Frederik Julius Kaas
Frederik Julius Kaas (* 24. August 1758 in Kopenhagen, Dänemark; † 11. Januar 1827 ebenda) war ein dänischer Verwaltungsjurist und Hofbeamter. Von 1813 bis 1818 amtierte er als dänischer Staatsminister (dänisch: Statsminister).
Biographie
Herkunft
Frederik Julius Kaas wurde als Sohn von Admiral Frederik Christian Kaas (1725–1803) und Susanna Jacoba Fabritius (1741–62) in Kopenhagen geboren. 1770 wurde er Page am Hof der Königinwitwe Juliane Marie und vier Jahre später zum Leutnant à la suite im Ingenieurkorps ernannt, im darauffolgenden Jahr zum Leutnant.
In der Folge strebte Kaas allerdings eine juristische Karriere an und studierte zunächst in Kiel, später in Kopenhagen, Rechtswissenschaft. Er blieb aber auch weiter in militärischen Diensten tätig, etwa von 1780 bis 1782, als er den Bau der Marinebatterien in Kronborg inspizierte. Ebenfalls 1782 schloss er sein Jurastudium an der Universität Kopenhagen ab.
Karriere im norwegischen Staatsdienst
1783 wurde er Assessor am norwegischen Obersten Gerichtshof (norwegisch: Overhoffretten) und im selben Jahr zum ordentlichen Assessor befördert. 1786 wurde er durch Heirat mit Kristine, der Witwe des Eisenhüttenbesitzers Conrad Clauson, der Eigentümer der Eisenhütte Bærums Jernverk, deren Leitung er selbst übernahm,[1] weshalb er 1787 wohl sein Amt am Obersten Gerichtshof niederlegte.
Ab 1790 hatte Kaas verschiedene Verwaltungspositionen in der norwegischen Administration inne, bis er 1794 zum Generalauditor und Deputierten des norwegischen Generalitets- og Kommissariatskollegiums ernannt wurde. Anschließend war er von 1795 bis 1802 Stiftamtmann im Amtsstift Akershus. Während dieser Zeit des Zweiten Koalitionskrieges, die vom Konflikt mit Großbritannien und der britischen Seemacht geprägt war, war Kaas von 1801 bis 1802 Mitglied der norwegischen Feldkommission (feltkommissariat), die für die Versorgung, Unterbringung und Verteilung von Truppen in Norwegen zuständig war. Weiterhin war er an der Organisation einer Art Bürgerwehr zum Küstenschutz entlang der Küste Südnorwegens beteiligt, deren Uniform er selbst entwarf. Er reiste oft, inspizierte die Verbände und regte die Gründung von Schützenkompanien an. Durch seinen Diensteifer, gerade auch in militärischen Belangen, erwarb Kaas die Gunst des Kronprinzen. In dieser Zeit stand er mit bedeutenden Persönlichkeiten Norwegens, wie etwa Peder Anker und Jonas Collett in Kontakt.
1802 wurde Kaas nach Kopenhagen gerufen und übernahm den Posten eines Justizrats am dänischen Obersten Gerichtshof Højesteret. 1804 wechselte er und wurde Präsident der dänischen Kanzlei, der das Justiz- und Polizeiamt sowie die Kirchen- und Grundschulverwaltung unterstanden.
Seine Amtszeit fiel in für Dänemark schwierige Jahre, in denen das Land als Verbündeter Frankreichs im Nachgang des Vierten Koalitionskrieges nun in handfeste kriegerische Auseinandersetzungen mit Großbritannien und Schweden hineingezogen wurde, die mit der Bombardierung Kopenhagens 1807 ihren Abschluss fanden.
Während dieser ersten Amtszeit von Kaas als Kanzleipräsident kam es zu keinen größeren Reformen, da die gesamte Regierungsgewalt durch den Krieg bestimmt wurde.
Der Streit um den schwedischen Thronfolger
Als im März 1809 die Schweden nach der Absetzung Gustav IV. Adolfs den norwegischen Oberbefehlshaber, Prinz Christian August von Augustenborg, zum Thronfolger wählen wollten, während der dänische König Frederik VI. selbst als Thronfolgerkandidat auftrat, wünschte dieser sich in dieser besonderen Situation einen Mann in Norwegen, der ihm treu ergeben war. Am 11. April 1809 wurde Kaas zum Mitglied der norwegischen Regierungskommission, erneut zum Stiftamtmann in Akershus sowie zum Bezirksgouverneur des Bezirks Akershus ernannt. Kurz darauf wurde er Präsident des norwegischen Obersten Strafgerichtshofs.
Zwischen Kaas und Prinz Christian August, der weiterhin in Norwegen Dienst tat, entstand dementsprechend ein angespanntes Verhältnis, das bald in Feindseligkeit umschlug. Kaas missbilligte die Kriegsführung des Prinzen als Oberbefehlshaber und konnte sich mit dessen Kandidatur zum schwedischen Thronfolger nicht abfinden, da er die schwedische Krone letztlich an Frederik VI. übergehen sehen wollte. Nach einem Gerücht, das sich schnell verbreitete, soll Kaas die Kandidatur des Prinzen als Hochverrat bezeichnet haben, was Kaas jedoch bestritt. Bei einem Treffen mit dem schwedischen General Gustaf Mauritz Armfelt in Svinesund schlug Kaas demnach vor, die Wahl des Thronfolgers zu umgehen, indem Frederik VI. Gustav Adolfs Sohn Gustav Gustavsson von Wasa adoptieren und diesen dann anschließend mit seiner Tochter, der dänischen Erbprinzessin Caroline, verheiraten sollte. Frederik VI. lehnte diesen Plan allerdings brüsk ab und entließ Kaas nach dem Frieden von Jönköping und der Abreise von Prinz Christian August nach Schweden aus seinen norwegischen Dienstposten. Auch in Christiania hatte Kaas sein Vertrauen verspielt. Er kehrte nach Kopenhagen zurück und übernahm sein früheres Amt als Kanzler.
