Frauenfußball in Brasilien

Der Frauenfußball in Brasilien ist eine wachsende Sportart, die sich nach einer jahrzehntelangen Prohibition von einer Randsportart zu einem zunehmend professionalisierten und gesellschaftlich akzeptierten Sport entwickelt.

Geschichte

Anfänge

Frühste Berichte über die Ausübung des Fußballsports in Brasilien durch Frauen erscheinen in lokalen Printmedien erstmals in den Jahren 1908 und 1909, also etwa dreizehn Jahre nach dem ersten von Charles William Miller in diesem Land initiierten Fußballspiel. Nach einer mehrere Jahrzehnte bestehenden Prohibition ist die Frage nach dem ersten offiziellen von Frauen ausgetragenen Fußballspiel in Brasilien heute ein kontrovers diskutiertes Thema unter Sporthistorikern. Häufig wird dieses Ereignis in die Stadt São Paulo verortet und von lokalen Berichterstattern auch reklamiert. So berichtete in seiner Ausgabe vom 25. Januar 1913 der Correio Paulistano von einem von Frauen ausgetragenen Benefizspiel im Velódromo Paulistano anlässlich der Eröffnung des Kinderkrankenhauses des Roten Kreuzes, nur um wenige Tage später korrigierend zu berichten, dass es sich bei diesen „Spielerinnen“ tatsächlich als Frauen verkleidete Männer des lokalen SC Americano gehandelt habe. Deshalb wird heute häufig der Bericht der A Gazeta vom 28. Juni 1921 von einer Begegnung von weiblichen Auswahlmannschaften der Stadtteile Tremembé und Cantareira auf dem Feld des Tremembé FC am 24. Juni 1921 als Hinweis auf das erste Frauenfußballspiel herangezogen. Das Blatt beschreibt dieses Spiel als „…kuriose Attraktion während des Festtages Sankt Johannes. Vergleichbar mit einer Zirkusveranstaltung.“ (…atração curiosa das festividades de São João. Era algo muito próximo do circense).

Allerdings lässt dieser Bericht dabei die über ein Jahr ältere Berichterstattung des Sportmagazins Vida Sportiva aus Rio de Janeiro außer Acht, das sich in seiner Monatsausgabe vom 20. März 1920 ausführlich mit Fußball spielenden Frauen in Natal im Bundesstaat Rio Grande do Norte befasste. Anlass bot ein gerade ausgetragenes Spiel zwischen den Frauen des Centro Esportivo Natalense und des ABC Futebol Clube (12:0), welches damit das älteste dokumentierte Fußballspiel zwischen vereinsmäßig organisierten Frauenmannschaften darstellt. Die Spielerinnen beider Vereine entstammten der gehobenen Gesellschaft von Natal, als Töchter und Nichten der lokalen Geschäftswelt und Politik. Begleitet wurde dieser Bericht von einer Reihe von Fotografien beider Mannschaften, deren abgebildete Frauen damit die ältesten fotodokumentarisch erfassten Fußballspielerinnen Brasiliens sind. Aufgenommen wurden sie von der ABC-Spielerin Celina Guimarães Viana (1890–1972), die als Suffragette wenige Jahre später nationale Bekanntheit erlangte, als sie als erste Frau Brasiliens am 5. April 1928 in Mossoró das in Rio Grande do Norte eingeführte Wahlrecht für Frauen wahrnahm. Eine weitere bekannte Akteurin dieses Spieles war die Natalense-Spielführerin Jandira Carvalho de Oliveira (1903–1989), die ein Jahr später den Vereinsgründer und Lokalpolitiker João Café Filho heiratete, an dessen Seite sie von 1954 bis 1955 die Stellung einer ersten Dame Brasiliens einnahm.

Bis zum Jahr 1940 hatte der Fußballsport die brasilianischen Massen zu erreichen vermocht, bei Männern wie Frauen gleichermaßen. Zum Zentrum des frühen Frauenfußballs in Brasilien avancierte zuerst die Hauptstadtmetropole Rio de Janeiro, in deren Medien regelmäßig über die Bildung von gemischtgeschlechtlichen, oder auch reinen Frauenteams bei Vereinen wie Vila Isabel FC (1915), Progresso FC, CR Flamengo, River FC (alle 1919), CR Vasco da Gama, SC Celeste (beide 1923) und dem São Cristóvão AC (1929) berichtet wurde. Eine größere Aufmerksamkeit erlangte dabei das 1930 gebildete Frauenfußballteam des Tanz- und Gesellschaftsclubs Casino do Realengo, über das regelmäßig im Jornal dos Sports des Mário Filho berichtet und welches als das beste Frauenteam jener Zeit beschrieben wurde. Das Journal finanzierte 1940 eine Tour des Clubs und seines in jenem Jahr gegründeten Konkurrenten SC Brasileiro durch den Staat São Paulo, deren Höhepunkte je eine Partie im neuen Estádio do Pacaembu und im Estádio Urbano Caldeira in Santos markierten.

