Friederike Happach

Friederike Happach (* 12. Juli 1924 in Torgau; † 2020) war eine deutsche Textilkünstlerin und Textilrestauratorin.

Leben und Werk

Friederike Happach studierte ab 1948 am Institut für künstlerische Formgestaltung der späteren Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein in der Fachrichtung Buchgrafik bei Herbert Post und wechselte dann in das Fach Hochweberei zu Annemarie Heuer-Stauß. Nach dem Studienabschluss arbeitete sie ab 1950 in Halle/Saale freischaffend als Textilkünstlerin. Im Selbststudium eignete sie sich die Kenntnisse und Fähigkeiten zur Restaurierung von Textilien an. Einen eigenen Ausbildungsgang gab es dafür damals noch nicht.

Sie kam in Kontakt mit dem Amt des Landeskonservators von Sachsen-Anhalt, der späteren Arbeitsstelle Halle des Instituts für Denkmalschutz in der DDR. Dort vermittelte ihr der Kunsthistoriker Fritz Bellmann (1911–1993) u. a. Aufträge im kirchlichen Raum. Ihr erster Auftrag betraf Sicherungsarbeiten an Textilien im Schlossmuseum Weimar. 1953 bearbeite sie ihr erstes Objekt im Halberstädter Dom, woraus eine Lebensaufgabe entstand. Die kostbaren mittelalterlichen Textilien des Domschatzes Halberstadt waren, wie der übrige Domschatz, während des Zweiten Weltkriegs unter teils ungünstigen Bedingungen ausgelagert worden und erforderten eine fachkundige Durchsicht, Pflege und Bearbeitung. Ab 1968 hatte Ulrike Happach dazu einen Vertrag mit dem Institut für Denkmalpflege. Diese Aufgabe erfüllte sie bis 1996. Dabei musste sie in der ersten Zeit unter teilweise schwierigen räumlichen und materiellen Bedingungen arbeiten. U. a. leitete sie 1992/93 die umfangreichen Konservierungsarbeiten und Untersuchungen der Quedlinburger Knüpffragmente.

Friederike Happach gehörte in der DDR zu den Ersten, die sich der systematischen Restaurierung historischer Textilien im Bereich der Denkmalpflege widmete. Sie publizierte dazu eine bedeutende Zahl von Fachaufsätzen.[1]

Neben dieser Tätigkeit schuf sie textilkünstlerische Arbeiten wie figürliche Tüllstickereien und Applikationen und Entwürfe für Gobelins, u. a. für kirchliche Zwecke und für repräsentative staatliche Objekte wie den Palast der Republik und die 1977 zur Konzerthalle Georg Philipp Telemann umgestaltete Liebfrauenkirche Magdeburg.

1969 publizierte der Postreiter-Verlag das Papp-Bilderbuch Äffchen Polle, das Friederike Happach gemeinsam mit Hans J. Hetsch geschrieben und illustriert hatte.

Von 1965 bis 1967 hatte Friederike Happach an der Burg einen Lehrauftrag für Stickerei und Applikation in der Fachrichtung Textil, und ab 1978 war sie am Museum für Deutsche Geschichte Lehrbeauftragte im Fachschul-Fernstudienlehrgang für Textilrestauratoren.

Sie war von 1954 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR, in dem sie sich in der Fachgruppe Textilrestauratoren u. a. für die Erarbeitung fachlicher Standards engagierte. Nach der deutschen Wiedervereinigung gehörte sie dem Verband der Restauratoren e.V. an.

Friederike Happach war mit dem Buchgestalter Hans Happach (1917–1966) verheiratet.

Ehrungen

  • 1981: Orden Banner der Arbeit (im Kollektiv)
  • 2009: Ehrenmitgliedschaft des Verbands der Restauratoren

Werkbeispiele

Textile Werke

  • Polytechnische und musischen Erziehung (Bühnenvorhang für eine Schule, Applikation mit Stickerei, 300 × 560 cm)[2]
  • Tiere (1971, Applikation, 230 × 150 cm; auf der VII. Kunstausstellung der DDR)
  • Blauer Garten (1974, Wandbehang, appliziert, gestickt; Kunstgewerbemuseum Dresden)[3]
  • Aus dem bäuerlichen Leben (1975; Gobelin, Entwurf, gewebt mit Anna-Monika Tzschichhold; Regionalmuseum Bad Frankenhausen)[4]
  • Stillleben im Herbstwald (Gobelin, 195 × 95 cm, damals im Lindenrestaurant des Palasts der Republik)[5]
  • Früchtestilleben im Herbst (Gobelin, 1,97 × 0,98 m; damals im Lindenrestaurant des Palasts der Republik)[5]
  • Lebensrad (um 1977, Gobelin; Auftragsarbeit für die Konzerthalle Georg Philipp Telemann)

Fachpublikationen

  • Zur Restaurierung und Pflege mittelalterlicher Textilien. In: Hans-Joachim Krause (Hrsg.): Denkmale in Sachsen-Anhalt. Ihre Erhaltung und Pflege in den Bezirken Halle und Magdeburg. Böhlau-Verlag, Weimar, 1983
  • Altrestaurierungen an Beispielen mittelalterlicher Textilien aus dem Halberstädter Domschatz. In: Arbeitsblätter für Restauratoren, 30(1997), Heft 1, Gruppe 10, Textil, S. 234–237

Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR

  • 1957: Halle/Saale, Staatliche Galerie Moritzburg (Weihnachts-Kunstausstellung des Verbands Bildender Künstler)
  • 1962 bis 1983: Dresden, Fünfte Deutsche Kunstausstellung bis IX. Kunstausstellung der DDR
  • 1967 und 1970: Leipzig. Museum des Kunsthandwerks, Grassimuse-um („Kunsthandwerk im Grassimuseum“)
  • 1969, 1974 und 1979: Halle/Saale, Bezirkskunstausstellungen

Literatur

  • Hannelore Sachs: Künstler–Restaurator. Vier Textilgestalterinnen der DDR. In: Bildende Kunst, Berlin, 3/1980, S. 135–138.
  • Der Paramentenschatz im Halberstädter Dom. Bedeutung und Aspekte der Erhaltung in Vergangenheit und Zukunft. Friederike Happach zum 80. Geburtstag gewidmet. In: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt. 1/2004, S. 60–70.
  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 314.
  • Barbara Pregla: Zum Tode von Friederike Happach. In: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt, 2010, S. 78–79.

Einzelnachweise

  1. Deutsche Inschriften Online: Literatur. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  2. Abbildung in: Walter Funkat: Kunsthandwerk in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1970, S. 282
  3. Regine; Happach Richter: Wandbehang "Blauer Garten". 1974, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  4. Onlinelesen - Sonstiges. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  5. a b Neue Seite 1. Abgerufen am 24. Oktober 2025.