Im Zuge dieser Arbeiten wurden zudem die Register Pommer 8′ (zunächst im I. Manual) und Gedeckt 8′ (II. Manual) miteinander vertauscht.

I Hauptwerk C–g3
Gedeckt 8′
Octav 2′
II Seitenwerk C–g3
Pommer 8′
Rohrflöte 4′
Pedal C–f1
Subbaß 16′
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Einzelnachweise

  1. a b Armin Wiegand: Mehr als "schlicht"! Klassizismus und Rundbogenstil am Beispiel der Kirchen in Kurhessen und Waldeck (= Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Nr. 29). Theiss, Darmstadt 2017, ISBN 978-3-8062-3652-1, S. 255.
  2. Wayback Machine. Archiviert vom Original am 6. März 2005; abgerufen am 28. November 2025.
  3. Gottfried Rehm: Die Orgeln des ehemaligen Kreises Schlüchtern. In: Uwe Pape (Hrsg.): Norddeutsche Orgeln. Band 10, Nr. 10. U. Pape, Berlin 1975, ISBN 978-3-921140-14-7, S. 169.

Koordinaten: 50° 21′ 20″ N, 9° 31′ 34,8″ O