Inspiriert durch die Entwicklungen in Rio de Janeiro hatten sich danach in allen größeren Metropolen Brasiliens Frauenteams zumeist in eigenen Vereinen gebildet. So war der am 5. April 1940 in Belo Horizonte gegründete Mineiras FC der erste bekannte Frauenverein in Minas Gerais (Estado de Minas, 5. April 1940). Die Austragung einer ersten Begegnung zwischen Frauen in diesem Staat blieb allerdings den beiden Rio-Vereinen SC Brasileiro gegen Casino Realengo FC (2:1) am 15. Mai 1940 auf dem Feld des América FC während ihrer Brasilien-Tour vorbehalten (Folha de Minas & Estado de Minas, 7. & 15. Juni 1940).[1] Ebenfalls in selbem Jahr trug in São Paulo der noch junge São Paulo FC erstmals ein Frauenfußballspiel gegen den America FC aus Rio de Janeiro aus. Allerdings sei die Zuschauerresonanz dieser Partie so niedrig gewesen, dass der Club auf eine erneute Aufstellung eines Frauenteams verzichtete, so berichtet von Tommaso Mazzoni († 1970) in seiner A Gazeta Esportiva.

Prohibition 1941

Für die Geschichte des Fußballsports in Brasilien sollte sich das Jahr 1940 im Allgemeinen als richtungweisend herausstellen. Während die Anerkennung des Männerfußballs durch seine Professionalisierung ihren endgültigen Durchbruch erfuhr, erlebte der parallel dazu aufstrebende Frauenfußball eine gegenteilige Entwicklung. In den zeitgenössischen Medien wurde er dabei von einer in ihrem Urteil geteilten Berichterstattung begleitet. Während Zeitungen wie der Correio Paulistano (São Paulo), Estado de Minas (Belo Horizonte), O Globo (Rio de Janeiro) und vor allem das Jornal dos Sports (Rio de Janeiro) dem Spiel der Frauen tendenziell wohlwollend bis fördernd begegneten, stand ihm eine Mehrheit der schreibenden Zunft, die dem gesellschaftspolitischen Konservatismus des Estado Novo des Präsidentendiktators Getúlio Vargas folgte, klar ablehnend gegenüber. Für sie stellte der Fußball eine Katastrophe dar, die über die weibliche Jugend der Nation herfallen würde (calamidade prestes a desabar na juventude feminina do Brasil). Regelmäßig wurden in ihren Blättern die Behörden zu einem Einschreiten gegen Fußball spielende Frauen aufgefordert. So wurden erstmals im April 1940 in Belo Horizonte Fußballspielerinnen verhaftet, kurz nachdem hier das erste offizielle Frauenfußballspiel ausgetragen wurde (Diário da Tarde, 20. April 1940). In Rio de Janeiro wurden am 11. Januar 1941 die Spielerinnen des Primavera AC (gegr. am 4. Mai 1940 von Dissidenten des SC Brasileiro) verhaftet und nach zwei Tagen frei gelassen.

Die Begegnung des Casino do Realengo und des SC Brasileiro (2:0) im kurz zuvor eröffneten Estádio do Pacaembu in São Paulo am 17. Mai 1940 vor 65.200 Zuschauern als Vorspiel einer Begegnung der Männer des São Paulo FC und dem CR Flamengo sollte sich als das Schicksalsspiel des Frauenfußballs in Brasilien erweisen (Correio Paulistano, 19. Mai 1940). Allein die Ankündigung dieses Spiels hatte ablehnende Berichte in der Presse provoziert und zu eingehenden Beschwerden bei Präsident Vargas geführt, der bei der Eröffnung des Stadions am 27. April noch persönlich zugegen war, die eine Verhinderung dieses Spiels forderten. Bereits am 7. Mai im Diário da Noite wurde der offene Brief des Bürgers José Fuzeira aus Rio de Janeiro an den Präsidenten veröffentlicht, der mittels einer medizinischen Argumentation ein Verbot dieser Partie forderte, da die gewalttätige Natur des Fußballsports die Gesundheit der Frauen, ihrer zukünftigen Kinder und damit der brasilianischen Nation gefährden würde.

