Fraternitas Baltica

Fraternitas Baltica
Land
Hochschule
Gründung
Verbot
1939 Verbot und Auflösung
Band
Mütze
grüner Deckel
Wahlspruch
Freundschaft, Frohsinn, Tugend, Wissen — soll man nie bei den Balten missen
Wappenspruch
In Treuen fest!
Korporationsverband
A!P!C! Riga
Stellung zur Mensur
bedingte Satisfaktion

Die Fraternitas Baltica war eine deutsch-baltische Studentenverbindung in Riga. Sie wurde am 13. November 1865 am Polytechnikum Riga gegründet und 1939 aufgelöst.

Couleur und Wahlspruch

Die Fraternitas Baltica trug die Farben rot-grün-gold mit grünem Deckel. Der Wahlspruch war Freundschaft, Frohsinn, Tugend, Wissen – soll man nie bei den Balten missen. Ihr Wappenspruch, wie jener der Deutsch-Balten, war In Treuen fest.

Geschichte

Ab dem 18. Jahrhundert nach 1721 war Riga als Sitz der Verwaltung und Hauptstadt des Gouvernements Livland dem damaligen Russischen Kaiserreich zugehörig. Im Jahr 1800 zählte Riga rund 30.000 Einwohner; davon waren 47 % Deutsche, 25 % Letten und 14 % Russen.[1] Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt schrittweise zu einem der wichtigsten Häfen im damaligen Russland ausgebaut.

Die Fraternitas Baltica wurde am 13. November 1865 von 17 deutsch-baltischen Studenten am drei Jahre zuvor gegründeten Rigaischen Polytechnikum gegründet. Sie hatte ihren Ursprung im 1863 gegründeten Fechtbodenverein.[2] 1867 war sie an der Gründung des Allgemeinen Polytechniker-Convents beteiligt, der das gesellschaftliche Leben am Institut bestimmte.[3] Die Fraternitas Baltica rekrutierte ihre Mitglieder vor allem im Großbürgertum, im Adel und unter den sogenannten Literaten – worunter im Baltikum ein Stand mit eigener Tradition verstanden wurde, der auf Grund russischer Gesetze mit gewissen bürgerlichen Rechten ausgestattet war.[4]

Bereits 1869 verließen einige Mitglieder im Streit die Fraternitas Baltica wieder und gründeten am 29. November 1869 das bis heute bestehende Corps Concordia Rigensis (damals in Riga ansässig).[5]

Während des Ersten Weltkrieges, als das Rigaer Polytechnische Institut nach Moskau evakuiert war, suspendierte die Korporation. 123 Mitglieder nahmen am Krieg teil, davon 99 auf russischer und 24 auf deutscher Seite.[6] Nach Ende des Krieges eröffnete die Fraternitas Baltica ihren Aktivenbetrieb an der Technischen Fakultät der Hochschule Lettlands erneut. 1938 musste sie suspendieren und wurde 1939 schließlich ganz aufgelöst.

Am 25. Oktober 1958 schloss der damals noch bestehende Philisterverein ein Freundschaftsverhältnis mit dem entsprechenden Philisterverein des Corps Concordia Rigensis zu Hamburg, welches bis heute die Tradition der Fraternitas Baltica pflegt.

Bekannte Mitglieder

Literatur

  • Wolfgang Wachtsmuth: Geschichte der Fraternitas Baltica zu Riga 1865–1915, Riga 1922.
  • Philisterverband der Fraternitas Baltica (Hrsg.): Festschrift Fraternitas Baltica, 1865–1965, F. Kuhtal, Aschaffenburg 1964
  • Album der Landsleute der Fraternitas Baltica 1865–1900. Zusammengestellt von Max Rosenkranz. Graphische Kunstanstalten Alexander Grosset, Riga 1900 (online)
  • Album der Landsleute der Fraternitas Baltica 1865–1910. 2. Auflage. Herausgegeben von Max Rosenkranz und Eugen Stieda. Graphische Kunstanstalten Alexander Grosset, Riga 1910 (online)
  • Werner Fahrbach (Hrsg.): Album der Landsleute der Fraternitas Baltica (gegr. zu Riga am 13. Nov. 1865), 3. Auflage, F. Kuhtal, Aschaffenburg 1961.
  • Walter Lange: Die Beziehungen der Nevania-St. Petersburg zur Fraternitas Baltica zu Riga. In: Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 26 (1981), S. 173–184.
Commons: Fraternitas Baltica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Reinhard Wittram: Baltische Geschichte. Die Ostseelande Livland, Estland, Kurland 1180–1918. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-06475-5, S. 143.
  2. Philisterverband der Fraternitas Baltica (Hrsg.): Festschrift Fraternitas Baltica, 1865–1965, F. Kuhtal, Aschaffenburg 1964. S. 16.
  3. Walter Lange: Das beginnende technische Zeitalter. Die Gründung des Baltischen Polytechnikums und der Fraternitas Baltica zu Riga. Göttinger Baltische Corps-Blätter, 5. Jahrgang, Heft 2, Oktober 1964
  4. Philisterverband der Fraternitas Baltica (Hrsg.): Festschrift Fraternitas Baltica, 1865–1965, F. Kuhtal, Aschaffenburg 1964. S. 61–62.
  5. Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 201.
  6. Philisterverband der Fraternitas Baltica (Hrsg.): Festschrift Fraternitas Baltica, 1865–1965, F. Kuhtal, Aschaffenburg 1964. S. 233.