Begegnungen mit Napoleon
Während der folgenden Kriegszeit, als Dänemarks finanzielle Ressourcen immer mehr zur Neige gingen, war Kaas in einer diplomatischen Mission tätig. Die großen Erwartungen, die die Regierung in Kopenhagen daran geknüpft hatte, wurden jedoch völlig enttäuscht. Im April 1811 überbrachte Kaas Kaiser Napoleon die Glückwunschbotschaft Frederiks VI. zur Geburt seines Sohnes Napoleon Franz Bonaparte. In diesem Zusammenhang sollte er versuchen, Verhandlungen über die Rückzahlung der Gelder einzuleiten, die Dänemark für das französisch-spanische Hilfskorps ausgegeben hatte; es gelang ihm jedoch nicht, das Thema überhaupt zur Sprache zu bringen.
Erfolgreicher war Kaas während seiner Mission bei Napoleon in Dresden im Juni 1813, als er Napoleon davon überzeugen musste, dass der Angriff der dänischen Truppen auf die Franzosen bei Hamburg im Mai 1813 bloß ein Zufall gewesen war und nicht auf einen Regimewechsel des Königs zurückzuführen war, dessen Ausdruck er in Wirklichkeit gewesen war. Napoleon war durch Kaas’ Erklärung beruhigt.[2]
Minister- und Ehrenämter
Im Dezember 1813 wurde Kaas auch Justizminister. Nach dem Frieden von Kiel wurde er am 30. April 1814 zum Geheimen Staatsminister und im August 1815 zusätzlich zum Chef des Kopenhagener Polizeidienstes ernannt, dem Otto Himmelstrup Hvidberg als Polizeidirektor unterstand.[3] Frederik Thaarup spricht in Bezug auf Kaas’ Tätigkeit in dieser Funktion von seinem „mächtigen Willen“; doch während der antisemitischen Hep-Hep-Krawalle von 1819/20 wurde dieser zumindest nicht durch das Handeln des ihm unterstellten Polizeidirektors erkennbar. Kaas war Mitglied der 1818 eingesetzten Kommission, die ein Oktroy für die dänische Nationalbank ausarbeitete, wodurch er als Justizminister außerdem noch zum Königlichen Bankkommissar ernannt wurde. Die bedeutendste Reform, die während der zweiten Amtszeit von Kaas als Kanzleipräsident mit seinem Namen verbunden ist, war die Verordnung vom 29. Juli 1814 über die Neuordnung der öffentlichen und bürgerlichen Schulen.
Kaas hatte im Laufe der Zeit eine Reihe von Ehrenämtern inne, unter anderem war er 1805 Direktor der Herlufsholm-Schule und ab 1808 Ehrenmitglied der Königlich Dänischen Kunstakademie. Kaas wurde 1782 Kammerjunker, 1792 Kammerherr, 1803 Ritter des Dannebrogordens und 1815 Ritter des Elefanten-Ordens. Seinen Untergebenen gegenüber zeichnete er sich durch sein humanes Verhalten aus.
Familie
Kaas starb am 11. Januar 1827, am selben Tag wie seine Frau Kirstine, geborene Nilson (geb. 1757), die Witwe des norwegischen Eisenhüttenbesitzers Conrad Clauson und Tochter des Justizrats und Parlamentariers Poul Nilson.[4]
Kaas’ Ehe entstammte eine Tochter; er adoptierte auch die Kinder seiner Frau aus erster Ehe, die 1804 unter dem Namen Clauson-Kaas geadelt wurden. Neben der Eisenhütte Bærum, die er 1791 verkaufte, besaß Kaas kurzzeitig Schloss Bernstorff (1813–17).
Literatur
- A. Thorsøe: Frederik Julius Kaas. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 9: Jyde–Køtschau. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1895, S. 58–60 (dänisch, runeberg.org).
- Poul Bredo Grandjean: Kaas, Frederik Julius. In: Salmonsens konversationsleksikon. Anden Udgave. Band XIII: Jernbaneret—Kirkeskat. 1915–1930. S. 338–339. Link. Abgerufen am 18. September 2025.
Weblinks
- Frederik Julius Kaas. In: gravsted.dk. Abgerufen am 18. September 2025 (dänisch).
Einzelnachweise
- ↑ Frederik Julius Kaas. In: Norsk biografisk leksikon. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Karl Peder Pedersen: Kancellipræsident Kaas' tur til kejser Napoleon 1811. (deutsch: Kanzler Kaas’ Reise zu Kaiser Napoleon 1811.) In: Personalhistorisk Tidsskrift. 2008, S. 77–100. (Ausführlicher Bericht über Kaas’ diplomatische Mission bei Napoleon.)
- ↑ Karl Peder Pedersen: Kontrol over København. Studier i den sene enevældes sikkerhedspoliti 1800-48. Syddansk Universitetsforlag, 2014.
- ↑ Frederik Julius Kaas. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 21. September 2025.