„Refiro-me, Sr. Presidente, ao movimento entusiasta que está empolgando centenas de moças, atraindo-as para se transformarem em jogadoras de futebol, sem se levar em conta que a mulher não poderá praticar esse esporte violento sem afetar, seriamente, o equilíbrio psicológico das funções orgânicas, devido à natureza que a dispôs a “ser mãe”. (…) Ora, a constituição orgânica da mulher impõe-lhe o atento cuidado de precaver certos órgãos contra toda a contundência traumática; sendo que, conforme opinião de alguns expoentes da medicina, as pancadas violentas contra os seios podem, até, dar origem ao câncer…“[2]

„Ich, Herr Präsident, möchte auf die aufstrebende Bewegung aufmerksam machen, die hunderte von jungen Frauen begeistert und sie dazu bringt, Fußballspielerinnen zu werden, ohne dabei zu bedenken, dass Frauen nicht dazu konditioniert sind, diesen gewalttätigen Sport auszuüben, ohne dabei das psychologische Gleichgewicht ihrer körperlichen Beschaffenheit ernsthaft zu gefährden, deren Natur sie dazu bestimmt „Mütter zu sein“. (…) Nun bereitet mir diese körperliche Beschaffenheit des Weibes die Sorge, gewisse Organe gegen eine traumatische Gewalteinwirkung zu schützen; und nach Meinung einiger Mediziner können heftige Schläge gegen die Brüste sogar Krebs hervorrufen…“

Auf solche Stimmen berufend, erließ Präsident Vargas per Gesetzesdekret am 14. April 1941 (Decreto-Lei No. 3.199, Art. 54) ein Verbot zur Praktizierung von Sportarten für Frauen, die „unvereinbar mit ihrer natürlichen Beschaffenheit“ (incompativeis com as condições de sua natureza) seien.[3][4] Obwohl in diesem Dekret keine Sportart mit diesem Kriterium explizit benannt wurde, distanzierten sich in der Folge die Verbände und etablierten Vereine vom Frauenfußball, der danach in keinem organisierten Rahmen mehr stattfand. Fußball spielende Frauen waren danach nur noch als Jahrmarktattraktion, oder bei Benefizveranstaltungen zu sehen, die einer gerichtlichen Genehmigung bedurften. Die seit 1964 herrschende Militärdiktatur berief sich erneut auf das Verbotsdekret von 1941, worauf der nationale Sportrat CND im Jahr darauf die vereinsmäßige Organisierung diverser Sportarten für Frauen ausdrücklich verbot, die nur noch in öffentlich nicht zugänglichen Bereichen ausgeübt werden durften. Neben dem nun explizit benannten Fußball, betraf dies nahezu alle kontaktintensiven Mannschaftssportarten.

Aufhebung des Banns 1979

Im siebten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts brachen unter dem auch in Brasilien aufkommenden gesellschaftlichen Liberalismus alte konservative Gewissheiten und der gegen Frauen gerichtete Sportbann wurde zunehmend in Frage gestellt. So organisierte im August 1976 die katholische Gemeinde des Bezirks Santa Lúcia do Piaí in Caxias do Sul anlässlich der Feierlichkeiten zu ihrer Schutzpatronin ein öffentliches Frauenfußballturnier. Nur wenige Monate darauf gründeten in derselben Stadt die Arbeiterinnen der Textilfabrik Três Marias ein Fußballteam.

Noch unter der Militärherrschaft wurde 1977 auf Vorschlag des Senators Nelson Carneiro (1910–1996) eine parlamentarische Untersuchungskommission (CPI) einberufen, die aus einundzwanzig Männern und einer Frau, Abgeordnete Lygia Lessa Bastos, zusammengesetzt war, welche die Argumente des Verbotsdekrets von 1941 auf ihre Plausibilität prüfen sollte. Nach Anhörung diverser Experten und Berater, darunter die ehemalige Profischwimmerin Maria Lenk, stellte die Kommission die Haltlosigkeit der Argumentation heraus, worauf der CND 1979 das Dekret aufhob und dazu nun erklärte, dass Frauen grundsätzlich alle Sportarten praktizieren und organisieren können.[5] Dieses Urteil fand allerdings keine ungeteilte Zustimmung.

