Franziskanerkloster Kempen
Das Franziskanerkloster Kempen ist ein säkularisiertes Kloster in Kempen am unteren Niederrhein. Es bestand von 1624 bis zu seiner Auflösung 1802.
Geschichte
Die Gründungsgeschichte des Franziskanerklosters Kempen ist aus erhaltenen zeitgenössischen Chroniken detailliert bekannt. Zu den wichtigsten Quellen hierzu zählen die Stadtgeschichte des Johann Wilmius, der selbst in die Gründung involviert war, die Pfarrchronik Kempens im Kempener Stadtarchiv sowie die sogenannten Provinzannalen, die mit dem Nachlass Binterims in die Düsseldorfer Universitätsbibliothek gelangten. Das Stadtarchiv Düren[1] beherbergt darüber hinaus eine Chronik der Kölner Ordensprovinz, welche mutmaßlich von Pater Jakob Polius verfasst wurde.[2]
Vorgeschichte
Nach sporadischen Besuchen von Brüdern des Franziskanerordens der strengen Observanz aus dem bereits 1488 gegründeten Kloster im westfälischen Dorsten, die zur Seelsorge an den Niederrhein kamen, wurde 1624 ein eigenes Kloster in Kempen gegründet. Die Observanten wurden dabei von dem Kölner Erzbischof Ferdinand unterstützt. Dieser wollte mit Hilfe des Ordens die von ihm initiierte Gegenreformation am Niederrhein stärken.
Konkret wurden die Pläne zur Klostergründung in Kempen, als im Februar 1624 der Schlossmacher Nikolaus Halver dem 1612 gegründeten Venloer Franziskanerkloster sein Haus vermachte. Den Venloer Ordensbrüdern erschien das Gebäude in der Peterstraße, das an das Hospital grenzte, zu klein für einen Konvent, und sie lehnten das Vermächtnis des Schlossmachers ab. Auf Betreiben von Johann Wilmius, einem bischöflichen Kommissar und Beichtvater von Halver, und dem aus Kempen stammenden Franziskanerpater Edmundus Sylvius aus dem Brühler Konvent wurde Kontakt zum Vikar des Franziskanerklosters Düren, Henricus Laurentius, hergestellt. Dieser wurde am 8. Mai 1624 vom Generalkommissar der Observanten Joseph Bergaigne schriftlich beauftragt, Kontakt zum Rat der Stadt Kempen aufzunehmen.[3] Erzbischof Ferdinand erteilte am 31. Mai 1624 offiziell die Genehmigung zu einer Klostergründung in Kempen und ernannte Pater Laurentius zum ersten Superior.[4] Laurentius bezog daraufhin mit einem weiteren Franziskaner, Bruder Adam Lammersdorf, das Halver Haus in der Peterstraße. Die Kirche stellte den beiden die Hospitalkapelle (Heilig-Geist-Kapelle am Buttermarkt) als vorläufigen Gebetsort zur Verfügung.
Erste Bauphase (1624–1640)
Auch Pater Laurentius fand das Haus des Schmieds zu klein und für die Bedürfnisse einer Ordensniederlassung ungeeignet. Die Observanten verkauften das Haus in der Peterstraße daher. Sie kauften am 11. August 1624 von der Abtei Gladbach aus dem Erlös und mit zusätzlichen Spendengeldern für 700 Taler den geräumigeren Katharienenhof. Mit Hilfe weiterer Spendengelder und mit der finanziellen Unterstützung des Kölner Erzbischofs wurde Baumeister Leonard Latom aus dem Marktflecken St. Thönis (heute Tönisvorst) mit dem Bau eines Konvents beauftragt. Bereits am 25. November 1625, dem Gedenktag der heiligen Katharina, der Schutzpatronin des Klosters, begann der Bau eines Oratoriums. In einem zweiten Bauabschnitt wurden unter Baumeister Jodocus zwischen 1627 und 1630 weitere Klostergebäude errichtet. Das Gewld hierfür erhielten die Observanten vor allem aus Vermächtnissen und Spenden wohlhabender Kleriker. Zum Beispiel spendete der Linner Pfarrer Friedrich Reinsch mehr als 2000 Taler für den Bau. Am 14. Juli 1630 konnten die Observanten aus dem Katharienenhof in die neuen Konventsgebäude ziehen.
Ab 1631 folgte in einem dritten Bauabschnitt die Errichtung einer eigenen Klosterkirche, die 1640 fertiggestellt wurde. Damit endete die erste Klosterbauphase. Neben den Konventsgebäuden mit einem Kreuzgang und der Klosterkirche mit Sakristei gehörten zur Klosteranlage ein Kapitelsaal und ein Gästehaus. Pläne oder Zeichnungen dieses ersten Franziskaner-Observanten-Klosters in Kempen sind nicht überkommen. Informationen zum Aussehen des Konvents können nur archäologisch beigebracht werden.
Klosterkirche (Kath. Rektoratskirche St. Katharina)
Nutzten die Ordensbrüder zu Beginn ihrer Niederlassung in Kempen noch die Hospitalkapelle am Buttermarkt für ihren Gottesdienst, begannen sie 1631 mit dem Bau einer eigenen Klosterkirche, der sogenannten Paterskirche. Grundsteinlegung war der 20. Mai 1630. Durch kriegsbedingte Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung erfuhr der Bau mehrfache Verzögerungen. 1638 wurden die Außenarbeiten fertig, sodass nach der Winterpause im Mai 1639 mit dem Innenausbau begonnen werden konnte. Am 29. August 1640 weihte Kurfürst Franz Wilhelm von Wartenberg, Fürstbischof von Osnabrück, die Klosterkirche.
