Franziskanerkloster Teschen

Koordinaten: 49° 45′ 7,2″ N, 18° 37′ 43,4″ O

Franziskanerkloster Teschen

Das Franziskanerkloster Teschen war ein Kloster des Franziskanerordens (lateinisch ordo fratrum minorum, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM, auch Franziskaner-Observanten) in Cieszyn (bis 1945: Teschen) in der Woiwodschaft Schlesien (Polen). Es wurde 1476 vom damaligen Teschener Herzog Przemislaus II. fundiert, die eigentliche Gründung lag jedoch vor 1470. Das Kloster wurde in das Böhmische Observantenvikariat aufgenommen, aus dem 1517 bei der Teilung des Franziskanerordens die Böhmische Franziskanerprovinz hervorging. In der Reformationszeit verließen die Ordensbrüder ihr Kloster oder wurden vertrieben. 1542 soll der letzte Ordensbruder in das Franziskanerkloster Beuthen gebracht worden sein. 1545 schenkte der Teschener Herzog Wenzel III. Adam das Klosterareal der Stadt Teschen. Versuche des Franziskanerordens im 17. und 18. Jahrhundert das Kloster wieder zu besiedeln, scheiterten.

Lage

Das Kloster lag außerhalb der Stadtmauern auf einem abschüssigen Gelände vor dem Freistädter Tor, zwischen der Stadtmauer und dem Boberbach (heute Bobrówka).[1] Es hieß daher das Kloster vor dem Freistädter Tor oder auch das Untere Kloster, im Gegensatz zum etwas höher und innerhalb der Stadt gelegenen Dominikanerkloster (Oberes Kloster). Nach dieser Beschreibung lag es etwa im Bereich der heutigen Straßen Bednarska, Zamkova und Dojazdowa oder Czarny Chodnik. Die Klosterkirche hatte das Patrozinium zur Hl. Dreifaltigkeit. Von den Klostergebäuden und der Klosterkirche hat sich oberirdisch nichts erhalten. Im 19. Jahrhundert war der Lokalname des ehemaligen Klostergeländes noch unter dem Namen Bossak/Bossok bekannt,[2] vom polnischen Wort bosy = unbeschuht, barfuß. Volkstümlich hießen die Franziskaner in deutschsprachigen Ländern auch Barfüßer,[3] in Polen auch Bosacki.

Geschichte

Die Geschichte des Klosters ist sehr schlecht dokumentiert. In der Literatur kursieren sogar unterschiedliche Gründungsdaten. Nach Anton Peter wurde das Kloster vor 1470 gegründet, denn in diesem Jahr wurden dem unteren Kloster von mehreren Personen goldene und silberne Messgewänder und Paramente geschenkt.[3] Sehr wahrscheinlich hatte der Teschener Herzog Przemislaus II. die Franziskaner-Observanten des Böhmischen Observantenvikariats in die Stadt geholt.[4] In lokalen Urkunden werden die Observanten auch Bernhardiner genannt. Nach Petr Hlaváček wurde das Kloster erst 1476 vermutlich (!) durch Herzog Przemislaus II.gestiftet.[5] Er schenkte dem Orden das Grundstück außerhalb der Stadtmauern vor dem Freistädter Tor für den Bau der Klostergebäude. Er stand damit in der Tradition der Teschener Herzöge, die dem Franziskanerorden sehr zugetan waren. Herzog Wladislaus, der das halbe Herzogtum Glogau geerbt hatte, stiftete 1456/58 das Minoritenkloster in Guhrau. Nach seinem Tod 1460 gründete seine Witwe Margareta von Cilli 1465 das Franziskanerkloster Glogau. 1489 wurde das Franziskanerkloster in Jauer im Beisein des damaligen Oberlandeshauptmanns und Herzogs von Teschen Kasimir II., einem Neffen des Teschener Klostergründers, eingeweiht.

Das Kloster in Teschen blieb vermutlich klein und auch weniger bedeutend. Jedenfalls fand in Teschen kein Kapitel des Böhmischen Observantenvikariats statt. Auch nach der Erhebung des Böhmischen Observantenvikariats zur Böhmischen Franziskanerprovinz ist kein Provinzkapitel in Teschen abgehalten worden.[5] Auch ist kein Name eines Guardian bekannt. Das Kloster in Teschen hatte jedoch eine gut ausgestattete Klosterbibliothek.[6]

Vermächtnisse

Es haben sich nur wenige Urkunden erhalten, in denen das Kloster erwähnt wird. Mit einer Urkunde von 1507 verfügte Barbara, die Frau des Johann Mareys für den Fall ihres Todes, dass zwei Gulden aus ihrem Vermächtnis an die Pfarrkirche Marienkirche und zwei Gulden an das Teschener Franziskanerkloster gehen sollten. 1521 erhielt das Kloster, ebenfalls aus einem Vermächtnis, weitere zwei Gulden.