„Assisti a algumas partidas entre jogadoras chamadas de primeira qualidade, na Itália e na Inglaterra, e posso garantir que o jogo é feio. Algo assim meio híbrido. Não tem a graça feminina nem o vigor masculine.“

„Ich habe einige Spiele zwischen sogenannten Spitzenspielerinnen in Italien und England gesehen, und ich kann Ihnen versichern, dass das Spiel hässlich ist. Eine Art Hybrid. Es besitzt weder die weibliche Anmut noch die männliche Kraft.“

João Saldanha, ehemaliger Nationaltrainer

„Pode até ser um passatempo, mas não um verdadeiro esporte para as mulheres.“

„Es mag ein Zeitvertreib sein, aber es ist kein richtiger Sport für Frauen.“

Weltfußballer Pelé

Neuanfang 1983

Nachdem der CND 1983 entsprechende Regularien erlassen hatte, wurden noch im selben Jahr die ersten Wettbewerbe für Frauenmannschaften ausgerichtet. In den Bundesstaaten Rio de Janeiro, Rio Grande do Sul, Goiás und Pará wurden die ersten offiziellen Staatsmeisterschaften ausgetragen, gefolgt im Jahr darauf in Bahia und Amazonas. Ebenfalls 1983 wurde mit der Taça Brasil ein erstes Wettbewerbsformat initiiert, das einen nationalen Anspruch erfüllen sollte. Einige der etablierten Spitzenvereine des Landes hatten dazu erstmals eigene Frauenteams gebildet. Doch das Spiel der Frauen im ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Banns verharrte auf Amateurniveau und blieb hauptsächlich in den großen Metropolen an der Küste geografisch beschränkt. Von Medien und der Öffentlichkeit kaum beachtet und mit einem entsprechend geringen Interesse durch Sponsoren versehen, fand der Frauenfußball in den führenden Vereinen und Verbänden, insbesondere im mitgliedsstärksten Landesverband von São Paulo (FPF) kaum Unterstützung.

Gleiches galt auch für den nationalen Fußballverband CBF, der sich an der Organisierung eines landesweiten Wettbewerbs nicht interessiert zeigte. Für das erste offizielle Länderspiel anlässlich der Mundialito („kleine Weltmeisterschaft“) 1986 in Italien, ließ er unter seinem Logo das Team des EC Radar auflaufen.

Etablierung ab 1997

Nachdem die Nationalmannschaft der Frauen bei den ersten Weltmeisterschaftswettkämpfen ein unterdurchschnittliches Niveau offenbarte, wurde zur Mitte der Neunzigerjahre auf Initiative der CBF erstmals ein Professionalisierungsprozess des Frauenfußballs angestoßen, in dessen Verlauf die meisten der großen Clubs des Landes erstmals ihre Frauensektionen gründeten und auch in São Paulo startete die FPF 1997 ihre offizielle Meisterschaft. In fast allen Staaten entlang der Küste wurden nun regelmäßig Meisterschaftswettkämpfe organisiert. Doch wie schon im Jahrzehnt zuvor, erlebte das Spiel in den Jahren nach der Jahrtausendwende aufgrund eines mangelnden Zuschauerinteresses und fehlender medialer Begleitung einen erneuten Rückschlag, der die Großclubs aus finanziellen Erwägungen zur Auflösung ihrer Frauenteams bewegte. Die besten Talente des Landes wie z. B. Formiga und Marta wanderten dabei relativ schnell in zahlungskräftige Ligen des europäischen oder nordamerikanischen Auslandes ab.

Der Frauenfußball wurde danach vor allem von kleineren Vereinen und Sportgemeinschaften aus dem ländlichen Hinterland der Staaten gestützt, die häufig einer kommunalen Subventionierung bedurften und sportlich im Amateurniveau verharrten. Trotz alledem etablierte sich der Frauenfußball in jener Zeit im ganzen Land, auch in den bevölkerungs- und strukturschwachen Staaten des Innlandes und im Amazonasbecken. Im ausgehenden ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts unternahm die CBF einen zweiten Professionalisierungsschub im Frauenfußball. Durch die Etablierung der Copa do Brasil Feminino im Jahr 2007 wurde der erste nationale Wettbewerb geschaffen, der für alle Vereine landesweit zur Teilnahme bei entsprechender Qualifikation über die Staatsmeisterschaften offensteht. Danach haben auch die noch ausbleibenden Staaten ihre jeweiligen Meisterschaften ausgerichtet. 2013 wurde in Brasilien schließlich die nationale Meisterschaft für Frauen etabliert, für die seither ein Ligasystem im Aufbau befindlich ist, zu deren Teilnahme seit dem Jahr 2017 ebenfalls der Weg über die Qualifikation durch die Staatsmeisterschaft führt.

