Franz von Zwerger

Franz Seraphim Benedikt Constanz Johann Nepomuk von und zu Zwerger (* 10. Dezember 1792 in Waldkirch; † 18. Juni 1856 in Ravensburg) war ein deutscher Politiker (Zentrum). Er war von 1821 bis 1856 Stadtschultheiß von Ravensburg und von 1831 bis 1844 Abgeordneter im Württembergischen Landtag.

Familie

Franz von Zwerger wurde im damals vorderösterreichischen Waldkirch im Breisgau als zweitältestes von fünf Kindern geboren. Sein Vater Dr. iur. Johann Anton von Zwerger (auch Zwergern; 1744–1813) war kaiserlich-königlicher Schultheiß und späterer Oberamtmann. Seine Mutter Maria Alexia war die Tochter des Schwyzer Landammanns Franz Michael Xaver Reichmuth.

Nach der Pensionierung des Vaters zog die Familie 1811 aus Tettnang nach Ravensburg.

Leben

Franz von Zwerger studierte an der Universität Tübingen. Er wurde 1812 Mitglied der Oberschwäbischen Landsmannschaft/Corps Suevia Superior und war 1815 Stifter des Corps Württembergia Tübingen.[1] Nach dem Studium trat er in den Staatsdienst ein. Er war Praktikant beim Oberamt Ravensburg und legte am 15. und 16. Dezember 1817 beim württembergischen Innenministerium das Dienstexamen ab.

Als Jurist mit Verwaltungserfahrung war Zwerger in Ravensburg viel gefragt. 1820 gewann er die Wahl zum Ravensburger Stadtschultheiß (Oberbürgermeister).[2] Dieses Amt übte er anfangs, ab dem 10. Mai 1820, als Verweser aus; am 5. Februar 1821 wurde als „wirklicher Stadtvorstand“ im Amt bestätigt.[3] Am 2. März 1820 wurde er zudem als Stadtrat in den Bau- und Feuerausschuss gewählt. Die lange Amtszeit des vielseitigen und liberalen Katholiken war geprägt von zahlreichen Reformen in Verwaltung, Handel und Gewerbe.[4]

Von 1831 bis 1844 vertrat Zwerger das Oberamt Ravensburg und 1848/1849 das Oberamt Neckarsulm im Württembergischen Landtag in Stuttgart.

Zusammen mit dem Fabrikanten Deffner betrieb Zwerger zudem die größte Baumwollspinnerei Zwerger, Deffner & Weiss in Ravensburg.[5][6][7]

Literatur

  • Alfred Lutz: Die Ära Franz von Zwerger: 1820/21–1856 (= Ravensburger Stadtgeschichte, Band 19). Volksbank Ravensburg, Ravensburg 1990.
  • Alfred Lutz: Zwischen Beharrung und Aufbruch. Ravensburg 1810–1847. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-05912-6.
  • Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 1075.
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Einzelnachweise

  1. Rainer Assmann, Ernst Napp und Ingo Nordmeyer: Die Tübinger Rhenanen (Corpsliste und Corpsgeschichte), 5. Aufl. 2002, S. 384.
  2. Alfred Lutz: Zwischen Beharrung und Aufbruch. Ravensburg in den Jahren 1810 bis 1847. Aschendorff, Münster 2005, S. 202.
  3. Tobias Hafner: Altes und Neues aus der Geschichte Ravensburgs. Dorn’sche Buchhandlung, Ravensburg 1908, S. 14 (Digitalisat).
  4. Helmut Binder, Alfred Lutz, Markus Glonegger: Das Ravensburger Rutenfest in Geschichte und Gegenwart. Biberacher Verlagsdruckerei, Biberach 1997, ISBN 3-924489-87-4, S. 218.
  5. Gert Kollmer-von Oheimb-Loup: Zollverein und Innovation. Die Reaktion württembergischer Textilindustrieller auf den Deutschen Zollverein 1834–1874 (= Beiträge zur südwestdeutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 22). Scripta Mercaturae, St. Katharinen 1996, ISBN 3-89590-029-X, S. 360.
  6. Revolution im Südwesten. Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Archivare im Städtetag Baden-Württemberg. 2. Auflage. Info Verlag, Karlsruhe 1998, ISBN 3-88190-219-8, S. 504.
  7. Hugo Riede: Die Entwicklung der württembergischen Textilindustrie. Gläser & Kümmerle, Bietigheim (Württ.) 1937, S. 55.