Die Paterskirche ist eine einschiffige Hallenkirche mit einem langgestreckten Chor und Kreuzgewölben. 1748 wurde sie im Stil des Barock umgebaut und durch Kurkölner Handwerker mit einer qualitätsvollen Ausstattung versehen. Zum erhaltenen barocken Inventar gehört auch der prachtvolle Hochaltar, der neben einer Marienfigur eine Skulptur der heiligen Katharina zeigt. Beide Statuen stammen aus der Werkstatt der flämischen Maler- und Bildhauerfamilie Quellinus.
Im Zuge der durch die Franzosen angeordneten Auflösung des Konvents im Jahre 1802 wurde auch die Klosterkirche säkularisiert. Bereits zwei Jahre später konnte das Gebäude als katholische Rektoratskirche St. Katharina erneut konsekriert werden.
Zweite Bauphase (1746–1748)
In der Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich die Bausubstanz der Klosteranlage in einem desolaten Zustand. Bei einem Besuch Clemens Augusts I. am 5. bis 11. August 1745 in Kempen sagte der Kurfürst finanzielle Unterstützung für eine Modernisierung der baufällig gewordenen Klostergebäude zu. Nach einem Teilabriss erfolgte 1746 bis 1748 ein gänzlicher Neubau im Stil des Barock. Verantwortlicher Baumeister war Hermann Bantes, über den nur sehr wenig bekannt ist.[5] Zur Ausstattung des Klosters gehörten reichverzierte Stuckdecken, die sich zum Teil noch im Erdgeschoss erhalten haben und in den Räumen des Kramer-Museums zu sehen sind.
Heutige Nutzung
Nach der Säkularisation durch die Franzosen 1802 wurden die Klostergebäude erst als Lazarett, später als Schule, Finanzamt und als Kreisverwaltung genutzt. Zeitweise war hier das Gymnasium Thomaeum untergebracht. Heute beherbergt es das städtische Kramer-Museum, die Stadtbibliothek und das Thomas-Archiv. Im Thomas-Archiv sind auch noch einige Bände aus der Bibliothek des Jacob Streidthoven vorhanden. Der am 12. August 1627 verstorbene Streidthoven war Pastor in Kempen und Leiter des Hospitals. Ihm kommt eine besondere Rolle bei der Finanzierung des ersten Klosterbaus zu. So sammelte er täglich Spenden und stiftete sein gesamtes Privatvermögen.
Archäologie
Im Zuge einer Umgestaltung des Klosterinnenhofs wurde 1987 im Zentrum des Hofs ein Einstiegsschacht entdeckt und archäologisch untersucht.[6] Der Schacht führte in einen 4,5 × 3,0 Meter großen gemauerten Raum, der von einem Tonnengewölbe überdeckt ist. Auf den unterirdischen Raum führen Tonrohre. Die Funktion des Raums ist unklar. Ein fehlender wasserdichter Boden lässt eine Interpretation als Zisterne vordergründig nicht zu. Denkbar wäre auch, dass es sich hierbei um einen Sickerschacht handelt. Datiert wird das Bauwerk in die Phase des Klosterneubaus von 1746/48.
Die Funde aus den archäologischen Untersuchungen befinden sich heute im städtischen Kramer-Museum und im Rheinischen Landesmuseum Bonn.
Denkmalschutz
Der Bereich des Klosters ist ein Bodendenkmal nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen (Denkmalschutzgesetz – DSchG).[7] Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.
Literatur
- Georg Dehio, Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen, I. Rheinland. Deutscher Kunstverlag, München 1967, S. 278.
- Elisabeth Friese: Die Franziskaner in Kempen. In Dies. (Hrsg.): Soli Deo gloria. Das Museum für Niederrheinische Sakralkunst in der Peterskirche Kempen. Kulturforum Franziskanerkloster Kempen, Kempen 2005, ISBN 3-89355-945-0, S. 13–34. Nebst Beilage: Liste der Guardiane und Mönche im Kempener Franziskanerkloster sowie der Franziskaner aus Kempen.
- Vera Lüpkes: Das ehemalige Franziskanerkloster in Kempen. In: Friedhelm Weinforth (Hrsg.): Campunni – Kempen. Geschichte einer niederrheinischen Stadt – Aufsätze – . Kreis Viersen, Viersen 1993, ISBN 3-928441-16-7, S. 421–442.
- Heinrich Hermann Roth: Die Klöster der Franziskaner-Rekollekten in der alten Erzdiözese Köln. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 94, 1913, S. 68–134.
- Ulrich Stevens, Friedhelm Weinforth: Stadt Kempen am Niederrhein. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Rheinische Kunststätten. Heft 44, Neuss 1989, ISBN 3-88094-645-0.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Stadtarchiv Düren Akte 34
- ↑ Lüpkes 1993, S. 421f.
- ↑ Stadtarchiv Düren Akte 34, Blatt 1.
- ↑ Stadtarchiv Kempen, Sammlung Schüller.
- ↑ Lüpkes 1993, S. 430.
- ↑ Bonner Jahrbücher, Band 189, 1989, S. 431f.
- ↑ Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen (Denkmalschutzgesetz - DSchG)
Koordinaten: 51° 21′ 56″ N, 6° 25′ 13″ O