Der Frauenfußball in Brasilien verharrt in seiner Gesamtheit nach wie vor in einem semiprofessionellen Status. In allen Verbänden der Bundesstaaten werden die Meisterschaftswettbewerbe der Frauen weiterhin der Kategorie der Amateure zugerechnet. Einzige Ausnahme bilden die in der höchsten nationalen Liga Série A1 vertretenen Vereine, die den Sport in einem finanziell stabilen und sportlich professionalisierten Rahmen gestalten können. Entsprechend wird der Status ihrer Spielerinnen anerkannt, die nach einem Beschluss der CBF ab der Saison 2026 bei ihren Vereinen unter den Konditionen von Profiverträgen angestellt sein müssen.

Im kontinentalen Vergleich ist der brasilianische Frauenfußball derzeit führend in Lateinamerika, was sich in den Erfolgen der seiner Vereine im Wettbewerb um die Copa Libertadores und seiner Nationalauswahl bei den Südamerikameisterschaften niederschlägt. Doch im Vergleich zu den Topligen Europas oder Nordamerikas besteht ein deutlicher Abstand in sportlicher, wie ökonomischer Hinsicht.

Wettbewerbe

Brasilianische Meisterschaft

Der nationale Meisterschaftswettbewerb wurde 2013 unter der Organisation der CBF eingeführt. Durch die Bildung der Série A1 und A2 im Jahr 2017 wurde der Ligabetrieb etabliert, der 2022 mit der drittklassigen Série A3 ausgebaut wurde. Die Série A1 bestand zunächst aus 16 Vereinen, doch ist ihre Erweiterung auf 20 Vereine zur Saison 2027 bereits beschlossen. Über die Meisterschaft wird die Qualifikation zum kontinentalen Wettbewerb der Copa Libertadores der Frauen ermittelt.

Seit 2019 werden auch Meisterschaften für Nachwuchsmannschaften ausgetragen.

Brasilianischer Pokal

Der 2007 von der CBF geschaffene Pokalwettbewerb ist der älteste nationale Wettbewerb für Frauen. Zwischen den Jahren 2017 und 2024 pausierte er, da sich der Verband in dieser Zeit auf den Aufbau des Ligasystems konzentrierte. 2025 wurde der Wettbewerb wieder ihn den Spielkalender aufgenommen. Nach einer zu diesem Anlass vorgenommenen Reform, sind alle in den drei nationalen Ligen einer Saison vertretenen Vereine für die Teilnahme qualifiziert.

Brasilianischer Superpokal

Der 2022 geschaffene Superpokal entsprach in seinen ersten vier Austragungen in seinem Charakter dem eines Ligapokals, um den mehrere Vereine der Série A1 spielten. Nach der Wiederbelebung des Pokalwettbewerbs wird der Superpokal ab der Saison 2026 in einem Spiel zwischen dem jeweils amtierenden Meister und Pokalsieger der Vorsaison ermittelt.

Staatsmeisterschaften

Ähnlich wie bei den Männern, stellen die Staatsmeisterschaften auch bei den Frauen die ältesten Wettbewerbe im Fußballsport dar. Sie werden von den Landesverbänden der jeweiligen Bundesstaaten organisiert. Neben den einzelnen Landesmeistern werden über sie jedes Jahr aufs Neue auch die Qualifikanten für die drittklassige Série A3 wie auch für den Pokalwettbewerb ermittelt. Als eine Anforderung für den Einstieg in den nationalen Wettkampf setzt die CBF die Teilnahme von mindestens vier Vereinen in den einzelnen Staatsmeisterschaft voraus. Gerade in den strukturschwachen und bevölkerungsarmen Staaten des Inlandes werden die Meisterschaften tatsächlich auch nur zwischen vier Vereinen an nur wenigen Spieltagen ermittelt. Auf einem entsprechend niedrigen sportlichen Niveau bewegen sich daher die meisten Staatsmeisterschaften. Als die spielstärkste gilt jene des Staates São Paulo, gefolgt von Rio de Janeiro, Rio Grande do Sul und Minas Gerais. Aber auch an diesen nehmen derzeit nicht mehr als zehn Vereine teil.