Das Ende des Klosters

Mit dem Einzug der Reformation in Teschen kam auch das Ende des Klosters. Das Kloster hatte ja keinen Besitz, der eine beständige Rendite abwarf. Die Ordensbrüder waren auf Spenden und Almosen angewiesen. Die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung nahm mit Einzug der Reformation schnell ab, und die Ordensbrüder verloren ihre Existenzgrundlage. Mit der Reformation zog auch eine antiklösterliche Stimmung in der Stadt ein. Damit verbunden war, dass kaum noch Novizen in das Kloster eintraten. Der Überlieferung nach wurden die Ordensbrüder von der Stadtbevölkerung unter Führung des Bürgermeister aus der Stadt vertrieben.[2] Anton Peter lässt aber offen, ob die Ordensbrüder freiwillig oder erzwungen durch Pöbelexcesse ihr Kloster verlassen haben.

Nach Danielis wurden die Ordensbrüder 1532 von den Protestanten vertrieben,[7] nach den Autoren Gerstenberg und Wagner mussten die Franziskaner Teschen 1536 verlassen.[8] Nach Soffner lebte dagegen im Jahre 1542 im Kloster noch ein einziger Ordensbruder, den ein herzoglicher Beamter auf herzogliche Anordnung in das Franziskanerkloster in Beuthen brachte.[9] Nach der Überlieferung sollen die Konventsgebäude danach von einer aufgebrachten Volksmenge zerstört worden sein.[9] Allerdings fanden sich im Archiv der Stadt Teschen keinerlei Hinweise auf Gewalttätigkeiten gegenüber der katholischen Geistlichkeit während der Reformation.[3] Auch Mathias Kasperlik ist der Meinung, dass der aufgeregte Pöbel sich mit der Zerstörung einzelner Bestandtheile des Klosters begnügte. Er ist der Meinung, dass das Kloster und die Kirche zur Zeit der Schenkung (1545) an das Hospital noch standen und erst später als Baumaterial abgebrochen wurden.[10]

Im Jahre 1545 schenkte Herzog Wenzel Adam den Platz, auf welchem das Kloster und die Kirche standen, samt der Gärten und der Kirchenparamente der Stadt Teschen zur besseren finanziellen Unterstützung des städtischen Hospitals.[3][11] Anton Peter deutet den Vorgang so, dass das verlassene Konventsgebäude wohl abgebrochen und das noch brauchbare Baumaterial anderweitig verwendet wurde. Das Gebäude bestand jedenfalls 1545 nicht mehr.[11]

Versuche der Wiederbesiedlung

1609 konvertierten der damalige Teschener Herzog Adam Wenzel und seine Kinder Friedrich Wilhelm und Elisabeth Lukretia zum Katholizismus. In den folgenden Jahren begannen erste Maßnahmen zur Rekatholisierung von Teschen. 1611 wurde den Protestanten die Franziskanerkirche wieder entzogen. Nach Berg wurde sie 1618 den Protestanten wieder eingeräumt, jedoch 1629 dann endgültig weggenommen.[12]

1615 kamen polnische und italienische Franziskaner-Reformaten nach Teschen wie auch in die Klöster in Mährisch Neustadt, Olmütz und Gleiwitz. Sie forderten eine eigene Reformaten-Kustodie, die von der böhmischen Franziskanerprovinz unabhängig sein sollte. Dies scheiterte jedoch am Widerstand des böhmischen Provinzials Wenzel Zaliesky, der sich auf der Generalkapitel in Rom 1615 über diese Reformaten beschwerte. 1617 zogen die Reformaten wieder aus Teschen ab.[13] Wo diese Reformaten Unterkunft in Teschen gefunden hatten, ist nicht bekannt.

In den Jahren 1699 bis 1710 machte die Böhmische Franziskanerprovinz einen erneuten Versuch, die Liegenschaften zurückzubekommen und das Kloster neu aufzubauen. Auch dieser Versuch scheiterte.[14]

