Friedemann Pestel
Friedemann Pestel (* 1983) ist ein deutscher Historiker. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau.
Leben
Pestel studierte von 2004 bis 2009 Geschichte, Romanistik (Französisch und Italienisch) sowie Erziehungswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der École normale supérieure in Paris und schloss sein Studium im Jahr 2009 mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab.[1] Anschließend begann er, am Lehrstuhl für die Geschichte des romanischen Westeuropas in Freiburg im Breisgau zu arbeiten, wo er 2013 bei Jörn Leonhard mit einer Dissertation mit dem Titel „Kosmopoliten wider Willen. Die ‚Monarchiens‘ als Revolutionsemigranten“ promoviert wurde.[2]
Lehr- und Forschungsaufenthalte führten Pestel unter anderem an die Universität Wien, die Université Bordeaux Montaigne und die University of California in Berkeley. In Vertretung der Professur für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts war er außerdem an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen tätig.[3]
Werk
Friedemann Pestels Werk befasst sich mit der europäischen und atlantischen Geschichte vom 18. bis 21. Jahrhundert im Kontext globaler Verflechtungen. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Zeitalter der Revolutionen (ca. 1770–1850), politische Migration, Exil und Opposition, transnationale und verflochtene Geschichte Europas, die Geschichte des Musiklebens im 19. und 20. Jahrhundert (Mobilität, Institutionen, Kulturpolitik) sowie Erinnerungskultur und Geschichtspolitik.[4]
Seine Dissertation mit dem Titel „Kosmopoliten wider Willen. Die ‚Monarchiens‘ als Revolutionsemigranten“ ist eine Untersuchung der französischen Monarchisten nach 1789 als Beispiel politischer Emigration. Damit leistete er einen Beitrag zur Erforschung von Gegenrevolution, Migration und europäischer Vernetzung.[5]
Er habilitierte sich im Jahr 2022 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Venia Legendi wurde ihm im Fach Neuere und Neueste Geschichte verliehen.[6] Der Titel seiner Habilitationsschrift lautet: „Global Players: Orchestertourneen und internationaler Musikbetrieb im 20. Jahrhundert“. Sie umfasst den Zeitraum von etwa 1880 bis 1990 und behandelt Tourneen deutscher und österreichischer Orchester in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Dabei wurden politische, ökonomische, künstlerische und mediale Faktoren der musikalischen Internationalisierung analysiert.[7]
Publikationen (Auswahl)
Monografien
- Global Players: Orchestertourneen und internationaler Musikbetrieb 1880‒2000, Habilitationsschrift, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 2022 (erscheint in den Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte des Instituts für Zeitgeschichte München‒Berlin).
- Shades of Blue: Claiming Europe in the Age of Disintegration, mit Gregor Feindt, Félix Krawatzek und Rieke Trimçev, Ithaca, NY 2025.
- Kosmopoliten wider Willen. Die "monarchiens" als Revolutionsemigranten (Pariser Historische Studien 104), Berlin/Boston 2015.
- Weimar als Exil. Erfahrungsräume französischer Revolutionsemigranten 1792–1803 (Transfer. Deutsch-Französische Kulturbibliothek 28), Leipzig 2009.
Herausgeberschaften
- Infrastructures of Musical Globalization, c. 1850‒2000, Themenheft New Global Studies 19/2 (2025), mit Martin Rempe.
- Cosmopolitan Conservatisms: Countering Revolution in Transnational Networks, Ideas and Movements (c. 1700‒1930) (Studies in the History of Political Thought 16), Leiden 2021, mit Matthijs Lok und Juliette Reboul.
- European Memory: Universalising the Past?, Themenheft European Review of History 24/4 (2017), mit Gregor Feindt, Félix Krawatzek und Rieke Trimçev.
- The Post-Revolutionary Experience of 1814/15, Themenheft Journal of Modern European History 15/2 (2017), mit Fabian Rausch.
- Europäische Erinnerung als verflochtene Erinnerung. Vielstimmige und vielschichtige Vergangenheitsdeutungen jenseits der Nation (Formen der Erinnerung 55), mit Gregor Feindt, Félix Krawatzek, Daniela Mehler und Rieke Trimçev, Göttingen 2014.
Einzelnachweise
- ↑ PD Dr. Friedemann Pestel. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ PD Dr. Friedemann Pestel — Professur für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ PD Dr. Friedemann Pestel — Professur für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Friedemann Pestel | Institute of European Studies. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Thomas Höpel: Friedemann Pestel, Kosmopoliten wider Willen. Die „monarchiens“ als Revolutionsemigranten. (Pariser Historische Studien, Bd. 104.) Berlin/Boston, De Gruyter Oldenbourg 2015. In: Historische Zeitschrift. Band 306, Nr. 1, ISSN 2196-680X, S. 225–227, doi:10.1515/hzhz-2018-1048 (degruyterbrill.com [abgerufen am 16. Oktober 2025]).
- ↑ PD Dr. Friedemann Pestel — Professur für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ PD Dr. Friedemann Pestel — Professur für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas. Abgerufen am 16. Oktober 2025.