Ligapyramide

Stufe Liga
1 Série A1
18 Vereine
↑↓ 4 Vereine
2 Série A2
16 Vereine
↑↓ 4 Vereine
3 Série A3
32 Vereine
↑↓ variabel
Staatsmeisterschaften

Vereine

Das Engagement der etablierten Sport- und Fußballvereine Brasiliens für den Frauenfußball fiel im folgenden ersten Jahrzehnt nach dem Ende der Prohibition 1979 verhalten aus. Zwar stellten einige von ihnen anlässlich der ersten Staatsmeisterschaften 1983 erstmals auch Frauenmannschaften auf, doch blieb dies mangels eines allgemeinen Interesses nur Episode. So blieb es zunächst dem Amateurclub EC Radar aus Rio de Janeiro vorbehalten, die Vorreiterschaft im Frauenfußball zu übernehmen. Er stellte das erfolgreichste Frauenteam dieses Jahrzehnts und erfuhr in den Medien auch eine größere Beachtung. Sogar der skeptische Pelé ließ sich mit seinen Spielerinnen fotografieren. In São Paulo versuchte sich der kurzlebige Ísis Pop EC als Konkurrent zu dem prominenteren Vorbild in Stellung zu bringen, doch genoss dieser von Seiten seines Landesverbandes keine Unterstützung. Beide von Männern geführten Vereine hatten ihre Aktivitäten gänzlich auf den Frauenfußball ausgerichtet und haben um das Jahr 1990 einen wirtschaftlichen Niedergang und Ansehensverlust erfahren.

Mit der 1997 von der CBF gestarteten Initiative zur Professionalisierung sind nahezu alle führenden Vereine Brasiliens erstmals in den Frauenfußball durch Eröffnung entsprechender Abteilungen aktiv geworden. So in São Paulo die Hauptstadtclubs Corinthians, Palmeiras und São Paulo FC, sowie in der benachbarten Hafenstadt der Santos FC. In Rio de Janeiro hatte zunächst Vasco da Gama das Erbe von Radar angetreten, gefolgt von Flamengo, Fluminense und Botafogo. In Porto Alegre wurden die beiden führenden Vereine Internacional und Grêmio aktiv. Doch dieses Engagement überdauerte die Jahrtausendwende nicht, nachdem sich diese Vereine vor allem aus finanziellen Gründen von dem immer noch wenig beachteten und deshalb kaum lukrativen Frauenfußball zurückzogen.

In den folgenden fünfzehn Jahren wurde der Frauenfußball fast ausschließlich von kleineren Vereinen oder Sportgemeinschaften geprägt, oft in Kooperation mit kommunalen oder privatwirtschaftlichen Sportförderungsprojekten. In São Paulo avancierte das Olympiatrainingszentrum (Centro Olímpico de Treinamente e Pesquisa) zu einer wichtigen Talentschmiede. Auch traten in dieser Zeit vermehrt Vereine auf, die dem Vorbild des EC Radar folgend ihre Aktivitäten gänzlich auf die Förderung des Frauenfußballs konzentrierten, mit der Absicht, sich in den „Gründerjahren“ dieses Sports einen Platz in der nationalen Spitze zu sichern. Häufig führte es dazu, dass nur ein einzelner Verein eine sportliche Dominanz in einem Staat einnahm. So z. B. die AE Kindermann in Santa Catarina, der São Francisco EC in Bahia, der Foz Cataratas FC in Paraná, der Aliança FC in Goiás, oder der EC Iranduba in Amazonas.

Seit dem Start des nationalen Meisterschaftswettbewerbs 2013 erfährt der Frauenfußball in Brasilien eine stetig zunehmende Aufmerksamkeit, verbunden mit einem wachsenden ökonomischen Potential. Und nachdem der Kontinentalverband CONMEBOL seit dem Jahr 2019 den Unterhalt von Frauensektionen als Bedingung zur Teilnahme an seinem wichtigsten Wettbewerb, der Copa Libertadores, zur Pflicht erklärt hatte, sind nach und nach alle großen Clubs des Landes in den Frauenfußball zurückgekehrt. Seither übernehmen sie dessen wirtschaftliche und sportliche Führung, während kleinere Vereine absteigen, oder ihre Aktivitäten ganz einstellen. In der Saison 2025 stieg mit Esportiva 3B der vorerst letzte Verein aus der Erstklassigkeit ab, der seine Aktivitäten einzig auf den Frauenfußball konzentriert. Reine Frauenvereine, oder darauf ausgerichtete Sportförderprojekte sind aktuell nur noch in den semiprofessionellen Staatsmeisterschaften, oder der untersten dritten Liga anzutreffen.