Die spätere Nutzung des Klosterareals

Nach der Überlieferung soll die Stadt auf dem geschenkten Klostergelände den städtischen Galgen errichtet haben, was sich allerdings nicht durch Urkunden bestätigen ließ.[3] 1789 wurde eine Regulierung des Boberbaches vorgenommen. Das Klosterareal wurde parzelliert und als Gartengrundstücke verkauft. Damals entdeckte der Jesuitenpater Leopold Johann Scherschnik, der die meisten Gartengrundstücke gekauft und einen Botanischen Garten eingerichtet hatte, den früheren Klosterfriedhof der Franziskaner, über 50 Gräber. Er ließ die Gebeine auf den Spitalfriedhof umbetten. Er markierte die Stelle des früheren Klosterfriedhofs mit einer Pyramide, die aus Überresten des früheren Klosters errichtet wurde. 1802 verkaufte Schernik den Garten an die örtliche Schützengesellschaft, die auf dem Areal einen Schießstand errichtete. Die Pyramide zerfiel anschließend und war schon zur Zeit als Anton Peter seine Geschichte der Stadt Teschen schrieb nicht mehr vorhanden.[3] Die frühere Klosterkirche wird nicht (mehr) erwähnt.

Nach Mazura stand allerdings in der Nähe des Schießplatzes noch ein altes gotisches Kapellchen, das um 1900 bereits zu einem Wohnhaus umgebaut war.[15] Er lässt es offen, ob es sich um die alte Klosterkirche handelte.

Das heutige Franziskanerkloster in Teschen

1996 kamen erneut Franziskaner nach Teschen, die die Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs erwarben. Zunächst wurde es als Hotel und Wohnheim für junge Männer genutzt. 2005 übernahm der Orden auch die Seelsorge in der anliegenden St. Johannes-Kirche des ehemaligen Jesuitenkollegs. Das Kloster gehört zur polnischen Franziskanerprovinz Mariä Himmelfahrt. Es steht somit nicht in der direkten Nachfolge des ursprünglichen Franziskanerklosters, sondern ist eine Neugründung.

Literatur

  • Petr Hlaváček: Die böhmischen Franziskaner im ausgehenden Mittelalter. Steiner Verlag, Stuttgart, 2011 (Studien zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas) (Im Folgenden abgekürzt Hlaváček, Die böhmischen Franziskaner mit entsprechender Seitenzahl)

Einzelnachweise

  1. Moriz Landwehr von Pragenau: Geschichte der Stadt Teschen. Holzner, 1976, hier S. 45.
  2. a b Albin Heinrich: Versuch über die Geschichte des Herzogthumes Teschen von den ältesten bis bis auf gegenwärtige Zeiten. Th. Prochaska’sche Buchdruckerei, Teschen, 1818 Online bei Google Books, hier 96 und 126.
  3. a b c d e f Anton Peter; Geschichte der Stadt Teschen. Verlag der k. k. Hofbuchhandlung, Teschen, 1888, hier S. 134-136 Online bei Google Books
  4. P. Scholz: Vertreibung der Bernhardiner aus Liegnitz im Jahre 1524. Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens, 12: 359-378, 1875, hier S. 360. Online bei Schlesische Digitale Bibliothek.
  5. a b Hlaváček, Die böhmischen Franziskaner, S. 174.
  6. Hlaváček, Die böhmischen Franziskaner, S. 79.
  7. George Danielis: Bestehende und bestandene Klöster in Böhmen, Mähren und Schlesien. Druck und Verlag der päpstlichen Raigerner Benedictiner, Brünn, 1884. Online bei Google Books, hier S. 33.
  8. C. Gerstenberg, A. Wagner: Neue Zeit. Schlesien. Jahresberichte der Geschichtswissenschaft, 6, III84–III85, 1888, hier S. III84 Online bei Google Books
  9. a b Johannes Soffner: Geschichte der Reformation in Schlesien. P. Aderholz’ Buchhandlung, Breslau, 1887. Online bei Google Books, hier S. 134.
  10. Mathias Kasperlik: Die Stadt und Herrschaft Friedek. Notizenblatt der historisch-statistischen Section der kais. königl. mährisch-schlesischen Gesellschaf zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde, Nr. 11: 81-, 1872, hier S. 84 Das Franziskanerkloster in Teschen Online bei Google Books
  11. a b Gottlieb Biermann: Geschichte des Herzogthums Teschen. In Kommission Karl Porochaska, Teschen, 1863, hier S. 193. Online bei Google Books
  12. J. Berg: Die Geschichte der schwersten Prüfungszeit der evangelischen Kirche Schlesiens und der Oberlausitz. Selbstverlag des Verfassers, Jauer, 1857. Online bei Google Books, hier S. 389.
  13. Hlaváček, Die böhmischen Franziskaner, S. 63.
  14. Das nicht mehr bestehende Franziskanerkloster aus dem Mittelalter auf visitcieszyn.com
  15. Josef Matzura: Besprechung von Biermann, Geschichte des Protestantismus in Oesterreichisch-Schlesien. Zeitschrift des Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, 2: 189-192, Brünn, 1898, hier S. 190. Online bei Google Books