Friedhof in Wilanów
Der Friedhof in Wilanów (polnisch: Cmentarz Wilanowski) ist ein römisch-katholischer Bestattungsplatz im Warschauer Stadtbezirk Wilanów. Seit seiner Anlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde er mehrfach vergrößert und hat heute eine Größe von 2,8 Hektar. Seit 1973 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.
Lage
Der Friedhof liegt an der Kreuzung der Ulica Wiertnicza (in Verlängerung Ulica Przyczółkowa) und der Aleja Wilanowska im Bezirksgebiet Wilanów Królewski (gem. dem Warschauer Stadtinformationssystem). Der Friedhof gehört zur 250 Meter entfernt gelegenen katholischen Annakirche. Das Schloss Wilanów liegt rund 400 Meter entfernt, gegenüber der Aleja Wilanowska befindet sich das Neubaugebiet Miasteczko Wilanów.
Geschichte
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts musste ein ursprünglich direkt an der Annakirche liegender Friedhof wegen Überfüllung geschlossen werden. Auf die Initiative von Aleksandra Potocka, geborene Lubomirska (1760–1831) und Besitzerin der Herrschaft Wilanów wurde 1816 ein neuer Begräbnisplatz angelegt. Er wurde mit der Kirche durch eine Linden-Allee verbunden.[1]
Der Friedhof lag ursprünglich inmitten der umliegenden Felder. Die Anlage wurde kreisförmig angelegt und von einem Holzzaun umgeben. In der Mitte wurde eine Holzkapelle errichtet, und von dieser Kapelle aus wurden strahlenförmig Wege angelegt. Die Anlage der umliegenden Gräber entsprach der gesellschaftlichen Stellung der Bestatteten – der an die Kapelle angrenzende Ring stand dem polnischen Adel und ihren Familien zu, Bauern aus den umliegenden Dörfern lagen am weitesten entfernt.
Nach dem Tod von Stanisław Kostka Potocki, dem Ehemann der Friedhofsstifterin, ließ die anstelle der Holzkapelle ein neugotisches Familienmausoleum in Form eines griechischen Kreuzes errichten – nun Mittelpunkt der Anlage, auf den die Wege zuliefen.[1] Das Gebäude entwarf Chrystian Piotr Aigner. Im Inneren befinden sich Gemälde von G. Braendel und Tytus Byczkowski. Das Mausoleum war 1826 fertiggestellt, der Eingang trägt die Inschrift „Aleksandra, geb. Lubomirska, Stanisława Potocka, ihrem verstorbenen Mann, sich selbst und den Ihren.“[2]
Als Stanisław Kostka Potocki 1821 starb, wurde er zunächst in der Krypta unter der Annakirche begraben. Nach Fertigstellung des Mausoleums wurden die sterblichen Überreste Potockis und seines bereits 1809 verstorbenen Bruders Ignacy Potocki auf den Friedhof überführt. Nachdem in Folge die Annakirche 1857 um eine Kapelle erweitert worden war, wurden 1867 die Sarkophage der beiden Brüder wieder in die Kirche überführt und in der Kapelle der Heiligen Jungfrau aufgestellt. Potocka selbst ist ebenfalls nicht auf dem Friedhof bestattet. Ein symbolisches Grab wurde für das Ehepaar Potocki in Form eines Denkmals (das Potocki-Mausoleum vor dem Wilanówer Schloss) errichtet.
1860 erweiterte Henryk Marconi den Friedhof und gab ihm ebenfalls die Form eines griechischen Kreuzes. Er errichtete auch das Backsteintor und eine Mauer aus halbrunden Keramiksteinen. Eine weitere Änderung des Friedhofsgeländes fand in den Jahren 1877 bis 1878 statt; er erhielt eine quadratische Form mit abgerundeten Ecken. Später erfolgte eine zusätzliche Vergrößerung nach Norden.
Grabstätten
Auf dem Friedhof werden die Pfarrer der Anna-Pfarrgemeinde begraben. Außerdem liegen hier 74 Soldaten des 2. Batalion Obrońców Warszawy, die während der Schlacht um Warschau am 17. September 1939 in Wilanów und Piaseczno im Kampf gegen deutsche Einheiten gefallen waren.[3] Auch 186 bei den Kampfhandlungen des Warschauer Aufstandes gefallene Angehörige der Polnischen Heimatarmee wurden auf dem Friedhof bestattet. Die Kämpfer gehörten dem Bataillon „Zośka“, den Kampfgruppen „Oaza“, „Baszta“ und „Granat“ sowie den Kompanien „Gustaw“, „Krawiec“ und „Legun“, wie auch weiteren Einheiten der Heimatarmee an. Den Gefallenen wurde 1998 ein Denkmal errichtet – mit der Inschrift: „Denen, die im heldenhaften Kampf gegen die Nazi-Invasoren 1939 und im Warschauer Aufstand 1944 für ihre Heimat fielen.“[4]
Weitere bestattete Persönlichkeiten:
- Przemysław Gintrowski (1951–2012) – Komponist und Musiker
- Ludmiła Marjańska (1923–2005) – Dichterin
- Roman Padlewski (1915–1944) – Komponist und Musiker
- Janusz Radziwiłł (1880–1967) – Politiker
- Jerzy Szmajdziński (1952–2010) – Politiker
- Mariusz Walter (1937–2022) – Unternehmer
- Jan Wejchert (1950–2009) – Unternehmer
- Roman Wilhelmi (1936–1991) – Schauspieler
- Rajmund Ziemski (1930–2005) – Maler
Einzelnachweise
- ↑ a b Wilanowski Park Kulturowy - cmentarz wilanowski, um. warszawa.pl (Stadtverwaltung Warschau), 26. Januar 2021 (in Polnisch, abgerufen am 27. September 2025)
- ↑ im Original: Aleksandra z książąt Lubomirskich Stanisława Potocka Nieodżałowanemu Mężowi, sobie i Swoim
- ↑ Piotr Celej, Ten cmentarz to wyjątkowe miejsce ..., Passa - Tygodnik Sąsiadów (Imako), 1. November 2023 (polnisch, abgerufen am 28. September 2025)
- ↑ im Original: Poległym za Ojczyznę w bohaterskich zmaganiach z najeźdźcą w roku 1939 oraz w Powstaniu Warszawskim 1944
Weblinks
- Website der Pfarrgemeinde (polnisch)
- Cmentarz Wilanowski, Atlas Warszawy, iwaw.pl (polnisch)
Koordinaten: 52° 10′ 2″ N, 21° 4′ 57″ O