Spielerinnen

Als erste Starspielerin des Landes gilt Mariléia dos Santos („Michael Jackson“), die Topstürmerin des EC Radar in den Achtzigerjahren, die auch die erste brasilianische Spielerin war, die zeitweilig in Europa bei einem Verein in Turin spielte. Zu den bekannten Spielerinnen des nachfolgenden Jahrzehnts, deren Karrieren mit der Staatsmeisterschaft von São Paulo 1997 starteten, zählen die Spielführerin Sissi, die Torjägerin Kátia Cilene und Brasiliens Rekordnationalspielerin Miraildes Maciel Mota („Formiga“). Eine Altersrekordlerin dieser Generation ist Tânia Maranhão, die noch im Jahr 2025 im Alter von 51 Jahren bei einem Verein aktiv war.

Die Karrierewege der besten Spielerinnen des Landes zeichnen sich allerdings darin aus, dass sie ihre Erfolge und Bekanntheit vor allem durch sportliche Engagements in ausländischen Ligen verdanken, vor allem in Europa und Nordamerika. Gerade der Rückzug der großen Vereine aus dem Frauenfußball nach der Jahrtausendwende, hatte zu einem Exodus der besten Spielerinnen zu zahlungskräftigeren Vereinen des Auslandes geführt. Exemplarisch dafür steht die Karriere der wohl bekanntesten Spielerin Brasiliens, der sechsfachen Weltfußballerin Marta, die kurz nach ihrem Karrierebeginn beim CR Vasco da Gama das Land verließ und nur noch zu gelegentlichen Gastspielen hierher zurückkehrte. Bis heute wird der Kern der brasilianischen Nationalelf von Spielerinnen gestellt, die sich in europäischen Ligen haben etablieren können.

Die 2013 gestartete brasilianische Meisterschaft hat ihre eigenen Topspielerinnen hervorgebracht, von denen mittlerweile einige über diesen Wettbewerb sich für die Nationalelf empfehlen konnten. Aber auch diese Entdeckungen werden relativ schnell ins Ausland abgeworben, wie z. B. die Abwehrspielerin Letícia Santos, oder die Stürmerinnen Gabi Nunes und Geyse Ferreira. Im Oktober 2025 wurde der Wechsel der dreifachen Torschützenkönigin Amanda Gutierres von Palmeiras São Paulo zu einem nordamerikanischen Verein zur folgenden Saison vertraglich besiegelt. Mit einer Ablösesumme von 5,8 Millionen Real (1,1 Millionen US-Dollar) ist dieser Transfer der bis dato teuerste einer Spielerin in der Geschichte des brasilianischen Fußballs.

Nationalmannschaft

Teilnahmen an Frauenfußball-Weltmeisterschaften
Jahr Gastgeber Ergebnis S U N Tore
1991 China Vorrunde 1 0 2 01:7
1995 Schweden Vorrunde 1 0 2 03:8
1999 USA Halbfinale 3 1 1 16:9
2003 USA Viertelfinale 2 1 1 09:4
2007 China Vize-Weltmeister 5 0 1 17:4
2011 Deutschland Viertelfinale 3 1 0 09:2
2015 Kanada Achtelfinale 3 0 1 04:1
2019 Frankreich Achtelfinale 2 0 2 07:5
2023 Australien/Neuseeland Vorrunde 1 1 1 05:2
Teilnahmen an Frauenfußball-Südamerikameisterschaften
Jahr Gastgeber Ergebnis S U N Tore
1991 Brasilien Südamerikameister 2 0 0 12:1
1995 Brasilien Südamerikameister 5 0 0 44:1
1998 Argentinien Südamerikameister 6 0 0 66:3
2003 Peru Südamerikameister 3 0 0 18:2
2006 Argentinien Vize-Südamerikameister 6 0 1 30:4
2010 Ecuador Südamerikameister 7 0 0 25:2
2014 Ecuador Südamerikameister 5 1 0 22:3
2018 Chile Südamerikameister 7 0 0 31:2
2022 Kolumbien Südamerikameister 6 0 0 20:0
2025 Ecuador Südamerikameister 4 2 0 21:6
Teilnahmen an Olympischen Spielen
Jahr Gastgeber Ergebnis S U N Tore
1996 Atlanta, USA Vierter 1 2 2 08:7
2000 Sydney, Australien Vierter 2 0 3 05:6
2004 Athen, Griechenland Silber 4 0 2 15:4
2008 Peking, China Silber 4 1 1 11:5
2012 London, Vereinigtes Königreich Viertelfinale 2 0 2 06:3
2016 Rio de Janeiro, Brasilien Vierter 3 1 2 09:3
2021 Tokio, Japan Viertelfinale 2 1 1 09:3
2024 Paris, Frankreich Silber 3 0 3 07:7

