Friedhof in Kamionek

Der Friedhof in Kamionek ist ein historischer, aufgelassener Begräbnisplatz im Warschauer Stadtviertel Kamionek des Stadtbezirks Praga-Południe. Er liegt neben der Konkathedrale Maria vom Siege an der Ulica Grochowska (365) und ist – auch wenn auch nur in Teilen – der älteste noch existierende Friedhof der Stadt.[1]

Geschichte

Der Friedhof wurde zur Wende des 13. und 14. Jahrhunderts an einer heute nicht mehr bestehenden Kirche im damaligen Dorf Kamion angelegt. Damals lag er außerhalb der Stadtgrenzen; es wurden Dorfbewohner und später auch Verstorbene aus Praga bestattet.[2] Außerdem wurden hier die Gefallenen mehrerer kriegerischer Auseinandersetzungen beerdigt. Dazu gehörten Soldaten der 1656 stattgefundenen Schlacht bei Warschau gegen die Schweden, Gefallene des Kościuszko-Aufstands von 1794 unter Führung der hier ebenfalls bestatteten Generale Jakub Jasiński und Tadeusz Korsak, Soldaten des Novemberaufstands von 1831, die in der Schlacht bei Grochów gefallen waren, sowie später auch Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs.[3] Der Friedhof hatte eine Fläche von über einem Hektar und war damit der größte Friedhof auf der ostwärtigen Weichselseite.[1]

1775 brannte die hölzerne Kirche ab, nur der getrennt stehende hölzerne Glockenturm blieb erhalten. Der Friedhof wurde bis 1887 genutzt, dann wurde er zu klein und auch aus hygienischen Gründen mussten Verstorbene der Gemeinde fortan auf dem neuen Friedhof in Bródno bestattet werden. Ausgenommen von der Schließung waren die Besitzer ausgemauerter Grüfte, die in diesen ihre Angehörigen weitere 20 Jahre bestatten durften. Kurz vor der Friedhofsschließung wurden 1886 bei einer Zählung 47 Familiengräber, 95 eingezäunte Grabstätten, 68 freistehende Grabsteine und 38 Denkmäler festgehalten.[2] Nach der Schließung verfiel die Anlage langsam, Grabsteine wurden teilweise von russischen Besatzern auch mutwillig zerstört.[2] Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1916 umfasste noch 145 Grabsteine.[1]

Aufgrund der symbolischen Bedeutung des Friedhofs wurde 1921 beschlossen, an seiner Stelle eine Konkathedrale zu errichten.[4] Beim Bau dieses Gebäudes wurden erhaltene Grabsteine an die Friedhofsmauer verlegt, wo sie bis in die 1970er Jahre verblieben, bevor sie teilweise restauriert auf dem Gelände des ehemaligen Friedhof aufgestellt wurden. Sie befinden sich nicht an ihren ursprünglichen Standplätzen.

Am 23. Juni 1979 wurde der Friedhof zusammen mit dem hölzernen Glockenturm in das Register der historischen Denkmäler aufgenommen.[5] Am 8. Dezember 1981 wurde auf dem Platz vor der Kirche ein Obelisk zum Gedenken an den ehemaligen Friedhof enthüllt. Am 9. April 1995 wurde an der Stelle des ehemaligen Friedhofs ein symbolisches Denkmal für das Massaker von Katyn errichtet.

Heute umgeben Reste des Friedhofs die Kirche. Etwa fünfzig Grabsteine aus der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Sandstein sind erhalten.[3] Das älteste erhaltene Grabmal stammt aus dem Jahr 1827. Der Friedhof nimmt nur einen kleinen Teil der einstigen Anlage ein,[1] dennoch gilt er als einziger mittelalterlicher Friedhof, der bis heute in Warschau erhalten ist. Er ähnelt eher eine baumbestandenen Parkanlage als einem Friedhof.

Einzelnachweise

  1. a b c d Piotr Wróblewski, Tak wygląda najstarszy cmentarz w Warszawie. Chowano tu zmarłych w Potopie Szwedzkim, Warszawa Naszemiasto, 1. November 2024 (polnisch, abgerufen am 8. Oktober 2025)
  2. a b c Krzysztof Gutowski, Cmentarz Kamionkowski, Mieszkaniec.pl, 8. Dezember 2022 (polnisch, abgerufen am 8. Oktober 2025)
  3. a b Cmentarz Kamionkowski, twoja-praga.pl (polnisch, abgerufen am 8. Oktober 2025)
  4. Maciej Adam Markowski, Cmentarz Kamionkowski, Cmentarz parafialny w Kamionie, kimonibyli.pl (polnisch, abgerufen am 12. Oktober 2025)
  5. d. Cmentarz Kamionkowski, Eintrag ins Denkmalschutzregister (polnisch, abgerufen am 12. Oktober 2025)
Commons: Friedhof in Kamionek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 14′ 49″ N, 21° 3′ 11″ O