Zuschauerrekorde

Datum Wettbewerb Ort Gastgeber Gast Ergebnis Zuschauer
1. 22.09.2024 Brasilianische Meisterschaft 2024 – Série A1 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians São Paulo FC 2:0 44.529 [6]
2. 10.09.2023 Brasilianische Meisterschaft 2023 – Série A1 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians Ferroviária 2:1 42.556 [7]
3. 14.09.2025 Brasilianische Meisterschaft 2025 – Série A1 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians Cruzeiro EC 1:0 41.130 [8]
4. 24.09.2022 Brasilianische Meisterschaft 2022 – Série A1 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians SC Internacional 4:1 41.070 [9]
5. 26.11.2023 Staatsmeisterschaft von São Paulo 2023 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians São Paulo FC 4:1 39.901 [10]
6. 18.09.2022 Brasilianische Meisterschaft 2022 – Série A1 Porto Alegre, Estádio Beira-Rio SC Internacional SC Corinthians 1:1 36.330
7. 08.12.2021 Staatsmeisterschaft von São Paulo 2021 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians São Paulo FC 3:1 30.077
8. 16.11.2019 Staatsmeisterschaft von São Paulo 2019 São Paulo, Arena Corinthians SC Corinthians São Paulo FC 3:0 28.862 [11]
9. 29.06.2017 Brasilianische Meisterschaft 2017 – Série A1 Manaus, Arena da Amazônia EC Iranduba Santos FC 1:2 25.371 [12]

Einzelnachweise

  1. Les femmes et les stades à Belo Horizonte/Brésil : de supportrices à joueuses (1904-1940). In: preo.ube.fr. 19. Mai 2025, abgerufen am 1. Januar 2026.
  2. O decreto que proibiu mulheres de jogar futebol por 40 anos no Brasil. In: guiadoestudante.com. Guia do Estudante, 22. Mai 2025, abgerufen am 1. Januar 2026.
  3. Vgl. Câmara dos Deputados: Legislação Informatizada - DECRETO-LEI Nº 3.199, DE 14 DE ABRIL DE 1941.
  4. Há 80 anos, 1º jogo de mulheres no Pacaembu gerou apoio e também revolta. In: dibradoras.com. 18. Mai 2020, abgerufen am 1. Januar 2026.
  5. Futebol feminino já foi proibido no Brasil, e CPI pediu legalização. In: 12.senado.leg.br. 4. August 2023, abgerufen am 1. Januar 2026.
  6. Final do Brasileirão Feminino pode ter recorde de público; veja parcial de vendas. In: lance.com.br. Lance!, 12. September 2025, abgerufen am 1. Januar 2026.
  7. Corinthians leva 42 mil pessoas à Arena e retoma recorde de público no futebol feminino. In: globo.com. O Globo, 10. September 2023, abgerufen am 1. Januar 2026.
  8. Título do Corinthians no Brasileirão feminino alcança maior público de futebol no domingo. In: jovempan.com.br. Jovem Pan, 15. September 2025, abgerufen am 1. Januar 2026.
  9. Corinthians x Inter marca recorde de público em jogos entre clubes do feminino no continente. In: ge.globo.com. O Globo, 24. September 2022, abgerufen am 1. Januar 2026.
  10. Com título do Corinthians, final do Paulista Feminino tem o maior público do país no domingo. In: globoesporte.globo.com. O Globo, 27. November 2023, abgerufen am 1. Januar 2026.
  11. Corinthians faz 3 a 0 no São Paulo e confirma título paulista feminino com campanha impecável. In: globoesporte.globo.com. O Globo, 16. November 2019, abgerufen am 1. Januar 2026.
  12. Com público histórico, Santos bate Iranduba nas semis do Brasileiro feminino. In: globoesporte.globo.com. O Globo, 29. Juni 2017, abgerufen am 1. Januar 2026.